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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 10
Masterliste

***
***


11.


Ianto keuchte und schrie auf. Er versuchte, Halt zu finden, irgendwo, und plötzlich waren da Hände die ihn hielten und in der Realität verankerten.

”Ist okay”, sagte jemand. Ihm war kalt und aus irgendeinem Grund war er nass. Er wimmerte, als er dunkle Schatten um sich herum sah und schloss die Augen. Sein Kopf wurde sanft gedreht. Er roch nasse Wolle und wusste, dass Jack da war. Er schlief ein.

Gwen blickte sich in der verlassenen Gasse um und schob nasse Haarsträhnen aus ihrem Gesicht.

”Wir sollten gehen. Ihn ins Warme bringen.”

Jack nickte und änderte seinen Griff, um Ianto vorsichtig hochzuheben.

”Ich sitze mit ihm hinten”, sagte Owen. Gwen fand, dass er merkwürdig still war, aber vielleicht war er auch nur besorgt.

”Okay”, antwortete Jack. ”Tosh, du auch.”

Sie nickte.

Im SUV war es warm. Dennoch zog Owen eine Decke unter dem Beifahrersitz hervor und breitete sie über Ianto aus, der mit seinem Kopf auf Toshs Oberschenkel schlief, die Beine zwischen Tosh und Owen auf dem Sitz. Toshs Finger strichen sanft durch seine Haare.

Jack wartete, bis Owen sich angeschnallt hatte, dann startete er das Auto.

”Erzähl mir, was passiert ist”, sagte er.

Owen hatte diesen Moment gefürchtet.

”Da war … ich weiß es eigentlich nicht so genau. Er war okay und ging neben mir und dann plötzlich … war er es nicht mehr.”

Jack blickte kurz in den Rückspiegel.

”Hat er was gesagt?”

Owen schluckte.

”Wir hatten … eine Diskussion.”

”Eine Diskussion? Worüber?”

”Ist das wichtig?”

”Wahrscheinlich nicht”, lenkte Jack ein und seufzte tief. ”Das ist ein Problem. Wir können mentale Angriffe nicht orten und wir können Ianto nicht schützen.”

Gwen blickte ihn schockiert an.

”Aber wir müssen doch was tun können.”

”Nein”, antwortete Jack. ”Glaub mir. Es gibt nichts. Wir können nur hoffen, dass Ianto den Eindringling identifizieren kann.”

”Ist das möglich?”, fragte Gwen.

”Ein Bewusstsein verschmilzt mit einem anderen, Gwen … der Eindringling war nicht nur in Iantos Kopf, sondern Ianto war auch in seinem. Ianto wurde beigebracht, nach Hinweisen zu suchen, aber er ist aus der Übung. Ich weiß nicht, ob er richtig hinsehen konnte.”

”Okay”, sagte Gwen, als sei Gedankenkontrolle das Selbstverständlichste der Welt. Owen nahm an, dass sie innerlich gerade Panik bekam und versuchte festzustellen, ob sie manipuliert worden war. Ihm wurde übel.

Gwen warf einen kurzen Blick über ihre Schulter auf Ianto.

”Als das das letzte mal passiert ist … hat er da was gefunden?”

”Ja”, antwortete Jack, ”aber es hat nicht gereicht, um ihn zu identifizieren.”

”Jack …”, sagte Owen. Er erstickte an den Worten. Er konnte es Jack nicht sagen. Der Captain würde ausrasten.

Aber er musste. Jack dachte, dass jemand versuchte, in Torchwood einzudringen. Owen musste ihn beruhigen.

Aber wenn er es ihm sagte, würde Jack den Stein nehmen und …

”Was, Owen?”, fragte Jack, als er in Torchwoods Tiefgarage fuhr.

Owen holte tief Luft und wappnete sich.

”Ich will Ianto morgen von oben bis unten durchchecken … nur zur Sicherheit.”

”Gut”, antwortete Jack. Owen nickte und war sich nicht sicher, warum er gelogen hatte. Obwohl er es unterbewusst ahnte. Er wusste, dass er nicht mehr ohne den Kick leben konnte, den ihm der Stein gab. Und der größte Kick war der Versuch gewesen, in Iantos Kopf einzudringen.

***

Erst, als Owen sein Auto vor Toshs Wohnhaus anhielt, erinnerte er sich daran, dass sie ein Date gehabt hatte.

”Hey, wie lief es mit Delwyn?”

Tosh zögerte und biss sich auf die Unterlippe.

”Ganz okay.”

”Ganz okay”, wiederholte Owen. ”Klingt … nicht okay.”

Tosh seufzte und lehnte sich in ihrem Sitz zurück.

”Ich weiß nicht. Er ist nur ...”

”Nicht heiß?”

”Er ist definitiv attraktiv.”

”Dumm?”

”Sehr intelligent.”

”Kriegt er ihn nicht hoch?”

”Gott, Owen!” Sie schlug seinen Arm. ”Wir haben uns noch nicht mal richtig geküsst.”

”Woran liegt's dann?”, fragte Owen.

”Er ist langweilig.”

”Was? Das ist alles?”

Tosh schüttelte den Kopf.

”Manche von uns wissen eine interessante Unterhaltung ab und zu zu schätzen.”

”Du kannst dich mit mir unterhalten. Anschließend gehst du nach Hause und lässt dich von ihm nageln. Das Beste aus zwei Welten.”

Sie grinste.

”Idiot.” Dann schüttelte sie den Kopf. ”Ich werde es ihm nächstes Mal sagen. Heute war keine Zeit dafür.”

”Ja, tut mir leid.”

”War ja nicht deine Schuld.” Sie öffnete die Tür. ”Danke für's Mitnehmen.”

”Gerne.”

Sie schloss die Tür und Owen war allein mit seinen Gedanken. Er legte die Stirn gegen das Lenkrad und seufzte tief.

”Was mache ich nur?”

***

Jack setzte sich auf die Bettkante und seufzte tief. Er blickte auf Ianto hinunter. Der Archivar schluckte und versuchte zu verbergen, wie nervös er war.

Jack legte die beiden Spritzen, die er mitgebracht hatte, auf den Nachttisch.

”Wir könnten Owen anrufen.”

”Ich will nicht, dass einer von ihnen zusieht”, antwortete Ianto.

”Okay”, antwortete Jack. ”Deine Entscheidung.”

”Dein Plan”, antwortete Ianto.

Jack zögerte.

”Vielleicht sollten wir noch warten. Du bist gerade erst aufgewacht.”

”Das können wir uns nicht leisten. Die Erinnerungen sind noch frisch.”

Der Captain nickte.

”Deine Hände zittern”, sagte er.

Ianto nickte.

”Ich weiß.” Er setzte sich auf und lehnte sich an die Wand.

Jack nahm eine der Spritzen und Ianto streckte den Arm aus. Jack zögerte.

”Wir könnten das auch ohne Injektion machen.”

”Könnten wir nicht”, antwortete Ianto ernst. “In meinem Kopf herrscht ein ziemliches Durcheinander.”

Jack konnte das verstehen. Lisa und die Suspendierung, die Selbstvorwürfe, die der junge Mann sich sicherlich machte, Jacks Weigerung, ihn so nah an sich heran zu lassen wie zuvor und nun diese neue Bedrohung … Iantos Bewusstsein musste im Augenblick mit Erinnerungen und Emotionen überwältigt sein. Und er würde seine Schilde nicht abwerfen können, wenn er so nervös und verwirrt war. Nicht ohne die Hilfe eines Beruhigungsmittels. Es würde Ianto entspannen und ihm helfen, die Schilde zu senken, sodass Jack in sein Bewusstsein eindringen konnte, ohne einen Psi-Schock auszulösen.

Jack injizierte das Beruhigungsmittel und legte die Spritze auf den Nachttisch, ehe er es sich anders überlegte und sie in der Schublade verstaute.

”Ich will im Notfall nicht aus Versehen die falsche greifen”, erklärte er. Ianto nickte und starrte auf die andere Spritze mit dem Tiramin.

Jack rutschte näher an ihn heran. Er wollte den jüngeren Mann beruhigen.

”Ich bin vorsichtig.”

Als Jack geboren worden war, im 51. Jahrhundert, hatten sich die Menschen mit anderen Rassen des Universums gepaart und eine natürliche Begabung dafür entwickelt, in das Bewusstsein anderer einzudringen. Aber Ianto war ein Mann des 21. Jahrhunderts und Jack verstand, warum der Gedanke, jemanden freiwillig in seinen Kopf zu lassen, ihm unangenehm sein musste.

Ianto räusperte sich.

”Ich weiß.”

Jack bemerkte, dass Iantos Augen etwas unfokussiert wurden. Seine Hände zitterten aber noch immer.

”Hast du Angst?”

Ianto wich Jacks Blick aus.

”Ianto?”

”Ich habe noch nie jemanden freiwillig hinein gelassen.”

Jacks freie Hand legte sich in Iantos Nacken und er blickte in seine Augen, entschlossen, ehrlich zu ihm zu sein.

”Es ist sehr intim. Du wirst einen Blick in meinen Kopf werfen und ich einen in deinen.” Seine Hand glitt zu Iantos Wange und sein Zeigefinger drückte sich an Iantos Schläfe. ”Ich werde mir die Erinnerungen der Attacken ansehen. Aber ich kann sie nicht alleine finden. Du musst mir helfen. Ich werde keine Erinnerung ansehen, von der du nicht willst, dass ich sie sehe, und ich werde dich auch nicht manipulieren. Aber es kommt vor, dass Erinnerungen hochkommen und … ich werde versuchen, wegzusehen. Hier geht es um Vertrauen, Ianto.”

Iantos Augen schlossen sich und als er zusammen sackte, lehnte Jack ihn an seinen Oberkörper, eine Hand um seinen Hinterkopf gelegt. Iantos Wange lag an Jacks Schulter und er atmete tief.

”Bist du wach?”

”Ja, Sir.”

”Ich will, dass du meine Hand drückst, Ianto. Konzentriere dich darauf. Ich habe dir genug gegeben, um dich müde zu machen, aber du darfst nicht einschlafen, okay? Träume sind das Schlimmste, was uns jetzt passieren kann. Was will ich von dir?”

”Dass ich deine Hand drücke, damit du weißt, ob ich noch wach bin.” Ianto klang müde und sein Körper lag schwer an Jacks Brust.

”Richtig”, antwortete Jack und schloss die Augen, um zu entspannen. Es war eine Weile her, seit er so etwas getan hatte. Er war etwas nervös und ziemlich sicher, dass er nicht dasselbe fühlen würde, wenn Tosh oder Owen an Iantos Stelle wären … ausgerechnet Ianto.

Ianto sog die Luft ein.

”Du riechst gut.”

Jack lachte leise.

”Vielen Dank, Mr. Jones.”

”Das hätte ich nicht sagen sollen.”

”Du bist auf Droge”, antwortete Jack. ”Sei … einfach ruhig und wir kommen klar.” Er ertappte sich selbst dabei, wie er die Nase in Iantos Haare grub, und räusperte sich.

”Okay, drück meine Hand, Ianto.” Er wartete eine Minute, um sicher zu sein, dass Ianto nicht einschlafen würde. Dann flüsterte er: ”Ich fange an.”

”Wird es weh tun?”

”Nein, nicht solange deine Schilde unten sind. Psi-Schock ...”

”... passiert nur, wenn die Schilde oben sind, ich weiß. Wir hatten einen wirklich süßen Lehrer bei Torchwood 1.”

Jack lachte.

”Richtig”, sagte Ianto. ”Ich bin still.”

Jack schloss die Augen, konzentrierte sich und betrat Iantos Bewusstsein. Es war so einfach, als würde er eine Tür öffnen, solange keine Schilde einen Eindringling hinderten. Es wäre so einfach, jetzt die Kontrolle zu übernehmen und etwas zu tun, was Jack schon so lange hatte tun wollen – einen ausführlichen Blick auf den wahren Ianto werfen, zu sehen, wie er funktionierte und wo er her kam. Aber Ianto zeigte ihm gerade so viel Vertrauen. Jack wusste, dass er das nicht missbrauchen konnte.

Jack runzelte die Stirn und zog Ianto näher.

”Spürst du mich?”

”Ja.”

”Ich gehe weiter rein.” Jack wurde von Erinnerungen und Emotionen attackiert, aber sie waren schwach und unkoordiniert und er konnte sie abschütteln, um sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren.

Seine Finger strichen über Iantos Haaransatz, während er nach den Erinnerungen der Angriffe suchte.

”Du musst dich erinnern, Ianto.”

Lisa lachte.

Jack verschloss sich vor der Erinnerung.

”Entschuldige”, sagte Ianto. Sein Körper spannte sich an. ”Warte.”

”Nimm dir Zeit.”

Da war sie. Jack runzelte die Stirn und zog die Erinnerung an Owen in einer Kneipe näher.

”Das ist sie?”, fragte er leise. Ianto nickte.

”Ist es wegen Lisa?”

Jack spürte, dass Ianto die Erinnerung wegstoßen wollte, aber er hielt sie fest.

”Ianto, ich muss sie mir ansehen.”

”Oder wegen Jack?”

”Es tut mir leid”, flüsterte Ianto. Jack konzentrierte sich auf die Erinnerung.

”Ianto, ernsthaft … diese Sache mit Jack wird nicht funktionieren.”

Jack zuckte zusammen, als der Angriff passierte und wand einen Arm um Iantos Oberkörper. Er versuchte, das zu finden, was der Eindringling in Iantos Bewusstsein zurückgelassen hatte.

”Verdammt, er ist stark”, murmelte Jack.

Ianto nickte.

”Stärker als beim ersten Mal.”

Als Ianto in der Erinnerung in das Bewusstsein des Eindringlings blickte, fand er Angst, Wut, Verlangen und Verwirrung. Jack konzentrierte sich auf die Erinnerung und versuchte, etwas zu finden, das Ianto übersehen hatte – einen Hinweis, eine Spur, irgendetwas – aber da war nichts.

”Die andere”, sagte er.

Er sah sich selbst in seinem Büro und Ianto neben sich.

Er schüttelte den Kopf, als er nichts anderes fand als das, was Ianto ihm bereits erzählt hatte.

”Du bist eindeutig aus der Übung. Da gibt es nichts.”

”Entschuldige. Ich hätte weiter trainieren sollen, nach London.”

Jack konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.

“Dabei ist es sonst nicht deine Art, Dinge zu vernachlässigen.“

Der Raum war nur von einer Stehlampe in der Ecke erleuchtet, aber Jack erkannte dennoch ein heilloses Durcheinander an Flaschen und Gläsern auf dem niedrigen Couchtisch, Papiere, Videos und Zeitungen auf dem Boden.

Ianto ging mit einem Müllsack durch das Zimmer und versuchte ohne Aussicht auf Erfolg, Ordnung zu schaffen.

Ein vielleicht 18 Jahre altes Mädchen saß auf der Couch und beobachtete ihn.

“Dad kann es nicht leiden, wenn du das tust.“

Ianto antwortete: “Sonst macht es ja niemand.“


Jack schob die Erinnerung weg, hörte das Mädchen aber noch antworten.

“Willst du ihn provozieren? Nach dem, was letztes Mal passiert ist?“

Jack spürte, dass Ianto angespannt war und beschloss, die Erinnerung zu ignorieren. Er bereitete sich darauf vor, Iantos Bewusstsein zu verlassen, und meinte: “Wir arbeiten an deinen Fähigkeiten. Ich werde dich trainieren.“

Die Erinnerung an den Schießstand von vor ein paar Wochen kam so plötzlich, dass Jack sie festhielt, ohne zu bemerken, was er tat.

Sie standen nah beieinander, Ianto mit einer Waffe in der Hand, und Jack bewunderte seine präzisen Treffer.

Jack war in Iantos Erinnerungen, er konnte spüren, wie Ianto rot wurde, und seine eigene Erinnerung gab ihm den Grund.

Seine Hände auf Iantos Hüften, seine Finger drückten sich sanft in seine Haut.

Er hatte Iantos Hand zittern gesehen, während er schoss, und er erinnerte sich daran, dass er gelächelt und an Iantos Haaren gerochen hatte. Plötzlich war er wieder dort und erlebte die Erinnerung neu.

Fühlte, wie er Ianto näher zog, seine Lippen in seine Halsbeuge drückte.

Ihre Erinnerungen prallten zusammen und verschmolzen. Sie zogen sie hinein und Jack vergaß, wo er war, und dass er eigentlich wegsehen sollte, denn das hier war persönlich und wertvoll. Das musste es sein, denn die Erinnerung war so scharf, als sei sie erst vor Stunden entstanden.

Der Kuss war leidenschaftlich, Iantos Haut unter dem aufgeknöpften Hemd warm und die kühle, feuchte Wand des Schießstands ein interessanter Kontrast. Ianto keuchte, als Jacks Hand in seine Hose glitt und die Waffe fiel unbemerkt auf den sandigen Boden. Jack fühlte sich warm und glücklich und er spürte eine tiefe Zuneigung zu Ianto und er erinnerte sich an diese Gefühle. Aber da war auch Traurigkeit und Scham und er fragte sich, woher diese Emotionen kamen. Er zog Ianto in einen weiteren Kuss. Plötzlich überfiel ihn ein viel größeres Gefühl. Mehr als Zuneigung, eher etwas wie … Liebe.

Jack zog sich zurück und stand von seinem Platz auf dem Bett auf.

”Entschuldige”, keuchte er und drehte sich weg. ”Ich hätte nicht-”

”Ich habe dich nicht aufgehalten”, sagte Ianto und als Jack sich umdrehte, sah er Ianto auf der Bettkante sitzen, sein Kopf in den Händen vergraben. Er wirkte traurig.

”Das waren deine Gefühle”, sagte Jack.

Ianto rieb sich über das Gesicht. Dann stand er auf.

”Ich muss gehen.”

Er stolperte und Jack drückte ihn wieder auf das Bett.

”Du kannst nicht. Du hast ein Beruhigungsmittel bekommen.”

Ianto stand wieder auf.

”Lass mich auf der Couch schlafen.” Er wartete nicht auf Jacks Antwort, sondern drängte sich an ihm vorbei und kletterte die Leiter hoch. Jack fühlte sich gezwungen, ihm zu folgen, um sicher zu gehen, dass er nicht fiel. Er beobachtete, wie Ianto sich auf die Couch fallen ließ und gab ihm eine Decke. Ianto wickelte sich darin ein und schloss die Augen.

Jack stand neben der Couch, unsicher, was er tun sollte.

”Das waren deine Gefühle.”

Ianto vergrub sich tiefer unter der Decke.

”Bitte, Sir.”

Jack nickte widerwillig.

”Okay. Entschuldige.”

”Du musst dich nicht entschuldigen.”

Jack seufzte und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar.

”Schlaf. Wir reden morgen weiter über unsere nächsten Schritte den Eindringling betreffend, bevor die anderen kommen.”

”Gut.”

Jack ging in sein Büro und dimmte das Licht im Hauptraum der Basis. Dann drückte er einen Handrücken gegen seine Lippen. Das waren Iantos Gefühle gewesen. Trauer, Scham … und so etwas wie Liebe. Er hatte natürlich gewusst, oder zumindest vermutet, dass Ianto nicht der Typ für zwanglosen Sex war. Aber Ianto hatte ihm gesagt, dass er nicht mehr wollte, und Jack hatte ihm geglaubt.

Ianto starrte in die Dämmerung der Basis. Er hätte die Kontrolle nicht verlieren dürfen. Jack hätte das nicht erfahren dürfen. Nach dieser Begegnung auf dem Schießstand hatte Ianto Angst bekommen. Liebe war etwas, das er für Jack Harkness nicht hätte fühlen sollen. Er hatte die Nacht bei Lisa verbracht und ihr vorgelesen, um sie für etwas um Verzeihung zu bitten, von dem sie nicht mal wusste. Er hatte ihr gesagt, dass er sie liebte, ehe er am nächsten Morgen zur Arbeit ging - das war keine Lüge gewesen.

Aber als Jack ihn ein paar Tage später gefragt hatte, ob ihre Büroaffäre nicht mehr für ihn war – denn Jack hatte es natürlich geahnt, Jack ahnte so etwas immer – da hatte Ianto verneint … und das war eine Lüge gewesen.

***

Owen kniete vor seiner Toilette, ein zitterndes Bündel mit verschwitztem Haar und blasser Haut. Die überwältigende Übelkeit hatte ihn vor einer halben Stunde aus dem Schlaf gerissen und nun, da sie weg war, war er erschöpft. Etwas stimmte nicht mit ihm. Es musste etwas nicht mit ihm stimmen. Er hätte niemals gedacht, dass er Jack wegen so einer großen Sache anlügen oder dass er einen seiner Kollegen angreifen würde. Alles war falsch und er fühlte sich mies und … er brauchte etwas.

Er brauchte es so sehr, dass es weh tat. Er musste es wieder tun. Er musste Ianto brechen. Und wenn er mit ihm fertig war, dann würde Jack an die Reihe kommen.

Owen lächelte.

Kapitel 12