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Torchwood: Identität (Fanfiction)

Identität

 
Created by alt_universe_me 

Worte: 3.996
Inhalt: Tosh findet etwas über Ianto heraus und die beiden sprechen offen über ihre Sexualität.
Charaktere: Toshiko Sato, Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto, Tosh/Mary (angedeutet), Ianto/Lisa Hallett (angedeutet), Tosh/Owen (unerwidert), Gwen/Owen (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Cyber Woman, Timeo Danaos, Offenbarungen
Setting: nach Sie haben Suzie schon wieder getötet
Anmerkungen: Geschrieben für die Torchwood Females Are Awesome-Aktion auf tw_femficfest . Antwort auf einen Prompt von igrockspock : Tosh and Ianto have an honest conversation about what sexual orientation means to them.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Beta: Vistin, die mir wertvolle Anregungen gegeben hat, als ich nicht mehr weiter wusste. alt_universe_me , die sich um die englische Version gekümmert hat.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Tosh atmete tief durch und lächelte. Diese Tageszeit war perfekt und sie freute sich immer darauf – auf diese Stille in der Basis nach einem mehr oder minder anstrengenden Tag. Wenn Owen und Gwen schon gegangen waren, Jack still in seinem Büro die letzten Formulare ausfüllte – wie heute begleitet von Glenn Miller auf seinem altmodischen Plattenspieler – und Ianto seine letzte Runde machte, um Ordnung zu schaffen. Wenn nur Jack, Ianto und sie übrig waren, kam es ihr beinahe so vor, als würde die Basis durchatmen.

Tosh konzentrierte sich auf ihren Computer und summte leise zur Moonlight Serenade. Sie bemerkte nicht, dass Jack hinter ihr stand, bis er ihr eine Hand auf die Schulter legte. Sie zuckte erschrocken zusammen und er drückte leicht zu – eine Entschuldigung –, dann legte sich seine Hand in ihren Nacken – beruhigend und besorgt.

“So viel zu tun, Toshiko?“, fragte er sanft und sie konnte nicht verhindern, dass ihr Röte in die Wangen schoss.

Sie wurde etwas verlegen, obwohl sie wusste, dass Jack keinen Flirt beabsichtigte. Sie lächelte zu ihm hoch.

“Ich fürchte schon“, antwortete sie. “Mein Chef ist da ziemlich streng.“

“Ich sollte mal ein Wörtchen mit ihm reden“, grinste Jack. “Eine hübsche junge Frau wie du sollte um diese Uhrzeit unterwegs sein und den Mann fürs Leben finden.“ Er beugte sich hinunter. Der Geruch nach einem herben Aftershave, Leder und etwas anderem, das sie nicht identifizieren konnte, umgab ihn und Tosh atmete ein. Er küsste ihre Wange. “Oder die Frau.“

Tosh konnte ein leichtes Zusammenzucken nicht verhindern. Die Frau. Schon vor Mary hatte sie gemerkt, dass sie Frauen ebenso anziehend fand wie Männer, aber sie hatte sich nie etwas anmerken lassen. Ihre Familie war sehr traditionell und Tosh wollte sie nicht enttäuschen.

Sie lächelte leicht.

“Willst du mich loswerden?“

“Du hast meinen Plan durchschaut“, antwortete Jack.

Sie drehte ihren Stuhl zu ihm.

“Was hast du denn vor?“

Er grinste und verschränkte die Arme.

“Ein Gentleman genießt und schweigt.“

Toshiko lachte.

“Als ob du jemanden hier runter bringen würdest, Jack. Oder ein Gentleman wärst.“

Er zuckte mit den Schultern.

“Mach nicht mehr so lange“, empfahl er.

Tosh nickte.

“Okay.“

Jack wandte sich ab und kehrte in sein Büro zurück. An seiner Stelle stand plötzlich Ianto neben ihr und stellte eine Tasse auf dem Tisch ab.

“Der letzte für heute. Ich mache Feierabend.“

Sie nickte zustimmend.

“Bis morgen.“ Dann konzentrierte sie sich wieder auf ihren Bildschirm und bekam nur noch am Rande mit, dass Ianto mit einigen Akten Jacks Büro betrat.

***

Glenn Miller. Ianto hob die Augenbrauen, als er Jacks Büro betrat und die Tür schloss.

“Mich würde wirklich interessieren, was du an diesem Stück findest.“

Jack lehnte sich in seinem Stuhl zurück und grinste.

“Schon mal im Mondschein mit einer schönen Frau vor dem Big Ben getanzt?“

Ianto gab vor, über die Frage nachzudenken.

“Ich bezweifle es, Sir.“

“Das ist deine Antwort.“

“Kryptisch wie immer. Wirst du es nicht müde, deine Anekdoten immer nur halb zu erzählen?“

Jack ließ seine Augen langsam an Ianto hinunter und wieder hoch wandern.

“Soll ich dir sagen, was nie langweilig wird?“

Ianto hielt die Akten hoch.

“Papierarbeit?“ Er legte die Ordner auf dem Schreibtisch ab.

“Du kannst Gedanken lesen“, seufzte Jack genervt.

Ianto öffnete die oberste Akte.

“Unterschrift.“

Dann die nächste.

“Initialen.“

Und die letzte.

“Unterschrift und Datum.“ Er nahm ihm den Stift aus der Hand. “Das war's.“ Er legte eine Hand in Jacks Nacken und zog ihn in einen tiefen Kuss, den Jack ohne zu zögern erwiderte.

Jack brach den Kuss nach einer Weile und murmelte: “Das macht Papierarbeit wesentlich interessanter.“

Ianto verdrehte die Augen.

“Du musst immer das letzte Wort haben, oder?“

Jack zuckte mit den Schultern und versuchte, Ianto auf seinen Schoß zu ziehen, aber der junge Mann schüttelte den Kopf.

“Nicht hier.“ Sein Blick wanderte zur Tür. “Tosh ist noch da.“

“Na schön, Mr. Jones.“

Jack stand auf, streckte sich und legte dann einen Arm um Iantos Hüfte. Mit der anderen Hand fing er Iantos Handgelenk und verschränkte ihre Finger miteinander.

“Ein Tanz?“ Er bewegte sich langsam zu der Musik.

Ianto lachte.

“Ich fürchte, ich bin kein guter Tänzer.“

“Und ich dachte, du könntest alles.“ Er stellte den Plattenspieler ab, ohne seinen Griff um Iantos Hüfte zu lösen und nutzte seine freie Hand dann, um an Iantos Krawatte zu nesteln. Iantos Arme wanden sich um Jacks Hüfte und eine seiner Hände strich wie zufällig über Jacks Hintern. Er küsste Jack und fragte sich, wann es so selbstverständlich geworden war, mit ihm zusammen zu sein. Er hatte nie Interesse an anderen Männern gehabt, aber an Jack war etwas anders.

Jack ließ die Krawatte fallen und öffnete die Luke zu seinem Quartier. Er ließ Ianto den Vortritt und warf einen letzten Blick hinaus zu Tosh, die konzentriert auf ihre Bildschirme starrte, ehe er ihm folgte und die Luke schloss.

***

Tosh räumte die letzten Tassen aus der Spülmaschine und öffnete einen der Küchenschränke, auf der Suche nach Oreos. Sie sah die Packung ganz hinten im Schrank und seufzte tief, bevor sie sich streckte und versuchte, die Kekse zu erreichen. Frustriert gestand sie sich ein, dass sie zu klein war. Sie überlegte gerade, ob sie sich einen Stuhl holen oder auf die Arbeitsplatte klettern sollte, da hörte sie leise Schritte näher kommen. Jemand lehnte sich über ihre Schulter reichte ihr die Packung. Tosh drehte sich zu ihm um und war überrascht, dass sie es nicht wie erwartet mit Jack zu tun hatte. Ianto lächelte sie an und holte eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank. Er trug keinen Anzug, sondern legere Kleidung und war barfuß. Er wirkte wie ein völlig anderer Mensch.

“Ianto“, wunderte sie sich. “Was machst du noch hier?“

Er öffnete die Flasche und nahm einen Schluck.

“Ich könnte dich dasselbe fragen. Es ist zwei Uhr morgens.“

“Ich habe die Zeit vergessen“, meinte sie. “Du wolltest vor Stunden nach Hause gehen.“

Er lächelte nur und ging zurück in den Hauptraum der Basis, um sich auf die Couch zu setzen. Tosh nahm neben ihm Platz. Sie öffnete die Packung und nahm sich einen der Kekse, dann bot sie sie Ianto an. Er schüttelte den Kopf. Tosh zuckte mit den Schultern.

“Ich habe gearbeitet“, nahm sie ihr Gespräch wieder auf. “Was ist deine Entschuldigung?“

Ianto schien einen Moment zu zögern. Sein Blick flog zu Jacks Büro und dann zu Boden. Tosh sah, dass die Luke zu Jacks Schlafzimmer offen stand. Ianto vermied es weiterhin, ihr in die Augen zu sehen und Tosh erinnerte sich, dass sie ihn zuletzt zu Jacks Büro hatte gehen sehen. Vor Stunden. In seinem Anzug. Ihre Augen weiteten sich ungläubig.

“Oh mein Gott!“, sagte sie. “Wirklich? Ianto?“

Er nickte und sie schlug sich eine Hand vor den Mund. Er starrte sie bittend an.

“Sag Gwen und Owen nichts davon, okay?“

Sie schüttelte den Kopf.

“Natürlich nicht. Ich dachte nur … oh mein Gott! Du und Jack? Ich dachte, du … ich wusste nicht, dass du … auch auf Männer stehst.“

“So ist das nicht“, antwortete er rasch, wurde rot und biss sich auf die Unterlippe. “Das hört sich wie eine Lüge an.“

“Ich kann es nicht fassen. Obwohl ...“ Sie verzog das Gesicht. “Eigentlich schon. Das erklärt einiges.“

“Was denn zum Beispiel?“, fragte er.

“Ihr seid mir manchmal unheimlich. Als könntet ihr eure Gedanken lesen. Und … nenne es weibliche Intuition, aber ich wusste, dass da irgendetwas war. Und Owen und Suzie haben gelästert. Ich dachte nur … nach Lisa ...“

Er zuckte mit den Schultern und sah zu Boden. Tosh lehnte sich in die Polster, zog die Beine zu einem Schneidersitz nach oben und blickte ihn neugierig an.

“Wie ist es?“

Er wurde rot, fragte aber: “Was denn?“

“Mit Jack.“

“Willst du Details?“

“Um Gottes Willen“, antwortete sie lachend. “Bloß nicht. Aber … ich weiß nicht. Er ist so …“ Sie brach hilflos ab.

Ianto atmete tief durch, nahm nachdenklich einen weiteren Schluck Wasser und schien dann zu einer Entscheidung zu kommen. Er stellte die Flasche auf den Tisch und drehte sich auf der Couch zu ihr, ebenfalls im Schneidersitz. Er schenkte ihr ein kleines Lächeln.

“Fantastisch.“

Sie lachte. Ianto grinste.

“Beinahe …“ Er suchte nach Worten und sie schlug vor: “Avantgardistisch?“

Er lächelte.

“Könnte man sagen.“

“Abenteuerlich?“

“Meistens.“

“Oh mein Gott!“ Nun wurde auch sie rot und lachte. “Owen würde durchdrehen.“

Ianto wurde plötzlich ernst.

“Sag es ihm nicht. Niemandem, okay? Es ist nicht … es ist keine offizielle Sache.“ Er warf einen kurzen Blick über seine Schulter zu Jacks Büro, als fürchte er, der Captain würde sie belauschen. Tosh konnte sich vorstellen, wie Owen auf solche Neuigkeiten reagieren würde. Jemand, der so zurückhaltend mit seinem Privatleben war wie Ianto, hatte allen Grund den Spott des Arztes zu fürchten.

Sie berührte Iantos Knie und drückte sanft zu.

“Sicher.“ Sie seufzte. “Erstaunlich, dass ihr es geheim halten konntet.“

“Ich habe Überwachungsaufnahmen gelöscht und wir waren meistens in Jacks Schlafzimmer – keine Kameras“, erklärte er.

“Ich habe das nicht gemerkt“, meinte Tosh mit einem Stirnrunzeln.

“So war es gedacht“, antwortete er und zuckte mit den Schultern.

Tosh grinste.

“Das klärt die Frage nach Jacks Sexualität.“

Er lächelte wieder.

“Jack ist offen für alles.“

“Ich frage mich, wie er das macht“, meinte Tosh etwas gedrückt. “Ich wünschte ich könnte das auch.“

Ianto lehnte sich vor und sprach etwas leiser, verwandelte das Gespräch in etwas intimes, das nur unter Freunden besprochen wurde.

“Also das mit Mary war … echt?“

Sie lächelte etwas hilflos und nickte kurz. Er schüttelte den Kopf und wandte den Blick ab.

“Tut mir leid, ich … Mary war immerhin manipulativ. Du hast nie erwähnt, dass du auch auf Frauen stehst und ich dachte ...“

Tosh seufzte.

“Ich könnte mich selbst anlügen, aber das wäre falsch. Für mich war die ganze Sache echt. Ich mochte sie. Sehr.“

“Es tut mir leid.“ Er meinte nun nicht mehr seine vorherigen Worte.

Tosh nickte.

“Es ist nicht deine Schuld, dass Mary tot ist. Es ist nicht mal Jacks. Sie hat mich betrogen … ich bin im Moment etwas durcheinander ...“ Sie stützte den Ellbogen auf die Rückenlehne. “Sie hat sich bei mir eingeschlichen und mir Dinge vorgelogen, die … trotzdem vermisse ich sie. Was ich für sie gefühlt … fühle, ist echt. Ich stehe auf Männer und Frauen.“ Sie schüttelte den Kopf. “Ist das erste mal, dass ich es laut sage.“

Er wirkte nachdenklich.

“Macht es dir Angst?“

“Nicht wirklich der Gedanke daran. Nur … die Reaktionen der Menschen. Ich meine, Mary hat mich in der Öffentlichkeit geküsst, aber es war mir … unangenehm. Ich habe mich beobachtet gefühlt.“

“Vielleicht ist es nur eine Sache der Gewöhnung.“

Sie zuckte mit den Schultern.

“Vielleicht.“ Sie stützte den Kopf auf die Hand. “Sie hat mich geküsst, in einem Café und danach … hat es mir nicht mehr viel ausgemacht. Davon abgesehen, dass alles nur eine Lüge war … Mary hat mir geholfen. Ich kann ihr auch dankbar sein. Auf mehr als eine Art.“

Ianto sah sie nur fragend an, bereit, auf eine Erklärung zu warten. Tosh strich ein paar Krümel von ihrer Jeans und meinte: “Ich konnte eure Gedanken hören. Owens und Gwens Gedanken ...“

Ianto wandte den Blick ab.

“Oh!“ Er nickte.

Tosh fragte: “Du weißt davon?“

“Ich habe sie vorgestern gesehen … in einem der Kellerräume.“

“Ohne den Anhänger hätte ich es nie erfahren“, meinte Tosh.

“Es macht dir etwas aus.“

“Wegen Owen“, gab sie zu.

“Es tut mir leid“, sagte Ianto leise.

Tosh lächelte.

“Und schon wieder nicht deine Schuld.“ Sie schüttelte den Kopf. “Er empfindet ohnehin nicht dasselbe. Ich hätte gehört, wenn … Marys Gedanken waren anders. Nicht so abfällig oder bemitleidend.“ Ihr wurde bewusst, wie sich das anhörte und erklärte rasch: “Was nicht der einzige Grund war, aus dem ich was mit ihr angefangen habe. Ich bin nicht … ich habe das nicht nötig. Aber es hat sicher nicht geschadet.“

Ianto ergriff ihre Hand, die auf der Rückenlehne lag und drückte sie sanft.

“Owen bemitleidet dich nicht. Er ist … er denkt wahrscheinlich genauso wie er spricht. Eigentlich mag er dich.“

“Das hat Mary auch gesagt.“

“Aber du solltest dich nicht von ihm aufhalten lassen“, erklärte Ianto. Sein Daumen strich über ihren Handrücken. “Mary war gut für dich. Du solltest die nächste Chance ergreifen und nicht überlegen, was wird, wenn Owen eventuell doch irgendwann einmal mehr als einen One Night Stand will. Du solltest jemanden für dich finden. Was noch wichtiger ist: Jemand braucht dich.“ Er lächelte.

Toshiko wandte verlegen den Blick ab.

“Du hast Recht.“

“Ich habe immer Recht.“

Sie lachte, wurde wieder ernst.

“Hast du je überlegt, ob wir ...“ Sie schüttelte den Kopf, aber er zog ihre Hand näher und umschloss sie mit seinen.

Er lächelte traurig.

“Wir zwei? Das wäre nicht fair dir gegenüber.“

“Weil du etwas für Jack empfindest?“

Er ließ ihre Hand los und wandte den Blick ab. Stattdessen beobachtete er seinen Daumen, der über einen Fleck auf dem rauen Stoff der Rückenlehne rieb, und runzelte die Stirn. Tosh dachte gerade, dass er sich verschließen und das Gespräch beenden würde, aber dann meinte er: “Es ist zu viel, manchmal. Ich … weiß nicht, was genau ich fühle. Ich habe Angst ...“ Er brach ab und schluckte.

Tosh rückte näher an ihn heran, sodass ihre Knie sich berührten, und lehnte sich vor.

“Dich zu verlieben?“

Er blickte sie nicht an, rieb sich die Stirn, antwortete “Vielleicht“ und Tosh ahnte, dass es bereits zu spät war.

“Ianto“, seufzte sie.

“Ich weiß nicht, wieso … es ist nur, dass ich es versucht habe, weißt du?“ Er zuckte mit den Schultern. “Ich habe versucht, andere Männer anzusehen und … ich fühle nichts. Nicht wie bei Jack.“ Er lachte leise. “Ich habe mein Leben lang ausschließlich auf Frauen gestanden. Da war niemals nicht mal ein Funke Interesse … und Jack war nicht der erste Mann, der mit mir geflirtet hat.“

Tosh legte ihre Hand über seine.

“Vielleicht brauchst du eine emotionale Komponente - eine Verbindung -, um etwas zu fühlen. Es gibt Menschen, die sich ausschließlich in Personen verlieben, nicht in Männer oder Frauen.“

“Vielleicht behindere ich mich nur selbst“, meinte er, “weil ich es nicht anerkennen will, auch wegen … Lisa.“

“Du brauchst wahrscheinlich noch etwas Zeit. Hast du mal versucht, mit Jack darüber zu sprechen?“

Er lachte humorlos.

“Wir haben nicht diese Art von Beziehung. Wir gehen nicht aus. Wir sind kein Paar.“

Schmerz lag in seinen Worten und Tosh seufzte tief.

“Ianto ...“

“Das ist in Ordnung“, nickte er und lächelte sie an. Es war aufgesetzt. “Ich habe nicht darum gebeten und er hat es nicht angeboten.“ Er zuckte mit den Schultern. “Das ist alles.“

“Bloß, weil du nicht darum bittest, heißt es nicht, dass du es nicht willst.“

Ianto schüttelte den Kopf. Tosh sagte eindringlich: “Du bist nicht glücklich.“

Er blickte zu ihr auf.

“Mir geht’s gut.“

“Wirklich?“ Sie ergriff seine Hand. “Ianto?“ Er starrte sie fragend an und Tosh ließ seine Hand los. “Ich habe nicht nur Owens und Gwens Gedanken gelesen.“

Seine Augen weiteten sich verstehend.

“Oh! Wie schlimm war es?“

“Schlimm genug.“

Er schüttelte den Kopf.

“Es waren nur flüchtige Gedanken. Mach dir keine Sorgen.“

“Ich muss“, antwortete Tosh. “Ianto, du bist nicht glücklich. Ich freue mich für dich, aber ich weiß nicht, ob das mit Jack wirklich so eine gute Idee ist.“

“Tosh-“

“Du bist nicht glücklich“, wiederholte sie eindringlich. “Die Sache mit Jack zieht dich runter.“

Er starrte sie entschieden an.

“Die Sache mit Jack ist im Moment das einzige, das mich noch bei Verstand hält.“ Er schloss die Augen und schluckte, ehe er erklärte: “Ich habe … Phasen, wo ich kaum atmen kann. Und … nicht essen. Alles wird zu viel.“

Sie nickte.

Er fuhr fort: “Jack hilft mir. Ich gehe zu ihm, wenn es zu schlimm wird.“

“Das kann er gut“, meinte Tosh, erinnerte sich an ihre Albträume, nachdem Jack sie aus dem UNIT-Gefängnis befreit hatte und daran, dass sie ihn mitten in der Nacht anrufen konnte. Er hatte sich immer Zeit genommen zu reden oder sogar vorbeizukommen.

“Aber er macht dich nicht glücklich“, beharrte sie leise.

Ianto starrte sie hilflos an.

“Ich kann ihn nicht um mehr als das, was wir haben, bitten. Er will das nicht. Und vielleicht macht mich das zu einer … vielleicht macht mich das zu einer billigen Büroaffäre, aber ...“

Tosh schüttelte den Kopf.

“Ich denke nicht, dass er es so sieht. Jack gibt pausenlos an, aber er ist wesentlich weniger oberflächlich, als er vorgibt.“ Sie legte den Kopf schief. “Wie ist das passiert zwischen euch?“

Er zuckte mit den Schultern.

“Einsamkeit, vielleicht.“ Er rieb sich die Stirn. “Auf beiden Seiten. So richtig angefangen hat es erst vor ein paar Wochen. Davor war es nur …“ Er brach ab, starrte Tosh unentschlossen an und erklärte: “Davor war es nur Ablenkung. Wegen Lisa.“ Er schien nach etwas in ihren Augen zu suchen – vielleicht Abscheu oder Wut –, aber Tosh nickte nur. “Danach … hat er viel mit mir geredet. In meiner Wohnung während der Suspendierung und als ich zurückgekommen bin. Vor ein paar Wochen haben wir wieder angefangen, miteinander zu schlafen.“

Er zögerte und Tosh fragte: “Wer hat den ersten Schritt gemacht?“

Ianto schluckte.

“Definiere erster Schritt.“

Tosh sah ihn fragend an und er erklärte: “Jack hat wieder angefangen zu flirten. Ich habe es erwidert. Er hat mich geküsst. Ich habe … vorgeschlagen, über Nacht zu bleiben.“ Er seufzte. “Ganz am Anfang dachte ich, ich hätte es nur wegen Lisa getan. Ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher. Dann dachte ich, ich hätte entdeckt, dass ich auch auf Männer stehe, aber es ist nur Jack. Ich dachte, es wäre nur Sex, aber … er bedeutet mir etwas. Nur sieht er es wesentlich lockerer als ich.“ Er fuhr sich durch die Haare. “Womit wir wieder bei der billigen Büroaffäre wären.“

“Aber er ist nett zu dir, oder?“, fragte Tosh und ihr kam die Frage einen Moment später albern vor. Er nickte. Tosh bemerkte eine Bewegung in Jacks Büro. Der Captain betrat den Hauptraum und steckte die Hände in die Hosentaschen. Sein Oberkörper war nackt. Tosh wusste nicht, wie viel er gehört hatte und sie wusste nicht, ob sie Ianto auf ihn aufmerksam machen sollte. Jack schüttelte den Kopf und Tosh wandte den Blick ab, um sich auf Ianto zu konzentrieren.

Ianto hatte Jack nicht bemerkt, da er noch immer mit dem Rücken zum Büro saß.

“Ja. Ich meine, er ist aufmerksam und als ich ihm gesagt habe, dass es niemand wissen soll, hat er das akzeptiert. Er kann romantisch sein, manchmal etwas zu sehr. Als würde er aus einem anderen Jahrhundert stammen.“ Er lachte und Tosh grinste. Das konnte sie sich nur zu gut vorstellen. Jack vereinte altmodische und futuristische Ansichten. Er kleidete sich wie ein Mann aus den 40ern, aber er kannte sich großartig mit Alientechnologie aus. Vielleicht machte ihn das so interessant für Frauen und Männer. Er war ein einziges Mysterium, aber wenn er einen ansah, hatte man das Gefühl, ihn zu kennen und der Mittelpunkt seiner Welt zu sein.

Ianto seufzte.

“Ich glaube aber auch, dass er jemanden braucht. Manchmal wirkt er so … zerbrochen.“

Aus dem Augenwinkel sah Tosh, wie der Captain in sein Quartier zurückkehrte.

Ianto fügte hinzu: “Depressiv.“ Tosh nickte. Es gab Tage, in denen Jack sich in sein Büro einschloss und sich nur blicken ließ, wenn die Welt kurz vor dem Untergang stand. Er konnte so ruhelos sein und abweisend. Dann konnten ihn nur ein paar Stunden alleine auf irgendeinem Dach in Cardiff beruhigen, wenn auch nicht trösten. Meistens legte er diese finstere Stimmung nach ein paar Tagen von selbst ab und wirkte dann wie jemand, der eine Frist verlängert hatte. Vielleicht in der Hoffnung so das zu bekommen, was er wollte.

“Ich hoffe, dass ich ihm irgendwie helfe“, meinte Ianto.

“Da bin ich mir sicher“, antwortete Tosh. Ianto war Jacks Vertrauter und vermutlich besser mit allen Protokollen und Eventualitäten bekannt als Owen, der Jacks offizieller Stellvertreter war. Er entlastete Jack in seinem Job, sobald es um dröge Schreibtischarbeit ging und sorgte so dafür, dass Jack, der ohnehin 24 Stunden am Tag in der Basis war, mehr Zeit für sich fand. Sie war sich auch ziemlich sicher, dass Ianto mehr über Jack wusste, als er vorgab. Nicht alles – niemand konnte alles über Jack wissen –, aber genug, um ihm zuhören zu können.

Ebenso sicher war sie, dass Jack Ianto half. Ihm Selbstbewusstsein gab und Vertrauen, Verantwortung und Freundschaft. Dinge, die Ianto brauchte nach Lisas Tod und der Suspendierung, im Angesicht eines Jobs, der ihn deutlich unterforderte. Jack nahm Ianto in letzter Zeit häufiger mit zu Weevil-Jagden und Tosh vermutete, dass er ihn auf Feldeinsätze vorbereiten wollte, wie der, der in den Brecon Beacons so entsetzlich schief gelaufen war.

Sie seufzte tief und gähnte.

“Ich denke, ich sollte gehen“, meinte sie.

Ianto nickte langsam.

“Okay.“

Sie standen auf und Tosh zögerte nicht, Ianto in eine Umarmung zu ziehen.

“Danke“, flüsterte sie. Ianto war der einzige, mit dem sie bisher so offen über ihre Gefühle gesprochen hatte. Einen winzigen Moment lang bedauerte sie, dass er sich an Jack gebunden fühlte. Er hatte so sehr um Lisa gekämpft. Sie fragte sich, wie es sein mochte, so eine Loyalität auf sich gerichtet zu fühlen.

Er nickte.

“Dir auch.“ Eine seiner Hände strich sanft durch ihr Haar. “Und ich bemitleide dich nicht, Tosh.“ Er gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Sie löste sich von ihm, nickte dankbar und nahm ihre Tasche und die Packung Oreos für den Weg nach Hause, dann verließ sie die Basis.

***

Ianto sah ihr nach, ehe er sich umdrehte und in Jacks Schlafzimmer zurückkehrte.

Der Captain lag in seinem schmalen Bett auf dem Rücken, den Arm unter seinem Kopf, und Ianto betrachtete ihn einen Moment lang stumm. Jack öffnete die Augen.

“Starren ist unhöflich.“

Ianto lächelte verlegen und zog den Pullover und die Hose aus. Jack beobachtete ihn dabei.

“Ich dachte schon, ich müsste eine Suchmannschaft losschicken.“

Ianto schüttelte den Kopf.

“Tosh war noch da. Wir haben geredet.“ Er legte sich neben Jack und beanspruchte einen Teil der dünnen Bettdecke für sich. Der Captain drehte sich auf die Seite, um den Kopf auf Iantos Brust zu legen. Iantos Finger verfingen sich in Jacks Haar und er schloss die Augen.

“Ich dachte einen Moment lang, du wärst nach Hause gegangen“, sagte Jack in die Stille und seine Hand legte sich auf Iantos Hüfte, sein Daumen zeichnete Kreise auf die Haut.

Ianto lächelte schläfrig.

“Hatte ich nicht vor.“

Jack küsste seine Brust.

“Das ist gut.“ Er seufzte. “Ich habe dich gerne hier.“

***

Die Luft war kalt, es roch nach Regen und Tosh blickte auf das Meer hinaus. Sie atmete tief durch und machte sich auf den Weg zu ihrem Auto. Sie erinnerte sich an einen Spaziergang mit Mary am Meer und obwohl sie allen Grund hatte, traurig zu sein, lächelte sie sanft.


ENDE
09/10

Komplette Fanfiction Masterlist

Comments

( 2 comments — Leave a comment )
toniajones
Oct. 12th, 2011 07:55 pm (UTC)
Hey, Du hast Jack's erste Begegnung mit Rose einfügt ;-) Ich liebe solche Verknüpfungen... Und auch diese Geschichte :-)
jolinarjackson
Oct. 13th, 2011 09:11 am (UTC)
Danke. :)
( 2 comments — Leave a comment )