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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 11
Masterliste

***
***


12.


“Morgen!”, rief Gwen, als sie Jack beim Betreten der Basis über den Weg lief.

”Konferenzraum in zehn Minuten”, antwortete er und damit verschwand er in Richtung Touristeninformation.

Gwen blickte Owen und Tosh fragend an.

”Was habe ich falsch gemacht?”

”Er ist schon so, seit ich gekommen bin”, antwortete Tosh. ”Es ist jedenfalls nicht wegen Ianto. Er ist oben und es geht ihm gut.”

Owen starrte auf seinen Bildschirm, als ob er den Computer durch Gedankenkontrolle steuern wollte. Er wirkte blass und müde.

”Hey! Bist du okay, Owen?”, fragte Gwen.

”Ja”, murmelte Owen, ”alles okay.”

Gwen sah zu Tosh, die die Augen verdrehte.

”Männer!”, seufzte sie.

Gwen nickte.

”Du kannst nicht ohne sie leben, aber auch nicht mit ihnen.”

”Wenigstens hast du einen, mit dem du lebst.”

Sie lächelte und ihr Streit auf dem Plass vom Tag zuvor war vergessen.

Jack kam von der Touristeninformation zurück.

”Hey!”, tadelte er. ”Konferenzraum! Handys auf den Tisch.”

Tosh und Gwen blickten sich an. Jack war selten unfreundlich oder streng. Etwas stimmte nicht.

Nur ein paar Minuten später stand Jack am Kopfende des Konferenztisches und starrte sein Team finster an. Auf dem Tisch lagen fünf Handys. Auch Iantos war da, obwohl der Archivar selbst noch fehlte.

”Ianto hat Probleme, sich an Details über den Eindringling zu erinnern. Nach dem Angriff gestern hat er mir gesagt, dass er möglicherweise etwas übersehen hat. Ich wollte sichergehen. Also bin ich in sein Bewusstsein eingedrungen.”

”Was?”, fragte Tosh schockiert.

Gwen lehnte sich vor.

”Hatte er einen Psi-Schock?”

”Nein”, antwortete Jack, ”wir haben es auf die sichere Art gemacht.”

Als Owen nicht wie sonst einen dreckigen Witz zum besten gab, blickte Gwen ihn beunruhigt an. Der Arzt war sogar noch blasser und starrte auf den Tisch. Sie runzelte die Stirn. Als sie wieder zu Jack sah, hatte er die Arme verschränkt.

”Ianto hat seine Schilde deaktiviert. Ich weiß, wie man in das Bewusstsein anderer eindringt und zusammen haben wir uns seine Erinnerungen an die Angriffe noch einmal angesehen, besonders die Momente, in denen er versucht hat, den Eindringling zu identifizieren. Er hat mich freiwillig rein gelassen. Kein Psi-Schock. Es geht ihm gut.”

Die Tür öffnete sich und als wolle er Jacks Worte bestätigen, trat Ianto mit einem Tablett und vier Tassen darauf ein.

”Unglücklicherweise”, fuhr Jack fort und schenkte Ianto ein kleines Lächeln, als der jüngere Mann ihm Kaffee servierte, “habe ich nichts neues finden können.”

Tosh runzelte die Stirn und nippte an ihrem Kaffee. Ianto verließ den Konferenzraum.

Jack seufzte.

”Fakt ist, dass wir Ianto nicht beschützen können. Er ist in Gefahr.”

Owen wurde übel und Panik befiel ihn. Der Raum zog sich um ihn herum zusammen und er rutschte unruhig in seinem Stuhl hin und her.

”Okay”, sagte Gwen. ”Was machen wir, um ihn zu fassen?”

Jack seufzte.

”Sag du es mir.”

Gwen blickte zu Tosh und dann zurück zu Jack.

”Du … du weißt es nicht.”

Jack zuckte mit den Schultern. Owen stand so heftig von seinem Stuhl auf, dass dieser umfiel.

”Ich muss kotzen”, keuchte er und rannte aus dem Konferenzraum. Gwen, Jack und Tosh blickten ihm verwirrt nach. Ianto kehrte mit einer Akte und einem Laptop zurück.

Jack schüttelte den Kopf.

”Das dauert schon zu lange. Das letzte Mal hat er es fast geschafft, Iantos Schilde zu zerstören. Es dauert nicht mehr lange, bis er es schafft. Wir können nur eins tun.” Er nahm den Laptop und die Akte entgegen. ”Danke dir.”

”Ich habe die Touristeninformation abgeschlossen.”

”Gut.”

”Jack?”, fragte Gwen verunsichert, als sie Iantos Namen auf der Akte sah. ”Was hast du vor?”

”Ich brauche mindestens zwei Zeugen”, erklärte der Captain.

”Wofür?”, fragte Tosh.

Ianto verschränkte die Hände hinter dem Rücken und antwortete: ”Protokoll 39.”

”Wa … was ist 39?”, fragte Gwen.

Tosh blickte Jack an, als wäre er verrückt geworden.

”Jack … das kannst du nicht tun.”

”Ich kann.”

”Was?”, fragte Gwen.

Jack blickte sie an.

”Ich werde Ianto seine Zugriffsrechte entziehen. Alle Codes werden geändert. Ianto wird es nicht mehr möglich sein, irgendwelche Akten ohne meine Erlaubnis einzusehen. Er wird keinen der neuen Codes bekommen, sodass er die Waffenkammer, die Zellen oder andere wichtige Räume des Gebäudes nicht mehr betreten kann. Und er darf die Basis nicht verlassen.”

Tosh blickte zu Gwen.

”Das ist eine nette Umschreibung für einen Haftbefehl.”

Gwen starrte den Archivar an, der in einer Ecke des Konferenzraumes stand und wirkte, als hätte Jack nebenbei erwähnt, er wolle keinen Zucker in seinem Kaffee – er war ruhig und entspannt. Sie übernahm es, Partei für ihn zu ergreifen.

”Das kannst du nicht tun, Jack. Du kannst ihn nicht verhaften.”

”Gwen, lass es”, sagte Jack.

”Nein. Du sperrst ihn ein? Er hat nichts falsch gemacht.”

”Er ist eine Gefahr für diese Basis. Tosh, ich brauche dich, um das Protokoll zu aktivieren.” Er trat vom Laptop zurück und blickte sie an. Tosh zögerte noch einen Moment und schaute zu Ianto. Er lächelte und nickte leicht - Tosh seufzte und stand auf.

Gwen packte ihren Arm.

”Nein.”

”Gwen-”

”Er hat nichts falsch gemacht. Du kannst ihn nicht für etwas verhaften, was er nicht getan hat.”

”Gwen ...”, begann Ianto, ”es ist in Ordnung. Ich habe zugestimmt.”

”Es ist nicht in Ordnung.” Sie starrte zu Jack. “Wie lange muss er hier bleiben?”

”Bis das Problem gelöst ist.”

”Du hast vorhin gesagt, dass es nicht gelöst werden kann. Dass wir ihn nicht finden können. Was bedeutet das also für Ianto?”

”Er wird hier bleiben, bis die Situation geklärt ist.”

”Wochen? Monate?”

”Bis die Situation geklärt ist, Gwen.” Er sagte ihren Namen mit einem gefährlichen Unterton.

Gwen starrte ihn ungläubig an.

”Das ist nicht fair. Tu das nicht, Jack.”

Tosh löste Gwens Finger von ihrem Arm und ging zum Laptop. Sie tippte ein paar Befehle ein.

”Ich ändere die Codes und schicke sie auf unsere Handys.”

Jack blickte Gwen an, während vier der Handys auf dem Tisch eine SMS ankündigten. Iantos Handy blieb stumm. Jack hob die Augenbrauen.

”Du musst mich zusehen lassen, wie du die SMS löschst, sobald du dir die neuen Codes eingeprägt hast. Das muss passieren, bevor du heute Abend die Basis verlässt.”

Sie blickte ihn bittend an.

”Jack, tu das nicht.”

”Jemand hat die Möglichkeit, Zugriff auf Iantos Bewusstsein zu bekommen. Zu den Codes. Wir können nichts dagegen machen, dass er das Layout der Basis kennen wird, sobald ihm das gelingt, aber wir können verdammt nochmal sichergehen, dass wir ihm die Basis nicht auf einem Silbertablett überreichen.” Er wandte sich an Tosh. ”Geh sicher, dass unser Verteidigungssystem aktiv und auf dem neuesten Stand ist, sobald du hier fertig bist.”

Sie nickte und trat vom Laptop zurück. Jack öffnete Iantos Akte.

”Unterschreiben”, sagte er zu Gwen und schob ihr ein Formular zu. ”Ich brauche die Unterschrift von wenigstens zwei aktiven Torchwood-Agenten, um Protokoll 39 offiziell zu machen.”

Gwen blickte Ianto an, der sie versichernd anlächelte. Sie schüttelte den Kopf.

”Ich kann das nicht.”

”Ich würde Owen darum bitten, aber er ist scheinbar verhindert. Also bitte, Gwen. Jetzt.”

Sie blickte zu Tosh und Ianto, dann zurück zu Jack. Tosh nahm das Formular und unterschrieb es, bevor sie Gwen den Stift reichte. Sie seufzte und unterschrieb ebenfalls. Dann nahm sie wütend ihr Handy und verließ den Konferenzraum. Jack seufzte tief und blickte ihr mit gerunzelter Stirn nach. Tosh klappte den Laptop zu und nahm ihn und ihr Handy.

”Ich gehe unser Sicherheitssystem checken.”

”Danke, Tosh”, antwortete Jack. Sie nickte ihm zu und lächelte Ianto an, dann verließ sie den Raum. Jack steckte sein Handy ein und anschließend Owens, bevor er Ianto dabei beobachtete, wie er Protokoll 39 seiner Akte hinzufügte und sie schloss. Er ging sicher das kein Papier aus der Akte heraus ragte.

Jack legte einen Arm um Iantos Schultern und küsste seine Stirn.

”Das ist nicht für immer.”

”Ich weiß.”

”Gut”, antwortete Jack. Ianto reichte ihm sein eigenes Handy. Jack nahm es an. ”Du bekommst es wieder, sobald das hier vorbei ist.” Einen Moment lang zögerte er. “Ich habe das Telefon in den Archiven abgeschaltet. Geh an keins der anderen ohne eine Erlaubnis, okay? Das Headset kannst du benutzen, aber du solltest dir bewusst sein, dass jeder Anruf und Funkspruch nach draußen aufgezeichnet wird.“

”Ja, Sir. Was soll ich jetzt machen?”, antwortete Ianto.

”Räum den Konferenzraum auf und …” Jack seufzte tief. ”Sieht so aus, als ob ich meine Papierarbeit für eine Weile allein erledigen muss.”

”Ja, Sir”, antwortete Ianto.

”Kümmere dich doch um die Archive. Das sollte okay sein.”

Ianto nickte. Jack seufzte.

”Ich suche Owen und frage ihn, was los ist.”

***

Owen starrte sein blasses Gesicht im Spiegel der Toilette an und schluckte eine neue Welle der Übelkeit hinunter. Er fühlte sich furchtbar. Der Stein lag in seiner Hand und er kämpfte gegen den Reflex, ihn zurück in seine Jeanstasche zu stecken. Er musste es Jack sagen. Sofort.

Aber er konnte nicht. Es fühlte sich so gut an, den Stein zu benutzen. Außerdem gab er ihm die perfekte Möglichkeit, in Iantos verräterische Gedanken zu blicken. Mit etwas Glück würde er den nächsten Plan des Archivars entdecken. Ein Mal ein Verräter, immer ein Verräter, richtig? Er war eine Last. Jack hätte ihm Retcon geben sollen.

Owen lief es kalt den Rücken hinunter. Da war jemand in ihm, ein anderer Owen. Er wollte den Stein behalten und benutzen. Vorzugsweise an Ianto, weil es sich so verdammt gut anfühlte, seine Schilde zu durchbrechen. Es war, als wäre er high, wie ein Kick …

Aber der andere Owen, der Arzt und Team-Kollege, er konnte das nicht mehr. Sein Team anlügen und sie manipulieren.

Doch das war gleichgültig. Wann interessierten sie sich schon für ihn? Für sie war er nur ein zynischer Bastard ohne Herz, also warum sollte er sich um sie sorgen?

Weil sie es taten. Er wusste, dass sie sich um ihn sorgten. Vielleicht sogar Ianto. Seine Hand verstärkte den Griff um den Stein und Owen kämpfte darum, zur Tür hinaus zu gehen und es jemandem zu sagen. Irgendjemandem. Denn etwas stimmte nicht. Etwas war falsch. So war er nicht.

Oder?

”Owen!”

Erschrocken fuhr er zu Jack herum.

”Was ist los?”, fragte der Captain.

Owen versuchte, seine Hand zu heben und ihm den Stein zu zeigen, aber er tat es nicht. Der Stein wurde nebenbei in seine Jeanstasche geschoben.

”Nichts, Jack”, log er. ”Habe gestern nur zu viel getrunken.”

Jack runzelte die Stirn.

”Mach keine Gewohnheit daraus. Wir brauchen dich hier.” Jack gab ihm sein Handy zurück. ”Protokoll 39 ist aktiviert. Ianto.” Er drehte sich um, um zu gehen.

Owen hielt ihn am Arm fest.

”Du warst gestern wirklich in Iantos Kopf?”

Jack drehte sich zu ihm und runzelte die Stirn.

”Ja”, sagte er.

”Wie hat es sich angefühlt?”, wollte Owen wissen. Er musste es wissen.

Jack verschränkte die Arme.

”Darüber will ich nicht sprechen, Owen. Und ich will auch nicht, dass du es Ianto gegenüber erwähnst, verstanden? Man kann nicht intimer mit jemand anderem sein und ich will nicht, dass du es ins Lächerliche ziehst.” Er drehte sich weg und ging.

Owen verzog spöttisch das Gesicht.

”Natürlich machst du dir Sorgen um ihn”, murmelte er. ”Keiner interessiert sich für mich.” Er starrte in den Spiegel und wiederholte es, traurig und langsam. ”Keiner interessiert sich für mich. Oder sie hätten es gemerkt.” Er war eben doch nur ein Bastard für sie, herzlos … ein emotionaler Krüppel. ”Ich wette, es hat sich gut angefühlt.” Er lächelte und seufzte. ”Ich wette, es war großartig.”

Und damit verschwand Owen, der Arzt und Team-Kollege, in den Erinnerungen an einen Kick, der besser war als alles, was er bisher erfahren hatte und dem Wunsch, ihn wieder zu erleben.

Kapitel 13