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Einsam neben mir 2/2

Worte: 6.373
Inhalt: Seit ihrem ersten Date scheint die Beziehung zwischen Jack und Ianto zum Scheitern verurteilt - Jack ist verschlossen, Ianto ist unsicher ... und Tosh ist besorgt.
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness, Toshiko Sato
Pairing: Jack/Ianto
Rating: R
Spoiler: The end of days, Kiss Kiss Bang Bang / DW: YTNW
Setting: nach Kiss Kiss Bang Bang
Anmerkungen: Geschrieben für die torchwood_fest  Christmas Challenge. Diese Story ist für blackhemlock . Gewünscht war ein besitzergreifender und schwer verliebter Jack und ein cleverer Ianto. Ich habe von allem ein bisschen drin. Der Titel stammt aus dem Song Halt dich an mit fest von Revolverheld.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Beta: Vistin, die mir vor allem über die Startschwierigkeiten geholfen hat. alt_universe_me  danke ich für das Beta.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Teil 1

***
***


Owen und Gwen riefen einen kurzen Abschiedsgruß, als sie die Basis verließen. Tosh sah ihnen nach und konzentrierte sich dann wieder auf ihren Computerbildschirm. Sie hatte noch eine halbe Stunde Zeit, bevor sie und Ianto verabredet waren, und die wollte sie nutzen.

“Tosh“, sagte Jack und blieb neben ihrem Schreibtisch stehen.

Sie nickte und gab noch rasch ein paar Gleichungen ein, bevor sie mit einem Lächeln zu ihm aufsah. “Hi, Jack.“

“Ja“, antwortete er nur und zeigte ihr den Stapel Akten in seinen Händen. “Könntest du eine Analyse für diese Riss-Aktivitäten erstellen? Das sind Aufzeichnungen von UNIT, die heute gekommen sind und ich habe das Gefühl, der Riss wird länger. Wir haben teilweise Aktivitäten, die sich bis nach London und Swansea ziehen und das gefällt mir nicht. Ich will wissen, ob das Ausnahmen sind oder ob wir in den nächsten fünf Jahren über Torchwood-Zweigstellen nachdenken sollten.“

Tosh warf einen zögerlichen Blick auf die Uhr. “Ich könnte morgen-“

“Ich brauche die Analyse noch heute.“

Tosh seufzte unwillig. “Jack, das wird Stunden dauern.“

Er setzte einen bittenden Blick auf – die Augenbrauen hochgezogen, die blauen Augen unschuldig blickend und ein leichtes Schmollen auf den Lippen. Tosh gab sich geschlagen. “Okay.“

Er küsste ihre Wange. “Großartig“, grinste er. Mit einem dumpfen Knall landeten die Akten auf ihrem Schreibtisch. “Du bist großartig.“

“Ich weiß“, antwortete sie seufzend. Jack kehrte in sein Büro zurück und Tosh öffnete den Torchwood-IM-Service, um Ianto für diesen Abend abzusagen.

***

“Dinner für zwei“, sagte Jack, als Ianto seine Tür öffnete und hielt eine Pizzaschachtel hoch, darauf eine weiße Plastiktüte.

Marios Pizza“, sagte Ianto mit einem Blick auf das Logo.

“Ja“, antwortete Jack. “Ich habe dir die Lasagne geholt, die du so magst.“

Ianto nahm Jack die Tüte ab und warf einen Blick hinein. Der Geruch von Fleisch, Käse und Sauce stieg ihm in die Nase und er merkte, dass er hungrig war. Dennoch ...

“Danke, wirklich, aber die esse ich nicht mehr“, meinte er vorsichtig.

Jack hob überrascht die Augenbrauen. “Wie bitte?“

“Sie haben die Rezeptur geändert. Ich mag sie nicht mehr.“

Jack war die Enttäuschung deutlich anzusehen und Ianto biss sich verlegen auf die Unterlippe. Jack straffte die Schultern. “Seit wann?“

“Ein paar Wochen.“

Jack seufzte tief und blickte zu Boden. Ianto nahm ihm die Pizza ab und zog ihn in die Wohnung. Er gab Jack einen sanften Kuss. “Das konntest du nicht wissen.“

Jack legte einen Arm um ihn und zog ihn näher für einen weiteren, tieferen Kuss. Er hielt Ianto an sich gedrückt, nachdem der Kuss schließlich zögerlich brach. “Ich habe mich wieder beruhigt“, sagte Jack leise und streichelte Iantos Wange.

Ianto lächelte. “Ich merke es.“

“Du könntest die Pizza essen, die ich für mich mitgebracht habe.“

Ianto küsste Jacks Wange. “Das könnte ich.“ Er hasste Ananas, aber er würde Jack das nicht in diesem Moment eröffnen sondern das machen, was er bei der Ananassahnetorte seiner Großmutter auch immer geholfen hatte – lächeln und so schnell wie möglich schlucken. Er fühlte sich auch nicht wirklich bereit, mit Jack über ihre Beziehung zu reden. Der Abend war bereits jetzt zerbrechlich. Es wäre nicht gut, wenn er ein so empfindliches Thema ansprechen würde. Ianto schob den Gedanken, dass er schlicht und einfach zu viel Angst hatte, Jack würde über den Gedanken einer festeren Beziehung lachen, resolut zur Seite.

Jack hängte seinen Mantel auf und lächelte. Es war ein Schatten seines üblichen Strahlens und wirkte angestrengt. “Lass uns essen.“

***

Es war ein Tritt, gefolgt von einem kräftigen Schubs, der Ianto weckte und ihn aus dem Bett beförderte. Verwirrt richtete er sich auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen. “Jack?“

“Kai, kai … shahelti ...“

Ianto runzelte die Stirn und setzte sich auf die Bettkante, bevor er die Nachttischlampe einschaltete. In ihrem gedämpften Licht sah er Jack in die Bettdecke verstrickt, schweißnass und zitternd, schwer atmend. “Shahelti bahai ...“

Ianto verstand nicht, was er sagte. Er bezweifelte, dass es eine irdische Sprache war. Er streckte die Hand aus, wagte es aber nicht, Jack zu berühren. Er hatte schon öfter Albträume in Iantos Beisein gehabt. Ianto hatte sich mehr als ein Mal einen Schlag ins Gesicht eingefangen, als er Jack zu wecken versuchte.

“Jack?“, fragte er vorsichtig.

Jack schluchzte und sein Gesicht zeigte ein gequältes Stirnrunzeln. “Doktor ...“

Ianto legte vorsichtig eine Hand auf Jacks Schulter. “Jack, wach auf.“ Seine Hand wurde gepackt und ehe er sich versah, hatte Jack ihn auf die Matratze gedrückt, ein Unterarm gegen Iantos Hals gepresst, und starrte ihn wütend an.

Doch sein Blick klärte sich sofort und er zuckte erschrocken zurück. “Ianto.“ Er setzte sich auf die Bettkante und rieb sich die Stirn. Sein Atem ging noch immer schwer, aber langsam beruhigte er sich.

Ianto massierte sich kurz den Hals und setzte sich auf. “Jack“, sagte er vorsichtig.

“Tut mir leid“, murmelte der Captain.

“Ist okay. Es war ein Albtraum.“ Er strich über Jacks Arm. Jack nahm seine Hand zwischen seine, drückte sie an seine Brust. “Willst du drüber reden?“, fragte Ianto zögerlich und rutschte näher an Jack heran. Er stellte einen Fuß auf den Boden und streckte das andere Bein hinter Jack aus, um sich an seine Seite zu lehnen. Jacks Haut war kühl. Ianto küsste seine Schulter.

Jack schüttelte den Kopf. “Nur ein Albtraum“, sagte er und lächelte hilflos. “Es ist nie passiert.“

“Du könntest trotzdem mit mir drüber reden“, schlug Ianto vor und streichelte mit der freien Hand durch Jacks feuchte Haare.

“Nur Bilder ...“, antwortete Jack. Die Stille streckte sich und Ianto legte den Kopf auf Jacks Schulter. Er schloss die Augen und überlegte, ob jetzt ein passender Moment war, nachzuhaken, bis Jack ihm endlich alles erzählte, was ihn bedrückte, aber Jack kam ihm mit einer leisen Frage zuvor: “Was hat ein Mann zu verlieren, der unsterblich ist?“

Ianto runzelte die Stirn. “Was?“

“Eine Frage, die mir gestellt wurde … während ich weg war.“

“Von wem?“, wollte Ianto wissen.

Jacks Schultern zuckten, als wurde er ein Lachen ersticken. “Jemandem, um den wir uns keine Sorgen mehr machen müssen.“

Ianto drückte Jacks Hand. “Wie lautete die Antwort?“

Jack wandte den Blick ab und hielt Iantos Hand fester. Jacks Augen hingen an einem Foto, das auf Iantos Nachttisch stand. Owen, Gwen, Tosh und er selbst vor ein paar Wochen bei einem Rugby-Spiel. Jacks Antwort war kaum zu hören. “Das Leben derer, die er liebt.“

Ianto lehnte seine Stirn an Jacks Schläfe. “Was ist passiert, Jack? Das war nicht nur ein Albtraum.“

“Es ist gleichgültig, Ianto“, meinte Jack.

“Nein, das ist es nicht“, antwortete er. “Jack, bitte.“

Der Captain küsste ihn und drückte ihn zurück auf die Matratze. Sie waren nackt und Jacks Hand fand wie von selbst den Weg Iantos Oberkörper hinunter zu seiner Hüfte, wo sie zu Iantos Rücken glitt und schließlich auf seinem Hinter zum Liegen kam, um Ianto an Jack zu drücken.

“Du lenkst ab“, keuchte Ianto, als Jack zwischen seine Beine fiel und Iantos Halsbeuge küsste.

Jack erstarrte und blickte ihn an. Dann sagte er leise: “Ja.“

***

Tosh hatte viel Geduld und sie würde alles für Jack tun, aber es gab einen Punkt, an dem auch sie nicht mehr an sich halten konnte. Sie lehnte ihre Hüfte gegen Jacks Schreibtisch und seufzte genervt. “Jack ...“

Der Captain blickte sie mit gehobenen Augenbrauen an, sein Gesicht wieder ein Spiegelbild der Unschuld. “Ja?“

Sie hielt den dicken Ordner in ihrer Hand hoch. “Ist das wirklich nötig?“

“Befehl von UNIT.“

“Seit wann befolgst du Befehle von UNIT?“

Jack verschränkte die Hände und Tosh wurde bewusst, dass er darauf wartete, dass sie einknickte. Die traurige Tatsache war, dass diese Möglichkeit immer wahrscheinlicher wurde, je länger Jack sie so bittend ansah. Sie legte den Ordner auf den Schreibtisch. “Es ist nur … das ist der dritte Abend, den ich lange arbeiten muss und Ianto und ich wollten zusammen was essen gehen. Ich würde ihm ungern wieder absagen.“

Jack nicke verstehend, stand auf, nahm seinen Mantel vom Haken und kam um seinen Schreibtisch herum. “Mach dir keine Sorgen um Ianto“, meinte er und legte eine Hand auf ihre Schulter. “Ich sorge dafür, dass ihm nicht langweilig wird.“ Er lächelte und verließ das Büro. Tosh starrte ihm stirnrunzelnd nach.

***

Unter Gwens Leitung hatte Torchwood 3 einen Bereitschaftsdienst eingeführt. Jack war nicht mehr rund um die Uhr in der Basis oder zumindest in der Nähe der Basis gewesen. Vor seinem Verschwinden hatte er kleinere Schwierigkeiten wie Weevil-Jagden oder verirrte Weltraumtouristen auch alleine geklärt. Nachdem er weg war, hatte das Team beschlossen, dass mindestens zwei Leute auch nach den offiziellen Arbeitszeiten – soweit diese existieren konnten - in der Basis sein sollten, was den anderen beiden etwas Freizeit verschaffte. Nach Jacks Rückkehr hatten sie das System beibehalten. An diesem Sonntag Abend hatte Gwen und Owen Dienst. Jack war mit Ianto in dessen Wohnung gefahren und die beiden hatten gerade gegessen, als Tosh Ianto anrief. Jack blieb in Iantos Wohnung zurück, während Ianto und Tosh sich in einem Café trafen.

“Du denkst, es ist Absicht?“, fragte Ianto.

Tosh nickte. Sie schaute hinaus auf die belebte Straße und dann wieder zu ihm. “Ich weiß, das klingt verrückt, aber könnte es sein, dass Jack versucht, uns voneinander fernzuhalten?“

Ianto lachte und rührte in seinem Kaffee. “Das klingt verrückt.“ Dann seufzte er und hielt inne. “Aber es wäre möglich.“ Er rieb sich die Stirn. “Ich glaube, er hat sich vernachlässigt gefühlt, nachdem er wieder da war. Weil wir diesen Tanzkurs haben und die Donnerstage.“

Tosh schüttelte den Kopf. “Ja, nur konnte ich seit Donnerstag die Basis nicht mehr vor neun verlassen, weil er mir ständig irgendwelche Analysen für UNIT aufgetragen hat. Das ist mein erster freier Abend seit Tagen.“

Ianto runzelte die Stirn. “Ich rede mit ihm. Ich bin nur ...“ Er stieß die Luft aus und starrte aus dem Fenster.

Tosh hob fragend die Augenbrauen. “Nur was?“

Ianto rührte unschlüssig in seinem Kaffee und meinte dann: “Jack hat sich verändert. Im Moment weiß ich nicht wirklich, wie ich an ihn herangehen soll.“

“Ist etwas passiert?“, fragte Tosh besorgt.

Er starrte in seine Tasse. “Er will nicht darüber reden.“ Sein Blick hob sich und er zuckte mit den Schultern. “Aber was auch immer er mit dem Doktor gemacht hat, es war nicht gut. Er hat Albträume – andere als früher und häufiger – und er ist so … empfindlich. Verschlossen.“

“Ianto“, sagte Tosh ernst, “ich habe dir das gesagt, weil ich mir Sorgen um ihn mache. Es ist nicht seine Art, uns unnötige Arbeit aufzubürden und zu verlangen, dass wir sie sofort erledigen.“

Ianto seufzte. “Ich weiß. Ich fühle mich im Moment nur etwas unsicher. Er ist so anders geworden. Ich meine …“ Er schüttelte den Kopf. Tosh blickte ihn abwartend an, bis er zögerlich fortfuhr: “Warum hat er mich gefragt? Warum ein Date durchziehen? Alles ist wie früher. Warum also so tun, als wäre er an mehr interessiert?“

“Ianto“, sagte Tosh ernst und ergriff seine Hand, “ich hab's dir schon mal gesagt: Tu dir das nicht an. Nicht schon wieder.“

“Nein“, sagte er und schüttelte den Kopf. Er lächelte und drückte ihre Hand. “Nein. Keine Sorge. Ich rede mit ihm.“

***

“Was hat so lange gedauert?“, fragte Jack, als Ianto das Wohnzimmer betrat.

Ianto legte seine Schlüssel auf den Couchtisch und warf die Jacke über die Armlehne. “Kann es sein, dass du Tosh extra zusätzliche Arbeit aufgeladen hast, damit sie Überstunden machen muss und sich nicht mit mir treffen kann?“, fragte er.

Jacks Gesicht versteinerte. Er schaltete den Fernseher aus und ging in die Küche. Ianto folgte ihm und beobachtete, wie Jack sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank nahm. Der junge Mann verschränkte die Arme. “Du streitest es nicht mal ab“, sagte er.

“Hätte das einen Sinn?“, fragte Jack und öffnete die Flasche.

“Nicht wirklich“, antwortete Ianto seufzend. Er rieb sich die Stirn, fühlte sich plötzlich müde, und lehnte sich an den Türrahmen. “Jack … warum tust du das?“

“Ist es falsch, Zeit mit dir verbringen zu wollen?“, fragte Jack gereizt.

“Nein“, antwortete Ianto, “natürlich nicht, aber, Jack, du kannst Tosh nicht mehr Arbeit aufbürden, damit ich Zeit mit dir verbringe. Du hättest auch einfach fragen können.“

Jack knallte die Flasche auf die Arbeitsplatte. “Fragen?“, wiederholte er. “Fragen? Ist das dein Ernst? Ich habe doch gefragt, aber du verbringst die Zeit lieber mit ihr.“

“Das ist keine Frage von Bevorzugung, Jack. Tosh ist meine beste Freundin. Und du ...“ Er stieß die Luft aus und lachte hilflos. “Ich weiß nicht mal, was du bist.“ Er wandte sich ab und nahm seine Jacke von der Couchlehne.

Jack folgte ihm in den Flur. “Was soll das heißen?“

“Dass du mir ein verdammtes Rätsel bist, Jack.“

Ianto hängte die Jacke auf und wollte zurück ins Wohnzimmer gehen, doch Jack hielt ihn fest. “Fragst du mich gerade nach einem Etikett für unsere Beziehung?“

“Nein“, antwortete Ianto sarkastisch, “ich würde es nicht wagen, dich dazu zwingen zu wollen, unserer Beziehung ein Etikett aufzukleben. Obwohl der Begriff billige Büroaffäre wahrscheinlich gut passen würde.“ Er riss sich los und ging ins Wohnzimmer.

“Das ist es nicht“, antwortete Jack.

Ianto fuhr zu ihm herum und die ganze Frustration der letzten Wochen entlud sich in einer wütenden Frage: “Was ist es dann?! Klär mich auf!“

Jack stemmte die Hände in die Hüften und reckte das Kinn vor. “Sag du es mir - wir haben Dates.“

“Dates? Wir hatten ein Date, Jack“, antwortete Ianto. “Ein Date! Wir haben eine Stunde in einem Restaurant verbracht, bevor du darauf gedrängt hast zu gehen, um eine frühere Vorstellung im Kino zu erwischen. Und während dem gesamten Film hattest du nichts besseres zu tun, als mir vorzuschlagen, es in der letzten Reihe miteinander zu treiben. Gefolgt von einer Nacht Sex in meiner Wohnung. Das war unser Date, Jack. Seitdem besteht jedes … Date daraus, zu mir zu gehen, essen zu bestellen, über die Arbeit zu reden und Sex zu haben.“

“Und du hast etwas dagegen, mit mir zu schlafen?!“

“Nein!“, antwortete Ianto aufgebracht. “Gott, Jack, du missverstehst mich mit voller Absicht!“ Er seufzte und sagte ruhiger: “Aber ich habe nicht gerade den Eindruck, dass du wirklich etwas Ernsthaftes mit mir anfangen willst. Alles ist wie früher.“

Jack hob die Augenbrauen. “Du hast dich früher nie beschwert.“

“Da war es auch okay“, antwortete Ianto, “weil wir beide wussten, dass es nicht mehr sein kann als eine Freundschaft mit Extras. Du hast mir gesagt, es könnte nicht mehr sein und ich habe das akzeptiert. Aber, Jack … du warst derjenige, der richtig ausgehen wollte. Und ich dachte, es ändert sich. Aber das hat es nicht.“ Er lächelte hilflos. “Und ich will nicht weniger. Ich kann nicht derjenige sein, zu dem du gehst, um Sex zu haben. Nicht mehr.“

Jack fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. “Ich will mehr“, sagte er verzweifelt. “Es geht nicht nur um Sex.“

Ianto antwortete leise: “Dazu gehört aber, miteinander zu reden. Es gab eine Zeit, da hast du mir alles gesagt.“

Jack wandte sich ab und schüttelte den Kopf. “Nichts habe ich dir gesagt. Nicht mal die Hälfte.“ Er wandte sich wieder zu Ianto um. “Du hast keine Ahnung, wer ich bin.“

“Aber ich würde es gerne wissen.“

“Ich will es dir aber nicht sagen“, antwortete Jack. Ianto senkte den Blick und stemmte die Hände in die Hüften. Jack versuchte zu erklären: “Was du von mir denken würdest, wenn du alles wüsstest ...“

Ianto sah zu ihm auf - die Augen weit. “Es besteht überhaupt keine Möglichkeit, dass ich dich wegen irgendetwas hassen könnte, das in der Vergangenheit liegt.“

Jack schüttelte den Kopf. “Ianto ...“

“Ich will nicht immer nur an der Oberfläche kratzen, Jack.“

“Das wirst du müssen“, antwortete der Captain und sah zu ihm auf. Ianto biss sich auf die Unterlippe und wandte sich ab, als er Tränen in seinen Augen aufsteigen spürte. Es tat weh. Er hätte nie gedacht, dass es so wehtun könnte. Aber auf der anderen Seite war ihm schon seit langem klar, wie er für Jack empfand und dass es nur böse enden konnte.

Er ging in die Küche und lehnte sich auf die Arbeitsplatte, sein Blick hing an der Reflexion der Küche im Fenster, deutlich zu sehen vor dem dunklen Nachthimmel und der Stadt weiter unten. Eine Bewegung am Rande des Glases. Jack stand in der Küchentür, die Arme verschränkt, den Blick gesenkt. “Ich will Dates“, sagte er. “Es ist nur schwierig. Wegen dem Job. Wegen mir.“ Er zuckte mit den Schultern. “Und es ist nicht so, als würdest du mir Möglichkeiten geben, Ianto. Ich plane einen Abend und du gehst mit Tosh weg.“

Ianto drehte sich zu ihm um. “Das tut mir leid. Ich dachte, du würdest es verstehen.“

“Was?“, fragte Jack.

Ianto lächelte traurig. “Ich habe so hart gearbeitet, um Teil des Teams zu sein.“

“Du warst immer Teil-“

“Lass mich ausreden, bitte“, unterbrach Ianto ihn. “Und das ist nicht wahr, Jack. Ich war immer derjenige, der in der Basis blieb und aufgepasst hat. Ich war selten bei Einsätzen. Und wenn, dann als dein Anhängsel. Hintergrundinformationen, Analysen, Aufräumen … das waren meine Aufgaben. Und bei Teamabenden … ich bin gekommen, wenn du gekommen bist und gegangen, wenn du gegangen bist, weil wir zusammen zurück in die Basis oder meine Wohnung gefahren sind, das weißt du. Ich stand immer zu deiner Verfügung und ich habe mich nie beschwert. Es hat mir nichts ausgemacht. Aber als du weg warst ...“ Er schluckte. “Ich war niemand.“

Jack kam einen Schritt auf ihn zu. Ianto lächelte humorlos. “Ich fühlte mich, als wäre ich niemand. Und ich kann wirklich froh sein, dass die anderen das nicht so sahen. Ich musste mich trotzdem bewähren … bei Einsätzen. Und es war schwer. Aber ich war endlich Teil des Teams. Ich war wirklich bei Torchwood 3 angekommen, Jack. Ich verstehe mich großartig mit Gwen und sogar mit Owen. Und Tosh ...“ Er schüttelte den Kopf. “Wir haben angefangen, uns mindestens einmal die Woche außerhalb der Arbeit und außerhalb von Teamabenden zu sehen. Als Freunde“, betonte er. “Das ist mir extrem wichtig. Ich dachte, das würdest du nachvollziehen können.“

“Aber du siehst sie den ganzen Tag während der Arbeit. Kannst du den Abend dann nicht mit mir verbringen?“

“Genau das ist das Problem, Jack. Ich will sie außerhalb der Arbeit sehen, als Freund. Es ist mir wichtig, nicht wieder in die Rolle deines Anhängsels zurück zu fallen und das heißt, dass ich nicht 24 Stunden am Tag für dich da sein kann. Das ist nicht gut für mich.“

Jack senkte den Blick und verschränkte die Arme. Ianto lächelte sanft und ergriff seine Hosenträger, bevor er seine Stirn an Jacks lehnte und ihn ansah. “Das bedeutet nicht, dass ich dich zurückweise, Jack. Du musst längst gemerkt haben, dass ich das nicht könnte.“ Er küsste ihn.

Jacks Arme lösten ihre verspannte Haltung und legten sich um Ianto, um ihn näher zu ziehen. “Bist du sicher, dass du da eine gute Wahl getroffen hast?“

Ianto lachte leise. “Mit ist so egal, wie kompliziert du sein kannst. Oder wie mysteriös.“ Er biss sich auf die Unterlippe, dann meinte er: “Lass mich nur nicht für immer an der Oberfläche kratzen. Ich muss nicht alles wissen, nur … etwas musst du mir schon geben.“ Er legte den Kopf auf Jacks Schulter und streichelte seinen Rücken.

“Wir sollten Dates haben … richtige Dates“, sagte Jack und Ianto glaubte, dass Tränen in seiner Stimme lagen. Dann lachte Jack hilflos. “Das Streiten kriegen wir schon einwandfrei hin.“

Ianto fiel in das Lachen ein. “Warte, bis wir zum Versöhnungssex kommen.“ Er löste die Umarmung etwas und drückte einen festen Kuss auf Jacks Lippen. “Das wird großartig.“

“Ach ja?“, fragte Jack. Da waren definitiv Tränen in seinen Augen, aber er zwang sie offenbar zurück und grinste. “Und wenn ich nicht warten kann?“

Ianto grub eine Hand in seine Haare und zog ihn in einen tiefen Kuss.

***

Jack starrte von seiner Seite des Bettes aus zu Iantos Schlafzimmerfenster, wo die Lichter der Stadt die weißen Vorhänge leicht orange färbten. Ianto schlief nicht. Jack konnte an seinem Atem hören, dass er nur dalag, wahrscheinlich ebenso in Gedanken versunken wie er. Er fröstelte, als die frische Frühlingsluft über seine noch schweißfeuchte Haut strich und drehte sich zu Ianto. Sein Liebhaber lag auf dem Bauch, das Gesicht von Jack abgewandt. Die Bettdecke war nur nachlässig hochgezogen, gerade genug, um bis zu seiner Hüfte zu reichen. Seine blasse Haut auf der dunklen Bettwäsche bildete auch in dem fahlen Licht einen eindeutigen Kontrast. Eine seiner Hände strich Iantos Wirbelsäule hinunter zu seiner Hüfte und drängte sich dann zwischen die Matratze und Iantos Bauch. Ianto seufzte tief. Jack legte den Kopf zwischen seine Schulterblätter und küsste seine Haut, schmeckte Schweiß. Er rutschte näher an ihn heran, bis ihre Beine sich berührten. Es war lange ruhig. Ianto schlief noch immer nicht.

“Wir waren am Ende des Universums“, sagt Jack leise. Er spürte, dass Ianto sich etwas anspannte, aber er schwieg. “Und freundeten uns mit einem Wissenschaftler dort an. Ein großer Fehler. Er kam zurück in diese Zeit und übernahm die Macht. Ihr kennt ihn als Harold Saxon.“

“Der ehemalige Premierminister?“

“Genau der.“

“Er tötete den Präsidenten und wurde von seiner Frau erschossen. Nur ein paar Tage nach seiner Wahl.“

“Das ist nicht die ganze Geschichte“, antwortete Jack. Er seufzte tief: “In Wahrheit … ist das nur das Ende.“

Ianto drehte sich auf den Rücken und ergriff Jacks Hand. Er verschränkte ihre Finger miteinander und Jack küsste ihn sanft. Dann legte er den Kopf auf Iantos Schulter. Er schwieg eine Weile, ahnungslos, wo er beginnen sollte, was er erzählen und was er möglicherweise auslassen sollte. Iantos andere Hand streichelte durch seine Haare. Lippen streiften seine Stirn.

“Erzähl einfach, Jack.“ Er zog die Bettdecke höher.

Und Jack begann.


ENDE
11/10

Komplette Fanfiction Masterlist

Comments

( 2 comments — Leave a comment )
aenn17
Mar. 14th, 2011 12:44 pm (UTC)
Wow.
Richtig toll. :]
jolinarjackson
Mar. 14th, 2011 12:56 pm (UTC)
Danke. :)
( 2 comments — Leave a comment )