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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 9
Masterliste

***
***


10.


Am nächsten Morgen wachte er mit rasenden Kopfschmerzen auf, die nachließen, sobald er seine Nachbarin davon überzeugte, ihren Mann nach einem weiteren lautstarken Streit zu verlassen. Und er hatte etwas Gutes getan. Ihr Mann war ein Idiot und sie war viel zu hübsch, um an ihn gefesselt zu sein.

Die Basis war den ganzen Tag ruhig und jeder in seine eigenen Projekte vertieft oder mit Papierarbeit beschäftigt. Aber die Stimmung war gut. Jack ließ sie etwas früher gehen und Owen entschied sich dazu, das Projekt Finde Ianto eine neue Freundin in die Tat umzusetzen.

Er verließ die Basis durch die Touristeninformation, wo Ianto Formulare ausfüllte.

”Hey, Kumpel! Lust auf ein Bier?”

Ianto blickte ihn an, als wäre er nicht sicher, ob Owen wirklich mit ihm gesprochen hatte.

”Komm schon, Ianto. Tosh hat ein Date und Gwen ist mit Rhys im Kino. Und Jack ist ...” Owen zögerte. ”... wo auch immer er ist, um zu entspannen.”

”Er hat mich darüber informiert, dass er einige Zeit auf dem Dach des Millennium Centers verbringen würde”, antwortete Ianto.

”Wo auch immer”, sagte Owen. Er strengte sich an, Ianto nicht unwillkürlich zu manipulieren. Das letzte, was er gebrauchen konnte, war ein Psi-Schock.

”In Ordnung”, sagte Ianto. ”Aber ich muss auf Abruf bleiben. Jack ist noch immer beunruhigt wegen dem Eindringling.”

”Junge, wir sind immer auf Abruf.”

***

Es stellte sich heraus, dass man tatsächlich Spaß mit Ianto haben konnte, wenn er nicht in der Basis war. Er hatte sein Jackett und die Krawatte in seinem Wagen gelassen und das Hemd aus der Hose gezogen. Er lachte, machte Scherze und erzählte Anekdoten über Jacks nicht sehr vorbildliches Verhalten auf UNIT-Konferenzen, die Owen garantiert niemals hätte hören sollen. Owen genoss den Abend … außer in den paar Momenten, in denen er es nicht tat.

”Was sollte das gerade?”, fragte er irritiert, als Ianto mit zwei Gläsern Bier von der Bar zurückkehrte.

”Was?”, fragte Ianto verwirrt.

”Das Mädchen. Sie ist schon die dritte, die du heute abblitzen lässt.” Und obwohl Owen sich besser als je zuvor fühlte, nachdem er den Stein bei den Frauen angewendet hatte, wurde er langsam etwas frustriert.

Ianto starrte in sein Bier.

”Oh!” Er zuckte mit den Schultern. ”Sie ist nicht mein Typ.”

”Sie ist heiß. Und sie steht auf dich.” Owen war sichergegangen, dass die Frauen, die er auf Ianto hatte zugehen lassen, bereits ohne seine Einmischung Interesse gezeigt hatten. Er fand, er hatte ihnen nur einen Schubs in die richtige Richtung gegeben.

”Sie sieht fantastisch aus”, nickte Ianto. ”Jede von ihnen. Ich … sie sind nur nicht mein Typ.”

”Okay”, lenkte Owen ein und blickte sich um. Er fand ein weiteres Augenpaar, das auf Ianto fixiert war.

”Wie sieht's mit ihm aus?”, fragte er. Groß und attraktiv mit blauen Augen und einem hinreißenden Lächeln. Er sah ein bisschen aus wie Jack.

Ianto wurde rot.

”Was ist denn los mit dir?”

”Ich will dir nur zu einem Liebesleben verhelfen.”

”Ich brauche kein Liebesleben”, antwortete Ianto.

Owen hob die Augenbrauen.

”Jeder braucht ein Liebesleben.”

”Ich nicht.” Ianto starrte aus dem Fenster.

Owen seufzte.

”Ist es wegen Lisa?”

Ianto antwortete nicht.

”Oder wegen Jack?”

Ianto schüttelte den Kopf.

”Ich bin müde. Wir sehen uns morgen.” Er verließ die Kneipe, bevor Owen ihn aufhalten konnte. Der Arzt fluchte und schnappte sich seine Jacke und folgte ihm.

Ianto zog gerade seinen Mantel an und betrat eine kleine Seitenstraße, die ihn zurück zu ihren Autos führen würde.

Etwa auf halbem Wege holte Owen ihn ein und hielt sein Handgelenk fest.

”Ianto, ernsthaft … diese Sache mit Jack wird nicht funktionieren.”

Ianto starrte ihn an.

”Owen, hier geht es nicht im geringsten um Jack. Ich bin nur … ich bin einfach noch nicht soweit. Lass mich los.” Er drehte sich weg.

Owen verlor die Kontrolle.

”Ianto, bleib stehen.”

Bleib hier, verdammt nochmal.

Ehe er sich selbst aufhalten konnte, prallte er gegen Iantos Schilde. Rot-heißer Schmerz traf ihn und er hörte einen erstickten Schrei von Ianto. Er keuchte und schloss die Augen, ehe er gegen eine Wand stolperte. Es hatte sich das letzte mal nicht so schlimm angefühlt, oder? Warum jetzt?

Das Pochen hinter seinen Augen wurde schlimmer und er rutschte auf den nassen Asphalt. Es tat weh, er wollte aufhören und sich zurückziehen, aber er konnte nicht. Es war, als wäre er nicht mehr Herr seines Körpers und plötzlich kam etwas anderes in ihm hoch. Owen lachte hilflos, als ein Glücksgefühl ihn überwältigte. Er wusste nicht, wie, aber er wusste, dass er es geschafft hatte einen Riss in Iantos Schilde zu schlagen und es fühlte sich unglaublich an, als dieser größer und größer wurde. Es war wie ein Spiel. Er fühlte, dass Ianto ihn mental wegstoßen wollte, aber Owen ließ ihn nicht.

”Ich kriege dich”, flüsterte er. Er fühlte sich stärker als beim letzten Mal. Vielleicht tat es deshalb dieses Mal weh. Weil er kurz davor war, Iantos Schilde zu durchbrechen. Der Riss wurde größer und Owen hörte Ianto schluchzen und plötzlich realisierte er, was er da tat.

Er tat ihm weh.

”Hör auf.”

Aber er konnte nicht. Ihm wurde schwindelig und er wurde … 'high, oh Gott, wie ein Junkie' und es fühlte sich gut an.

Aber er konnte es nicht tun. Es zerstörte Ianto. Er nahm seine ganze Entschlossenheit zusammen und zog sich zurück. Er erstickte an einem Schluchzen, als die Dunkelheit über ihn kam. Das letzte, was er hörte, war eine Stimme in seinem Kopf, die sich verdächtig nach Ianto anhörte, nur schwächer und gebrochen.

Wer bist du?

***

Tosh lächelte Delwyn an, als er vor ihrem Wohnhaus parkte.

”Danke”, sagte sie.

Er grinste.

”Kein Problem.” Er machte den Motor aus und drehte sich in seinem Sitz zu ihr. ”Also ...”

”Also …”, antwortete sie langsam.

Er lächelte.

”Ich würde dich gerne wieder sehen.”

Sie wurde rot.

”Ja, also ...” Sie wusste nicht, wie sie es sagen sollte. Er war unglaublich nett, ein echter Gentleman, der ihr die Türen aufhielt, er war attraktiv aber … er war auch furchtbar langweilig. Tosh hatte sich selbst mehr als ein Mal dabei erwischt, wie sie über das Computerprogramm nachdachte, das sie entwickelte. Und das war einfach nicht richtig.

”Weißt du, ich …” Ihr Handy klingelte und sie lächelte entschuldigend. ”Ich denke, da muss ich dran gehen.”

Es gab nur eine Person, die so spät noch anrufen würde.

Er zuckte mit den Schultern.

”Ich kann warten.”

Sie warf einen Blick auf das Display, dann antwortete sie.

”Jack, was ist-”

”Ianto hat sein Notsignal aktiviert. Ich brauche dich. Wo bist du?”

”Zu Hause.”

”Ich bin fast bei Gwen. Wir sind in zehn Minuten bei dir.” Er legte auf.

Tosh blickte zu Delwyn.

”Ein Notfall. Die Arbeit.” Sie öffnete die Tür.

”Hey! Ich rufe dich an, okay?”, fragte er.

Tosh hatte nicht das Herz, ihm zwischen Tür und Angel die Wahrheit zu sagen und sie war viel zu besorgt um Ianto, als dass sie sich auf ein solches Gespräch konzentrieren könnte. Sie dachte, dass sie noch ein weiteres Date ertragen könnte, bevor sie ihn abweisen würde.

”Sicher.” Sie schlug die Tür zu und Delwyn fuhr davon.

Sie wartete draußen, bis der SUV mit quietschenden Reifen neben ihr hielt. Sie kletterte auf den Rücksitz und schaltete die Computer um sie herum ein.

”Ich verfolge sein Signal”, sagte sie und während der Computer suchte, fand sie ihr Headset und setzte es sich ins Ohr, bevor sie ihre Waffe von Gwen in Empfang nahm. Jack fuhr bereits instinktiv Richtung Stadtmitte - wie immer viel zu schnell.

Das Notfallsignal konnte mit einem Gerät aktiviert werden, das etwas kleiner als ein Handy war. Sie hatten alle eines. Es wurde nur benutzt, wenn sie nicht die Möglichkeit hatten, per Handy Verstärkung anzufordern. Für gewöhnlich bedeutete das, dass die Situation sehr kritisch war. Sonst wäre Jack der Sache wohl alleine nachgegangen. Notfallsignale forderten das ganze Team.

”Wo ist Owen?”, fragte Tosh.

”Er antwortet nicht auf meine Anrufe”, sagte Gwen, als Jack erkennen ließ, dass er nicht antworten würde. ”Vielleicht ist er bei Ianto.”

”In dem Fall habe ich sie beide gefunden”, sagte Tosh und begann, Jack den Weg zu weisen.

***

Owen drückte den Knopf. Er konnte nicht sicher sein, dass Ianto es wirklich geschafft hatte. Aber falls doch, dann würden Jack und die anderen bald hier sein und mit ihnen Owens Notfallausrüstung, die im Kofferraum des SUVs war.

Er fuhr mit einer zitternden Hand durch seine nassen Haare, nahm den kalten Wind und den Regen nicht wirklich wahr.

”Komm schon”, flüsterte er und hielt Iantos Hand in seinen. ”Atme weiter.” Er konnte nicht viel mehr tun. Die Spritze mit dem Tiramin war im SUV und Psi-Schock konnte man sonst nicht anders behandeln. Torchwood 1 hatte versucht, eine sicherere Therapie zu finden, aber dann war Canary Wharf passiert.

Er kontrollierte Iantos Puls und starrte in das blasse Gesicht mit halb geöffneten, blinden Augen. Er fluchte.

”Atme weiter. Atme weiter.”

Quietschende Reifen und rennende Schritte, dann Jacks Stimme.

”Tosh, wir brauchen Owens Tasche.” Jack kniete sich neben Owen und blickte in Iantos Augen.

”Es ist wieder passiert”, sagte er.

Owen nickte.

”Er lebt. Gerade so.”

Iantos Atem wurde mit jeder Minute schwächer und sein Puls ebenfalls. Owen war sicher, dass er ihn mit Mund-zu-Mund-Beatmung zurück holen könnte, aber Psi-Schock barg noch weitere Gefahren. Je länger sie mit der Injektion warteten, desto größer war die Gefahr, dass Ianto nicht mehr aufwachen würde.

Psi-Schock attackierte das Gehirn wie ein Gift. Die extreme Reaktion auf das Eindringen eines anderen Bewusstseins war überwältigend. Sobald der Eindringling verbannt war oder sich selber zurück zog, gefror das Gehirn einfach, überwältigt und beschädigt durch die Panikreaktion des Geistes. Das Tiramin half, den Blutdruck zu heben und die Symptome zu bekämpfen, die den Körper befielen. Die Spritze enthielt außerdem ein Gegenmittel, das Torchwood 1 aus einer Alien-Droge extrahiert hatte. Es bekämpfte den Psi-Schock selbst und vermied, dass das Gehirn ganz abschaltete. Stattdessen wurde es gezwungen, für ein paar Stunden nur die nötigsten Funktionen auszuführen. Dadurch wurde das Opfer müde und schlief ein, während das Gehirn sich selbst reparierte.

Jack hatte gesagt, dass es in manchen Galaxien eine Kunst sei, in den Kopf eines anderen einzudringen. Owen verstand wieso. Je subtiler der Eindringling war, desto weniger wurden das Bewusstsein und der Körper des Opfers geschädigt. Eindringen ohne zu töten. Eindringen ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Die ultimative Waffe. Aber Owen wusste, dass er selbst nicht subtil war. Dafür brauchte man Jahre der Übung. Im Vergleich dazu spielte er nur – und setzte dabei Iantos Leben ein.

Tosh gab Owen seine Tasche. Er öffnete sie und fand die richtige Spritze. Jack hatte Ianto aufgerichtet und an seinen Oberkörper gelehnt. Er hielt Iantos Hände in seinen. Owen wusste, dass die Zeit ablief. Er wählte die weniger elegante Lösung und rammte die Nadel in Iantos Oberschenkel. Der Archivar verzog nicht mal das Gesicht, viel zu sehr gefangen in der Panikattacke seines Gehirns. Sie warteten. Viel mehr konnten sie nicht tun. Dank des Regens konnte niemand Owens Tränen sehen.

Kapitel 11