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Brute Force 4/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 3
Brute Force Masterlist

***
***


4.


Immer, wenn Don sein Elternhaus betrat, fühlte er sich wohler als in seiner eigenen Wohnung. Er hatte Charlie mal gesagt, dass die Basis seines Alltags die FBI-Zentrale war. Was er nicht gesagt hatte, war, dass die Basis in seinem Privatleben das große Grundstück war, das jetzt seinem Bruder gehörte. Seit er wieder in L.A. wohnte, hatte er sich daran gewöhnt, drei bis vier mal die Woche bei seinen Eltern zu essen. Seit seine Mutter tot war, hatte sich daran nichts geändert. Auch, wenn es eine Weile schwierig gewesen war, nach Hause zu kommen. So schwierig, dass Don es nur aus einem Pflichtgefühl seinem Vater gegenüber heraus getan hatte. Aber das war nun über ein Jahr her und seitdem kam Don gerne nach Hause. Besonders, wenn Alan kochte, wie an diesem Abend.

Alan lehnte sich nach dem Essen zu Shanti und streichelte ihr durch die dunklen Locken. Er erklärte: “Es ist schön, mal wieder Kinder im Haus zu haben.“

Don verdrehte die braunen Augen. “Es ist noch nicht zu spät für mich und Charlie, Dad.“ Amita lachte.

Alan nahm Shanti aus dem Hochstuhl, den er auf dem Dachboden gefunden hatte und setzte sie mit der Übung eines Vaters zweier Kinder auf seinen Schoß, während er antwortete: “Aber es könnte bald zu spät für mich sein. Wann immer du mit ihr vorbei kommen willst, Amita, ich werde gerne Babysitten.“

Amita zuckte mit den Schultern, setzte ein etwas trauriges Lächeln auf. “Meine Cousine kommt nächste Woche aus Indien zurück und wird sie wieder zu sich nehmen. Ich habe mich irgendwie an sie gewöhnt.“

Charlies und Amitas Kollege Larry Fleinhardt stützte die Ellbogen neben seinem Teller auf den Tisch und verschränkte die Finger miteinander. Seit Don ihn kannte, verglich er ihn mit Yoda. Er war immer ruhig und bedacht. Es sei denn, er regte sich auf. Dann begann er zu stottern und neigte zu fahrigen Gesten, vor denen man sich in Acht nehmen sollte, wenn man nicht getroffen werden wollte. Don hätte wohl niemals von sich aus einen Mann wie Larry in sein Leben gelassen. Aber er war ein Freund seines Bruders – so ziemlich der einzige Verbündete, den Charlie in seinen frühen Jahren der akademischen Laufbahn gehabt hatte – und Don achtete ihn für seine Loyalität Charlie gegenüber. Und inzwischen hatte auch Larry dem FBI bereits hilfreich unter die Arme gegriffen.

Larry maß Amita nun mit einem nachdenklichen Blick. “Höre ich da ein leichte Sehnsucht nach eigenen Kindern heraus?“

Amita blickte über den Esstisch zu ihm. “Ja“, antwortete sie zögerlich. “Irgendwie schon.“ Larry hob überrascht die Augenbrauen. “Nicht jetzt schon“, beeilte Amita sich zu sagen. “Aber irgendwann.“ Sie streichelte Shantis Wange. Don blickte zu Charlie, der Amita nachdenklich anstarrte. Er versetzte ihm einen leichten Stoß in die Seite und Charlie wandte ihm den Blick zu. Don hob die Augenbrauen und nickte in Amitas Richtung. Charlie schüttelte den Kopf. Don versetzte ihm einen etwas heftigeren Stoß. Charlie schubste zurück.

Alan unterbrach die beiden. “Jungs“, er stand auf, “und ihr wollt erwachsene Männer sein? Abräumen und abwaschen.“ Damit stolzierte er mit Shanti auf dem Arm ins Wohnzimmer, Amita mit einem amüsierten Grinsen auf den Lippen auf seinen Fersen.

Larry zuckte mit den Schultern. “Ich kann euch helfen.“

Don schüttelte den Kopf. “Nicht nötig.“

Charlie nickte bestätigend und stand auf, um den Tisch abzuräumen. “Dad bestraft uns mit Küchendienst, seit wir laufen können.“ Er warf Don einen bedeutungsschweren Blick zu, als käme nun ein oft besprochenes Thema. “Du spülst, ich trockne ab.“

Don war empört. “Das kannst du vergessen. Ich trockne ab.“ Larry nahm das als Zeichen, sich ebenfalls ins Wohnzimmer zurückzuziehen.

***

Charlie gewann, indem er das längere Streichholz zog und er und Don waren bereits bei der Hälfte des Abwasches angelangt, als er fragte: “Von den Überwachungen gibt es nichts neues?“ Don würde nach dem Essen wieder zur Pinnacle Investment Bank am Ocean Front Walk fahren. Charlie zog es dieses mal vor, zu Hause zu bleiben. Stattdessen würde Megan Don begleiten.

“Nein. Den ganzen Tag nichts verdächtiges. Natürlich könnte man bei den vielen Menschen, die tagsüber an der Bank vorbei gehen, etwas übersehen.“

Charlie nickte nachdenklich. “Ich habe noch mal nachgerechnet. Es ist eine dieser drei Banken. Wahrscheinlich die Bank of America auf dem Jefferson. Wenn es stimmt, was du sagst, und die Nachricht an dich nur eine Herausforderung war, dann hat die Sache keinen persönlichen Hintergrund.“ Charlie klang, als würde er das anzweifeln. “Es geht nur um das Geld. Wofür brauchen sie es?“

“Habgier“, antwortete Don.

“Illegale Geschäfte“, konterte Charlie.

“Ein neues Leben.“

“Waffen.“

Don ließ das Wasser ablaufen. “Wofür sie es auch brauchen, sie haben 10 Millionen.“

“Brauchen sie da überhaupt noch mehr?“

“Lass es uns hoffen“, antwortete Don und auf Charlies überraschten Blick hin antwortete er: “Na ja, sonst kriegen wir sie nicht. Unsere einzige Chance ist ein neuer Überfall.“

Charlie verschränkte die Arme. “Beziehungsweise die Planungsphase. Vielleicht erwischt ihr sie beim Auskundschaften.“

“Vielleicht auch nicht“, antwortete Don. “Wir treffen bereits Vorbereitungen, während eines stattfindenden Überfalls reingehen zu müssen.“ Charlie nickte verstehend, sein Gesicht besorgt. Don war seit Ewigkeiten beim FBI, aber seinen Bruder im Zusammenhang mit Waffengewalt zu sehen, fiel ihm noch immer schwer.

***

Don wusste nicht, warum er es überhaupt noch versuchte. “Kein Sandwich?“, fragte er und hielt den Teller in Charlies Richtung. Charlie warf ihm einen kurzen Blick zu, dann schüttelte er den Kopf, zog am Ärmel seines Sweatshirts und wischte die Zahlenreihe weg, die er eben mit Kreide auf die Tafel gebannt hatte. Auf dem oberen Rand der Tafel lag ein Schwamm. Don wusste, dass er nicht wie der besorgte Bruder klang, der eigentlich sein sollte. Aber es war ihm auch egal, was Charlie tat.

Er tat seinem Vater nur einen Gefallen, indem er hier war – in dieser Garage. “Wenn du verhungern willst, ist das deine Sache, kapiert? Aber Dad geht es absolut mies und ich denke, du solltest vielleicht Rücksicht darauf nehmen. Seine Frau ist letzte Woche gestorben. Deine Mutter, falls du dich erinnerst.“ Charlie hielt nur kurz inne, dann schrieb er weiter. Don schnaubte ungläubig, dann stellte er den Teller laut auf dem Schreibtisch ab, der vor Charlies Tafeln stand. Die Garage war kühl, unaufgeräumt und ungemütlich.

Don kapierte nicht, wie Charlie seit über drei Monaten hier leben konnte. Er warf einen Blick auf die aufgeschlagenen Bücher, den Bildschirm des Laptops und die unzähligen Papiere auf dem Schreibtisch. Ein Stück Kreide lag auf einem der Bücher und Don nahm es in die Hand, spielte damit, um sich zu beruhigen. Er drehte sich zu seinem Bruder um, der im Stakkato Zahlen auf die Tafel schrieb und er fühlte sich, als könnte er Charlie erwürgen, dann meinte er: “Mag sein, dass dir Mums Tod scheiß egal ist. Aber mir nicht.“ Er trat neben Charlie. “Und Dad auch nicht. Und das einzige, was du seit Monaten tust, ist was? Rechnen. Mum stirbt und dir ist es wichtiger …“ Don brach ab, weil Charlie ihn gar nicht zu hören schien. Don schleuderte die Kreide in die Richtung seines Bruders und als immer noch keine Reaktion kam, packte er Charlie am Kragen und drehte ihn zu sich um. “Du undankbarer, kleiner Mistkerl! Sie hat alles für dich gemacht! Absolut alles! Und dir ist es scheiß egal?“

Charlie starrte ihn an, als sähe er Don zum ersten Mal. “Nein“, flüsterte er.

“Also bist du hier drin, weil diese idiotischen Zahlen so verdammt wichtig sind?“

“P versus NP“, antwortete Charlie leise.

“Was?“, fragte Don.

“Es ist P versus NP. Ein unlösbares Problem.“

Don ließ Charlie los und der, vollkommen überrascht, stolperte zurück und fiel zu Boden.

“Unlösbar?“ fragte Don lauernd. “Es ist unlösbar … warum zum Teufel beschäftigst du dich dann lieber damit, als mit Mum oder Dad?“ Er hörte die Garagentür und realisierte, dass sein Vater von der Lautstärke des Streits angelockt worden war. “Du bis so ein Versager, Charlie.“

Alans Stimme war leise, aber bestimmend: “Don.“

Aber Don war viel zu aufgeregt, um aufzuhören. “Du bist für mich gestorben.“ Damit wandte er sich ab und verließ die Garage. Hinter ihm fiel die Tür laut ins Schloss …


… Don schreckte hoch.

“Entschuldige“, murmelte Charlie von der Verandatür aus und blickte ihn fragend an. “Warum schläfst du im Wohnzimmer?“

Don stützte den Kopf in die Hände und fuhr sich durch die braunen Haare. “Ich muss eingeschlafen sein“, murmelte er. Der Fernseher war blind und Don fuhr fort: “Dad muss den Fernseher ausgemacht haben.“ Er sah auf die Uhr. “Fast Mitternacht. Ich muss bald los und Colby und David ablösen. Was hast du im Garten gemacht?“

“Nachgedacht“, antwortete Charlie. “Manchmal hilft frische Luft.“

Don nickte und rieb sich die Augen. “Schlecht geträumt?“, fragte Charlie.

“Wohl eher schlecht erinnert“, antwortete Don mit einem aufgesetzten Lächeln und stand auf.

“Darf man fragen, woran?“, wollte Charlie besorgt wissen.

Don schüttelte den Kopf. “Nein. Nicht wirklich.“ Charlie wirkte verletzt, also fuhr Don fort: “Das muss ich mit mir selbst ausmachen.“ Er hatte ewig nicht mehr an diesen Streit gedacht. Wenigstens hatte Charlie kurz nach dem Streit die Tafeln sauber gewischt und war in den Alltag zurückgekehrt. Es hatte Monate gedauert, ehe Alan Don dazu hatte bringen können, mit ihm und Charlie an einem Tisch zu essen. Und noch ein paar Monate, ehe Don Charlies Hilfe mit einem Aktienbetrug gebraucht hatte. Seitdem ging es allmählich wieder aufwärts zwischen ihnen. Vor allem das letzte Jahr hatte dazu beigetragen. Don wusste inzwischen, dass P versus NP eine Stressreaktion war. Er hatte Charlie seit dem Tod seiner Mutter noch einmal in diesem Zustand erlebt. Aber sie hatten nie darüber gesprochen. Don hatte sich auch nie entschuldigt. Charlie hatte sein damaliges Verhalten hin genommen, so, wie er es immer bei Don tat. Er nahm es hin, wenn er dafür irgendwann nur wieder näheren Kontakt zu seinem Bruder haben konnte. Charlie lächelte Don zu und ging dann nach oben. Don blickte ihm nachdenklich hinterher. Tatsache war, dass Charlie es nicht hinnehmen sollte.

***

David nippte an seinem Kaffee, während Colby einen neuen Radiosender suchte. Das Auto, in dem die Agents ihre Überwachung machten, stand direkt gegenüber der Bank of America auf der Jefferson. Es war bisher sehr ruhig gewesen. Noch niemand hatte einen der Räuber beim Ausspähen der Lage erwischt. Einen Überfall hatte es auch nicht gegeben. Das Gelände war großräumig bereit, jederzeit abgesperrt zu werden. Die Nacht war klar und ruhig. Mit einem Blick auf die Uhr stellte David fest, dass Don bald mit Megan zur Ablösung da sein musste.

“Weißt du, was ich mir überlegt habe?“, fragte Colby und David blickte ihn neugierig an. Die beiden Männer hatten sich während dieser Überwachungen erst richtig kennen gelernt und eine Freundschaft aufgebaut, die auch über die Arbeit hinaus ging. “Vielleicht versuche ich es mit Amita“, meinte Colby.

David schüttelte grinsend den Kopf. “Die ist viel zu clever, Colby.“

“Ich mag intelligente Frauen.“

“Ich auch. Aber wir sprechen hier nicht von einer intelligenten Frau, sondern von einer sehr intelligenten.“

Colby zuckte mit den Schultern. “Schüchtert mich nicht ein.“ Er grinste David an. “Dich etwa?“

David schüttelte den Kopf. “Lass es trotzdem.“

“Warum?“, wollte Colby wissen.

David stieß die Luft aus. “Sagen wir, sie ist vergeben“, meinte er dann.

“Sie hat einen Freund?“

“Noch nicht“, antwortete David. “Aber vielleicht wird demnächst ja endlich mal was draus.“

Colby fand einen passenden Sender und lehnte sich nachdenklich in seinen Sitz zurück. “Charlie?“, fragte er dann ungläubig. David nickte. “Nicht ernsthaft“, fuhr Colby fort.

“Ich beobachte die beiden seit einem Jahr … glaub mir, da läuft was. Und nicht nur von seiner Seite. Du hast nicht die geringste Chance.“

Colby seufzte geschlagen. “Verdammt.“ Ihr Gespräch wurde von einer nahendem Polizeisirene unterbrochen. “Was zum Teufel …“, begann Colby und stieg aus, als mehrere Streifenwagen auf die Bank zurasten und vor ihrem Eingang stehen blieben. Die Beamten stiegen aus und betraten mit gezogenen Waffen das Gebäude.

David war inzwischen ebenfalls ausgestiegen. “Was ist los?“ Einer der Polizisten – der leitende Beamte - drehte sich zu ihnen um. “Der stumme Alarm ist vor ein paar Minuten losgegangen.“

“Was?“, fragte Colby fassungslos. “Wir haben niemanden gesehen.“ Der Polizist hob eine Augenbraue, als könnte der Fehler auf keinen Fall auf seiner Seite liegen.

Einer der Beamten, die die Bank betreten hatten, kam wieder raus und rannte zu seinem Vorgesetzten. “Der Safe ist offen. Ein paar Schließfächer sind ausgeräumt.“ Colby und David starrten sich an.

“Scheiße!“, murmelte Colby.


Kapitel 5
Brute Force Masterlist

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