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Brute Force 5/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 4
Brute Force Masterlist

***
***


5.


“Wie konnte das passieren?“, fragte Don wütend und blickte sich in dem Safe um, in dem die Schließfächer der Bank lagen. Einige waren geöffnet – mit purer Gewalt aus den Angeln gerissen – und die Inhalte entweder verschwunden oder wertlose Dinge auf dem Boden verstreut. Es fehlte auch Geld – eine Million. Colby verschränkte schuldbewusst die Arme, während David die Hände in die Hosentaschen steckte. Die Spurensicherung suchte nach Fingerabdrücken an den Schließfächern, während Megan mit den Händen in den Hosentaschen neben Don stand.

David antwortete: “Wir haben niemanden gesehen.“

Eine junge Frau in einer LAPD-Jacke kam auf die drei Agents zu. “Agent Eppes, ich bin Charlene Waters, Spurensicherung. Wir haben festgestellt, wie sie rein kamen.“ Don blickte sie neugierig an. “Im Keller gibt es einen Zugang zum Keller des Nachbarhauses. Scheinbar gehörten die Gebäude mal zusammen. Das Schloss war aufgebrochen. Von dort aus gelangten sie in eine Seitengasse und von dort in das Kanalsystem der Stadt.“

Don rieb sich die Stirn. Kopfschmerzen kündigten sich an. “Sie flohen unterirdisch?“

Die junge Frau nickte. “Ja.“

Don seufzte. “Na toll.“ Er wandte sich an Colby. “Melde dich bei den Straßensperren. Sag ihnen, was wir wissen. Sie sollen das Kanalsystem in der Umgebung absuchen.“ Colby nickte und ging. “Allerdings glaube ich, dass dafür schon zu spät ist“, meinte Don.

David nickte zustimmend. “Die sind sicher längst weg.“

Don schüttelte den Kopf. “Und lachen sich ins Fäustchen.“

David konnte ein sarkastisches Lächeln nicht unterdrücken. “Schätzungsweise hat uns Heisenberg hier ziemlich in den Arsch getreten!“

“Was?“, fragte Don verwirrt.

“Die Heisenbergsche Unschärferelation“, antwortete David mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte er eine Doktorarbeit zu dem Thema verfasst. “Beobachtet man ein Objekt, verändert man sein Verhalten. Hat Charlie uns mal erklärt.“ Don starrte ihn an, als sähe er ihn zum ersten Mal. “Hey“, meinte David, “was Charlie sagt, ist gar nicht so dumm. Man sollte es sich merken.“

Don räusperte sich und wandte sich dann wieder an Charlene. “Sind Sie sicher, dass sie über das Kanalsystem geflohen sind?“

Charlene nickte. “Der Zugang wurde erst kürzlich benutzt und … wir fanden einige Banknoten am Fuße der Leiter.“ Sie hielt fünf Plastikbeutel hoch, in denen die Scheine einzeln verpackt waren. “Sie wurden vermutlich absichtlich zurückgelassen. Den hier sollten sie sich ansehen.“ Sie gab einen der Beutel an Don. Wieder war eine Nachricht auf die Banknote gekritzelt. Don lief es kalt den Rücken runter, als er sie las.

Sie schummeln, Agent Eppes. Ich dachte, Sie wären clever genug, mich alleine zu kriegen. Löst Ihr kleiner Bruder immer Ihre Fälle?

***

“Ich habe mit niemandem über den Fall gesprochen“, beteuerte Charlie und starrte Don beschwörend an. “Wirklich nicht.“ Sein Bruder fuhr sich frustriert durch die dunklen Haare und wandte sich von Charlie ab. Sein Blick wanderte durch das chaotische Büro zu Larry und Amita, die auf zwei Stühlen saßen und dem Gespräch folgten. Amita hatte die schlafende Shanti in ihren Kinderwagen gesetzt und die Stirn in nachdenkliche Falten gelegt.

Don stieß die Luft aus, versuchte, den Stress der Vermutung loszuwerden, die ihn hergetrieben hatte. “Mit niemandem?“, wiederholte er seine Frage.

Charlie nickte. “Bis auf Amita und Larry.“

Larry ergänzte: “Und wir reden nie über die Fälle des FBI.“ Er wirkte beinahe beleidigt von Dons Annahme, er und Amita würden jedem erzählen, was sie für das FBI taten.

Don schüttelte den Kopf und massierte sich mit einer Hand den Nacken. “Na schön … woher wissen die Typen dann, dass du mir mit dem Fall hilfst?“, fragte er.

Charlie zuckte mit den Schultern. “Vielleicht haben sie uns zusammen gesehen und nachgeforscht.“

“Daten über zivile Berater und Agents sind gut gesichert.“

Charlie hob die Augenbrauen. “Passwörter für die Sicherheitsschranken von Banken auch … die Räuber haben einen Hacker in ihrer Mitte, vergiss das nicht.“

Amita nickte bestätigend. “Einen sehr guten.“

Als ob Don das beruhigen würde … er schüttelte den Kopf. “Niemand kommt beim FBI rein. Niemals.“

Larry lächelte leicht. “Das sollte man nicht annehmen. Das Wort ’niemals’ ist überbewertet.“

Amita stand auf. “Ich muss Shanti nach Hause bringen. Nachher ist ihre Krabbelgruppe und ich will sie vorher baden.“

Die drei Männer verabschiedeten sich von ihr, dann wandte Don sich wieder an seinen Bruder. “Wenn ich ehrlich bin, macht mir das mehr als nur ein bisschen Sorge, Charlie. Ich würde gerne einen Agent für dich abstellen.“

Charlie schüttelte vehement den Kopf. Er hasste es, wenn Don glaubte, er bräuchte einen Aufpasser. “Das ist nicht nötig. Don, du hast selbst gesagt, die Typen wollen dich nur reizen.“ Er sah auf die Uhr und erschrak. “Verdammt, ich komme zu spät zur Vorlesung.“ Er sammelte Papiere ein und stopfte sie in seine Umhängetasche. “Mach dir keine Sorgen um mich, okay?“ Er suchte und fand seine Schlüssel. “Ich werde das nächste Ziel der Typen noch heute ausrechnen. Komm heute Abend vorbei und wir reden drüber.“ Damit war er verschwunden. Don rieb sich die Stirn, wünschte sich eine Aspirin. Larry hatte den Kopf auf eine Hand gestützt, nachdenklich blickte er zu Don.

Er fragte: “Du glaubst, Charles ist in Gefahr?“

Don zuckte mit den Schultern. “Ich weiß nicht. Megan sagt auch, dass die mich nur reizen wollen. Sie halten sich für unbesiegbar.“

Larry seufzte beinahe mitleidig. “Wie töricht.“

***

Connor drückte sich enger an die Wand des Korridors in der CalSci und richtete den Blick konzentriert auf das Buch in seinen Händen, während die beiden Brüder an ihm vorbei gingen. Connor schielte zu ihnen. Der Agent wirkte sehr wachsam, während sein Bruder in Papiere vertieft war. Die große Tasche, die um seine Schultern hing, schien ihn nicht im mindesten zu behindern. Dabei wirkte sie recht schwer.

“Sicher?“, fragte der Agent gerade.

Der Professor nickte. “Sicher. Ich habe alles nachgerechnet und habe …“ Sie verschwanden um die Ecke. Connor war versucht, ihnen zu folgen, aber er klappte das Buch zu und ging stattdessen in die Richtung, aus der die beiden gekommen waren. Vor einer Tür blieb er stehen. Auf dem Glas prangte Charlies Name, darunter ein Zettel mit Sprechzeiten. Connor blickte sich um. Niemand war zu sehen. Wahrscheinlich waren die meisten Dozenten und Studenten bereits zu Hause. Er holte seinen Dietrich aus der Tasche und testete zunächst kurz, ob die Tür abgeschlossen war, ehe er vorsichtig einbrach.

Er schloss die Tür, ließ das Licht aus und schaltete stattdessen nur eine kleine Taschenlampe an, während er sich in dem Chaos umsah. “Meine Güte“, murmelte er. “Genies und Ordnung.“ Kenny war ebenso schlampig. Es hatte Connor zum Wahnsinn getrieben, während sie sich im Gefängnis eine Zelle geteilt hatten.

Connor ging nach kurzem Zögern und einem Blick durch den Raum auf die Tafel zu, auf der in hastig geschriebenen Ziffern und Buchstaben eine komplexe Rechnung stand. Oder zumindest ein Teil davon. “Hm“, murmelte Connor, während er an den nichts sagenden Gleichungen vorbei zu den Namen am Rand der Tafel leuchtete. Es waren die Namen von Banken. Zehn insgesamt, die obersten drei eingerahmt. Connor konzentrierte sich auf den ersten Namen. “Bank of America, Pasadena“, murmelte er. “Unglaublich.“ Ihr nächstes Ziel. Das für diese Nacht. Sie planten die Überfälle unregelmäßig, um nicht in eine Vorhersehbarkeit zu verfallen und wollten deshalb nach dem gestrigen Überfall heute direkt wieder zuschlagen. Sah ganz so aus, als wären sie doch vorhersehbar. Aber jetzt, da Connor Bescheid wusste, konnten sie Vorkehrungen treffen. Möglicherweise war es der letzte Überfall. Denn vielleicht konnte Charlie Eppes ihnen zu mehr Geld verhelfen, als sie je erbeuten konnten.

***

“Es ist mutig von ihnen den Überfall hier zu machen“, meinte Don und sah sich in der ruhigen Nachbarschaft der Wilson Avenue um, in der die kleinste Filiale der Bank of America lag, während er einen Parkplatz in der Nähe der Bank suchte. “Es sind kaum Leute hier. Nicht so viele wie in der Innenstadt. Man würde Fremde wahrscheinlich sogar leicht bemerken, während sie die Gegend auskundschaften.“ Charlie blickte nur kurz auf, dann konzentrierte er sich wieder auf seinen Laptop. “Müsste eine so ruhige Nachbarschaft nicht negative Punkte in deinen Berechnungen bekommen?“, fragte Don.

Charlie nickte. “Ja. Trotzdem bleibt das hier das wahrscheinlichste Ziel.“

Don hielt auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Bank. Einige kleine Geschäfte säumten die Straße neben der Filiale und die Wohnhäuser in direkter Nähe lagen friedlich und dunkel da. Die Geschäfte waren geschlossen, niemand mehr unterwegs – nicht mal Teenager. In diesem Viertel lebten größtenteils Senioren und junge Familien. Die Straßenlaternen erhellten die Bürgersteige und Don schaltete den Motor ab. “In Ordnung“; meinte er, sah David und Colby davon fahren. Dons Handy klingelte. Er wusste, dass es nur einer der beiden anderen Agents sein konnte. Sie riefen einander nach dem Schichtwechsel immer an.

“Nichts auffälliges“, sagte David. “Ein Van, aber der hat an die Bäckerei geliefert und ist dann wieder verschwunden.“

“Gebt Megan Bescheid“, antwortete Don. Sie teilte sich mit einem anderen Agent die Schichten in der FBI-Zentrale und nahm Meldungen und Beobachtungen der Überwachungsteams auf.

David klang ernsthaft verwirrt. “Wegen einer Lieferung an die Bäckerei in einem Vorort?“

“Wir greifen nach Strohhalmen“, antwortete Don. Er legte auf. Charlie hatte den Laptop zugeklappt und sich im Autositz zurück gelehnt. Don blickte ihn an. “Also, was hat dich dazu bewegt, wieder mitzukommen? Ich dachte, nach dem letzten Mal hat es dir gereicht.“

Charlie zuckte mit den Schultern. “Ich bin nicht müde.“ Don lachte und drehte sich zum Rücksitz um. Er suchte nach den Sandwichs, die ihr Vater ihnen eingepackt hatte.

“Also sitzt du nachts um eins mit mir in der Kälte und beobachtest eine leere Straße?“

“Und die Lieferung an die Bäckerei“, antwortete Charlie. “Diese Läden sind quasi 24-Sunden-Betriebe, Don. Nachts backen sie und -“

“Sh!“, machte Don und starrte aus der Windschutzscheibe hinüber zu dem weißen Van, der ein paar Meter von ihnen entfernt vor der Bäckerei parkte. Er griff nach seinem Handy.

Charlie bemerkte Dons Anspannung und fragte leise: “Was ist?“

Er wusste nicht, warum er flüsterte, aber Don antwortete ebenso leise: “Die Bäckerei wurde schon beliefert.“ David hob ab. “Sie sind hier“, sagte Don.

Sein Kollege war fassungslos. “Was?“

“Gerade angekommen“, antwortete Don.

“Ruf Verstärkung, Don, wir kommen sofort …“

Die Verbindung brach ab.

“David?“, fragte Don. Er blickte auf sein Display, konnte aber nichts außergewöhnliches sehen. “David?“

“Was ist?“, fragte Charlie.

“Die Verbindung ist abgerissen.“ Don griff zum Funkgerät und drückte auf den Sendeknopf, aber das ungewöhnlich laute Rauschen hielt ihn davon ab, hinein zu sprechen. Charlie blickte ihn fragend an. “Tot“, murmelte Don. Er beobachtete, wie vier Männer mit mehreren Sporttaschen auf die Bank zugingen. “Sie stören den Funkverkehr. Das geht recht leicht. Ein paar Interferenzen und schon … aber das Handy?“

Charlie schluckte nervös. “Sie müssen die nahen Sendemasten heruntergefahren haben.“

“Das können sie?“, fragte Don.

“Sie müssen sich nur bei der Telefongesellschaft einhacken und für eine Überspannung im System sorgen. Wahrscheinlich liegt ein Großteil des Handynetzes von L.A. lahm.“

Die vier Männer scharten sich um das Kontrollpaneel an der Tür, wo Angestellte den Code eingeben mussten, um die Bank außerhalb der Öffnungszeiten zu betreten. Es dauerte nur ein paar Sekunden, dann öffneten sich die Türen. “Scheiße! Sie sind drin“, sagte Don und stieg aus dem Wagen. In dem Moment hielt Colby neben ihnen und David sprang aus dem Auto. Sie mussten sofort gewendet haben. Don steckte sein nutzloses Handy weg.

David wartete, bis sein Vorgesetzter ausgestiegen war. “Sorry, mit dem Handy stimmt was nicht.“

“Ja, das Funknetz wurde auch gestört. Charlie glaubt, dass sie das Handynetz lahm gelegt haben“, sagte Don.

David verzog das Gesicht. “Wir sind auf uns gestellt? Oder halten wir uns zurück?“

“Das sind vier und wir sind …“ Don drehte sich zu seinem Bruder um, der ebenfalls aus dem Wagen gestiegen war und zur Bank hinüber blickte. “Verdammt!“ Er hatte nicht an Charlie gedacht. Der Gedanke, dass sein Bruder ins Kreuzfeuer gelangen könnte, war ihm gar nicht gekommen. Colby hatte bereits den Kofferraum seines Dienstwagens geöffnet und reichte David eine Schutzweste.

Er blickte Don aufmerksam an. “Wir gehen rein, oder?“, fragte er.

Don ging an seinen eigenen Kofferraum und nahm zwei Westen heraus, die für den Notfall dort verstaut waren. “Das hier ist unsere Chance. Wir warten draußen auf die Typen – direkt vor der Tür.“ Er ging zu Charlie und zog ihm die Weste über den Kopf, zog sie fest. Colby und David statteten sich mit MP5s und Magazinen aus. Don hätte gerne einen von ihnen zu Charlies Schutz hier am Auto gelassen, aber er fand, dass sie nur zu dritt eine reelle Chance gegen die vier Räuber hatten, wenn sie sie überraschten. Er konnte keinen entbehren. “Du bleibst hier“, sagte Don zu seinem Bruder, ließ ihn sehen, wie ernst er es meinte. Er öffnete die Hintertür des Wagens und ließ Charlie einsteigen. Dann drückte er ihn auf den Boden hinter dem Beifahrersitz. “Und du rührst dich nicht von der Stelle.“

Charlie blickte nervös zu ihm hoch. “Okay.“

Don hob den Zeigefinger. “Ich meine es, Charlie. Du machst nicht einen Schritt von diesem Auto weg.“ Damit schlug er die Tür zu. “Lasst uns gehen“, sagte er zu seinen Kollegen und nahm das größere Kaliber aus dem Wagen, das für den Notfall sicher im Kofferraum verstaut war. Charlie kauerte sich hinter den Beifahrersitz und hoffte, dass die Türen des Sedans einiges aushielten – dann betete er, dass er das gar nicht herausfinden musste.

***

Connor ließ das Nachtsichtgerät sinken. “Die wollen uns am Eingang überraschen“, stellte er fest.

Steve, der direkt neben ihm stand, schnaubte verächtlich. “Diese Regierungstypen. Sie machen immer dasselbe.“

“Sie sind nur zu dritt“, sagte Connor. “Sie werden keine Verstärkung bekommen.“ Kenny hatte dafür gesorgt. Ein falscher Alarm von ihm hatte für eine Ablenkung gesorgt, während er das Netz zu einer Überspannung geführt hatte. Für den Funkverkehr hatte Connor gesorgt.

Steve grinste triumphierend. “Die haben keine Chance.“

“Ja“, meinte Connor und trat vom Fenster weg, “trotzdem sollte Justin sich mit dem Safe beeilen.“ Sie passierten den kleinen Schalterraum durch eine unscheinbare Holztür hindurch, die direkt zu ein paar Büros, der Küche und den Toiletten führte – außerdem zum Safe und zu den Schließfächern. Kenny blickte nervös zu Connor und Steve, als sie zu ihnen stießen. Justin lehnte am Safe. Connor konnte nicht genau erkennen, was er tat, aber er vertraute ihm. Justin hatte 13 Banken ausgeraubt, ehe er im Gefängnis gelandet war. Als Connor ihn dort kennen gelernt hatte, hatten sie beschlossen diese Überfälle gemeinsam durchzuführen, sobald sie wieder frei waren. Kenny zog die Liste mit den Nummern der Schließfächern aus seiner Jackentasche. “Wir könnten es noch schaffen, die zu knacken.“

“Nein“, antwortete Connor. “Wir gehen auf Nummer Sicher. Vielleicht haben sie einen anderen Weg gefunden, Verstärkung zu rufen.“ Justin stieß ein Lachen aus und öffnete den Safe.

Er blickte auf die Uhr, schüttelte bedauernd den Kopf: “4 Minuten und 23 Sekunden. Ich war schon schneller.“ Connor, Kenny und Steve hörten ihm gar nicht zu. Die waren bereits damit beschäftigt, Geld in die Sporttaschen zu stopfen.

“Wir verschwinden durch den Seitenausgang“, beschloss Connor.

Justin zweifelte an dem Plan. “Sind die so blöd? Den werden sie bewachen.“

“Die sind nur zu dritt. Sie haben unseren Wagen vom Haupteingang aus im Blick. Ich denke mal, das reicht denen als Absicherung.“ Connor sah auf die Uhr. “Verschwinden wir.“

***

Der Plan war gut, beschloss Charlie und er ließ die Autotür offen stehen, nachdem er ausgestiegen war und sich neben den Wagen duckte. Er würde außer Sicht bleiben. Zwischen ihm und dem Van standen fünf Wagen. Von der Bank aus würde man gar nicht sehen, dass er nicht auf seinen Bruder hörte. Aber er entschloss sich dazu, sich später zu entschuldigen. Er hatte sich ein paar Minuten den Kopf darüber zerbrochen, was er tun könnte, um Don zu helfen. Er öffnete die Beifahrertür und dann das Handschuhfach. Dons Taschenmesser lag unter leeren Kaugummipapieren und der Lizenz für seine Dienstwaffe. Charlie hatte es dort gefunden, als er bei der letzten Überwachung aus Langeweile Dons Handschuhfach durchsucht hatte. Charlie hielt sich geduckt, während er auf den Wagen der Räuber zu schlich. Niemand würde bemerken, dass er überhaupt draußen war. Die Räuber und die drei Agents waren auf der anderen Straßenseite beschäftigt. Die Reifen aufzuschneiden war wahrscheinlich sogar der rettende Einfall, falls die Räuber es wider Erwarten an Don und seinen Kollegen vorbei schaffen würden.

Er kam bei dem weißen Van an und klappte die Klinge des Messers aus. Ein prüfender Blick am Wagen vorbei zeigte ihm, dass sich die Situation nicht verändert hatte. Don, David und Colby in Lauerstellung vor der Bank, die Räuber vermutlich drinnen.

Jemand packte seinen Nacken und schlug seinen Kopf gegen den Stoßdämpfer. “Was denkst du, was du da tust?“, zischte ein Mann wütend und versuchte, ihm das Messer zu entwinden. Ein fünfter Bankräuber. Charlie kämpfte gegen die schwarzen Flecken vor seinen Augen an und stieß dann mit seinem Ellbogen nach hinten.

Er erwischte den Mann im Magen und der Griff um seinen Nacken lockerte sich, als Don rief: “FBI! Nicht bewegen!“ Charlie dachte einen Moment, dass sein Bruder den Angriff auf ihn vielleicht bemerkt hätte, aber dann fielen Schüsse und er realisierte, dass die Räuber die Bank wohl verlassen hatten. Charlies Angreifer fluchte leise und versuchte, ihn festzuhalten, aber Charlie schaffte es, sich loszureißen und das Messer in den Hinterreifen zu stoßen. Er rannte. Das glaubte er zumindest, bis ihm schwindelig wurde und er auf den Asphalt zwischen dem Van und dem Auto dahinter taumelte. Nun sah er Don, Colby und David deutlicher, die sich im Eingang der Bank verschanzt hatten und auf die vier Räuber schossen, die aus dem Seiteneingang gekommen waren und einen Mauervorsprung am Gebäude als Deckung nutzten. Drei der Räuber schossen zurück, der Vierte kauerte verängstigt am Boden. Bisher waren die Räuber nie gezwungen gewesen, zu schießen – so gut waren sie also ausgerüstet, wenn man sie in eine Ecke drängte.

Charlie musste zurück zum Auto. Es war dumm gewesen, den Wagen überhaupt zu verlassen. Er rappelte sich auf und wollte zurück, aber ein Berg von Mann stand ihm im Weg. Völlig unbeeindruckt von der Schießerei auf der anderen Straßenseite kam er auf Charlie zu und packte seinen Arm. “Kleiner Bastard“, murmelte er. Charlie versuchte, ihn mit dem Messer am Arm zu erwischen, aber der Mann packte sein Handgelenk und wand das Messer aus seinen Fingern. Er ergriff Charlies Weste an den Schultern und zog ihn mit einem Ruck an sich heran, wodurch der junge Mann nur noch auf Zehenspitzen stand. “Zu schade, dass ich keine Zeit dafür habe, Kleiner.“ Damit stieß er Charlie von sich, der auf Straße stolperte und fiel. Don erstarrte bei dem Anblick, während der fünfte Bankräuber um den Van herum hastete und einstieg. Don sah, wie Charlie sich aufzurichten versuchte. Instinktiv machte er sich bereit, auf seinen Bruder zu zu rennen und ihn in Sicherheit zu ziehen … ehe er ihn höchstpersönlich erwürgte. David und Colby ahnten, was er vorhatte und gaben ihm Deckung. Don rannte los und schaffte genau zwei Schritte, ehe sich ein scharfer Scherz in seinen rechten Oberschenkel bohrte.

Er stolperte zurück in Deckung. “Bleib liegen! Charlie, bleib liegen!“, schrie er über den Waffenlärm hinweg. Sein Bruder gehorchte, drücke sich auf den Asphalt und starrte ängstlich zu Don hinüber. “Scheiße“, murmelte Don.

Colby warf einen Blick auf die Wunde. “Don?“

“Ein Streifschuss. Nur ein Streifschuss“, antwortete er.

David legte ein neues Magazin in seine Waffe ein und stützte sie dann wieder an seiner Schulter ab. “Sie machen sich bereit, rüber zu rennen.“

Don fluchte. “Dann rennen sie genau auf Charlie zu.“ Er feuerte auf die Einbrecher, als einer von ihnen einen Fluchtversuch machte und scheuchte den Mann zurück hinter den Mauervorsprung. Dons Magazin leerte sich. “Wir bräuchten Verstärkung“, meinte er angespannt und schoss dann wieder auf die Räuber. Die verstärkten plötzlich ihren Angriff und die Agents mussten sich in den Eingang zurückdrängen, um nicht getroffen zu werden. Und dann rannte einer der Räuber über die Straße, warf sich zwischen die geparkten Autos und öffnete die Seitentür des Vans. “Die hauen ab“, murmelte Don. Der zweite Räuber versuchte, über die Straße zu rennen, aber Don brachte ihn mit einem gezielten Schuss vor die Füße von der Idee ab. Dann kam der Moment, in dem er auf den Auslöser drückte, aber nichts kam. Colby steckte seine Waffe weg. David war der letzte von ihnen, der noch Kugeln hatte. Don blickte zu seinem Bruder, der auf der Straße lag und die Arme über den Kopf gelegt hatte, als könnte ihn das schützen. Zu seinem Glück schienen die Räuber sich nicht sonderlich für ihn zu interessieren. Doch es fielen noch immer Schüsse und Don fürchtete, Charlie könnte getroffen werden. Natürlich bemerkten die Räuber, dass nur noch einer auf sie schoss und sie nutzten die Chance. Sie feuerten verstärkt, David drückte sich in den Eingang. Colby sah den nächsten Räuber rennen, als der Kugelhagel gegen die drei Agents stärker wurde. Polizeisirenen erklangen. Don stieß erleichtert die Luft aus. Die Räuber zögerten nur einen Moment. Den nutzte Colby und rannte ebenfalls los.

“Colby!“, hörte er David rufen, aber ignorierte ihn. Er rannte parallel zu dem Räuber über die Straße, Kugeln schlugen neben ihm ein, dann schien es den Räubern zu riskant zu werden, ihren eigenen Mann zu treffen und sie stellten das Feuer auf ihn ein. Colby sah den erschreckten Blick, den der Fliehende neben ihm ihm zuwarf – es ist nur ein Junge, nur ein Junge!, dachte er schockiert -, aber Colby war nicht hinter ihm her. Er blieb kaum stehen, als er bei Charlie ankam, riss den überraschten Mathematiker an der Schutzweste von der Straße hoch und zerrte ihn mit sich zwischen die geparkten Autos auf der anderen Straßenseite. Charlie schaffte es, auf die Füße zu kommen und hinter ihm her zu taumeln. Sie stolperten über den Bordstein. Charlie fiel auf den Rücken, Colby landete auf ihm. Der Agent blieb einige Sekunden atemlos auf Charlie liegen, wartete auf Schüsse in seine Richtung, aber nichts kam. Stattdessen gab es entfernte Schüsse, einen Schrei, Sirenengeheul, dann quietschten Reifen und der Van raste an Colby und Charlie vorbei durch einen der Vorgärten und von dort in eine Seitenstraße. Dann war er verschwunden. Atemlose Stille hing über der Straße.

Colby kniete sich hin. “Charlie?“ Der junge Mann reagierte nicht und Colby hob seinen Kopf an. Seine Hand kam blutverschmiert zurück. “Ich brauche einen Krankenwagen!“, rief er. Don kam auf ihn zu humpelt, David stand vor der Bank und starrte auf die Straße. Colby sah einen der Räuber am Boden liegen – ob tot oder verletzt konnte er nicht sagen. Don ging neben seinem bewusstlosen Bruder in die Knie. “Wir haben die Typen gründlich unterschätzt.“


Kapitel 6
Brute Force Masterlist

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