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Brute Force 6/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 5
Brute Force Masterlist

***
***


6.


Während Don in der Ambulanz des nächsten Krankenhauses verarztet wurde, brachte Megan ihn auf den neuesten Stand. “Ich habe mit den Ärzten von dem Räuber gesprochen, den wir erwischt haben. Er wird gerade operiert. Sieht nicht gut aus.“ Don verzog vor Schmerz das Gesicht, als die junge Assistenzärztin begann, einen festen Verband an seinem Bein anzulegen. Der Schuss hatte ihn knapp oberhalb des Knies getroffen. Don würde ein paar Tage humpeln, aber er kannte sich mit solchen Verletzungen inzwischen gut aus und wusste, dass es nichts ernsteres war.

Er machte sich wesentlich mehr Sorgen um Charlie, der ebenfalls noch behandelt wurde.

“Wissen wir schon, wer der Typ ist?“, fragte er.

Megan schüttelte den Kopf. “Kein Ausweis. Die Ärzte haben uns erlaubt, Fingerabdrücke zu nehmen, ehe er in den OP kam und wir haben sicher bald ein Ergebnis.“ Sie stieß gestresst die Luft aus. “Merrick hat einen Tobsuchtsanfall bekommen. Er fragt sich, wie wir die Räuber so unterschätzen konnten.“

Don fuhr sich frustriert durch die dunklen Haare. “Die haben den Funkverkehr gestört. Vermutlich einfach alle Frequenzen überlagert und gehofft, dass unsere dabei ist. Und das Handynetz war auch lahm gelegt.“

“Es ist inzwischen wieder online. Sieht ganz so aus, als hätte jemand einen falschen Alarm in einem anderen Sektor ausgelöst und die Ablenkung genutzt, um die Masten zu überspannen.“

Don schnaubte. “Und das hätten wir ahnen sollen?“, fragte er. Manchmal war sein Vorgesetzter ein Idiot. Zu sehr darauf bedacht, vor seinen Chefs einen guten Eindruck zu machen.

“Das habe ich ihm auch gesagt.“

Die Ärztin richtete sich auf. “In Ordnung, Agent Eppes. Sie sorgen einfach dafür, dass Sie es in den nächsten Tagen nicht zu sehr übertreiben und Sie sind bald wie neu.“ Don nickte ihr dankbar zu und sie wandte sich zum Gehen.

Don rieb sich die Stirn und warf einen Blick auf die Uhr. Es war jetzt 3.20 Uhr.

“Wie geht’s Charlie?“, wollte Megan wissen.

Don stand auf. “Auf dem Weg hierher hat er das Bewusstsein nicht wieder erlangt. Der Notarzt hat was von einer möglichen Gehirnerschütterung gesagt. Sie untersuchen ihn noch. In Lebensgefahr ist er jedenfalls nicht.“ Er schob den Vorhang um das Bett zur Seite, auf dem er gesessen hatte und betrat die belebte Ambulanz. Leichte Autounfälle, Prügeleien und Opfer von Überfällen warteten auf Ärzte, Verwandte oder ihre Rezepte. Einige der Vorhänge um die Betten waren zugezogen, während Behandlungen liefen. Ärzte und Schwestern hasteten von Patient zu Patient. L.A. schlief nie. Colby und David standen in der Nähe des Eingangs und unterhielten sich.

“Charlie hat sich selbst in ziemliche Gefahr gebracht“, meinte Megan und Don stemmte die Hände in die Hüften. Megans Worte erinnerten ihn daran, wie wütend er auf Charlie sein sollte. Im Augenblick herrschte aber noch die Sorge um seinen jüngeren Bruder vor.

“Glaub mir, das werde ich ihn wissen lassen.“ Er erkannte seinen Vater an der Eingangstür und winkte ihm zu. Alan kam zu ihm und Megan hinüber geeilt. Er trug seine alte Jeans mit den ausgefransten Säumen und ein zerknittertes Hemd. Wahrscheinlich hatte er die erstbesten Sachen angezogen, die er finden konnte. Don bekam ein schlechtes Gewissen, weil er Alan um die Uhrzeit mit so schlechten Nachrichten aus dem Bett geklingelt hatte.

“Don, was ist passiert? Du rufst mich mitten in der Nacht an und sagst, ihr seid beide im Krankenhaus. Ich dachte, diese Überwachung sollte friedlich ablaufen.“

“Tja, Dad, das war leider nicht vorauszusehen.“

Alan unterzog seinen Sohn einem prüfenden Blick und fragte: “Bist du okay?“

“Nur ein Streifschuss“, antwortete Don.

“Und Charlie?“, fragte Alan.

***

“Mir geht’s gut. Ich kann nach Hause gehen“, protestierte Charlie, aber sein Arzt schüttelte entschieden den Kopf. Er wandte sich an Don und Alan, die neben Charlies Bett standen.

“Eine leichte Gehirnerschütterung. Wir wollen das im Auge behalten. Ihr Sohn wird bis heute Nachmittag hier bleiben müssen.“

“Ich muss Kurse geben. Ich habe Unterricht um zehn und um zwei“, antwortete Charlie. Don warf ihm einen warnenden Blick zu.

Die Miene des Arztes war verständnisvoll, aber entschieden. “Dr. Eppes, Sie haben Schmerzmittel gegen die Kopfschmerzen bekommen, sonst würden Sie nicht darauf bestehen, das Krankenhaus verlassen zu dürfen. Für die nächsten Tagen empfehle ich Ihnen, jeglichen Stress zu meiden. Außerdem sollten sie nicht fernsehen, zu laut Musik hören und nach Möglichkeit direktes Sonnenlicht meiden. Gehirnerschütterungen sind etwas ernstes. Sie werden extreme Kopfschmerzen haben.“ Charlie schloss geschlagen die Augen. “Ich werde Sie jetzt schlafen lassen“, meinte der Arzt. Er blickte zu Don und Alan. “Noch ein paar Minuten, dann sollten Sie gehen. Es ist fast vier Uhr morgens. Sie können morgen ab neun wieder kommen.“ Don nickte dankbar und der Arzt verließ das Zimmer.

“Mach dir keine Sorgen wegen deinem Unterricht, Charlie. Ich werde gleich morgen früh Larry und Amita anrufen“, erklärte Alan. Charlie nickte. Don stemmte die Hände in die Hüften und versuchte, seine Wut zu unterdrücken, während Alan fragte: “Brauchst du irgendetwas?“

“Nein, danke, Dad. Ich schätze, ich sollte auf den Arzt hören und etwas schlafen.“

Don lachte spöttisch und fragte leise: “Auf den Arzt hörst du also?“ Alan blickte ihn fragend an, während Charlie schuldbewusst Dons Blick auswich.

“Was ist los?“, fragte Alan. Er wusste es immer sofort, wenn seine Söhne gestritten hatten.

Don schüttelte den Kopf. “Dad, kannst du mich und Charlie ein paar Minuten alleine lassen? Geh schon mal zum Ausgang. Ich komme gleich nach.“

Alan kniff die braunen Augen zusammen. “Eigentlich würde ich lieber wissen, was hier los ist.“

“Ich erkläre es dir später“, antwortete Don.

Alan verschränkte stur die Arme. “Erkläre es mir jetzt.“

Don verdrehte die Augen, dann erzählte er: “Charlie wäre nicht verletzt worden, wenn er auf mich gehört und im Wagen geblieben wäre. Stattdessen schleicht er während einer Schießerei draußen herum und gefährdet sein Leben.“

Alan war schockiert. “Was?“ Er richtete sich an seinen Jüngsten. “Charlie!“

“Es tut mir leid, okay? Ich dachte, ich könnte helfen“, antwortete Charlie.

“Helfen? Indem du dich umbringen lässt?“, fragte Don.

“Ich habe nicht gewusst, dass noch ein Bankräuber im Van gewartet hat.“

“Damit hättest du rechnen müssen.“

Charlie fragte gereizt: “Weil du es auch getan hast?“ Don machte einen Schritt zurück. Charlie hatte den wunden Punkt getroffen. Keiner der Agents war darauf gekommen, den Van zu checken. Ein typischer Anfängerfehler und sie hatten ihn begangen.

Aber er war im Recht, verdammt. “Trotzdem, Charlie“, sagte er, “es gab einen Grund, aus dem ich dich im Auto gelassen habe.“

Er starrte seinem Bruder in die dunklen Augen, zeigte seine Sorge, bis Charlie langsam nickte. “Okay.“ Er schluckte hart, kämpfte gegen eine Welle der Übelkeit an. Die Schmerzmittel machten ihn langsam müde. “Colby geht’s gut, oder?“

“Alles bestens“, antwortete Don.

“Gut“, meinte Charlie. “Tut mir leid, Don.“

Der Agent nickte. “Ist okay.“

Alan beschloss, die Initiative zu ergreifen, als Charlies Augen allmählich zufielen. “Wir sollten jetzt gehen. Charlie, ich komme gleich morgen früh wieder, in Ordnung?“ Er drückte einen Kuss auf Charlies Stirn.

“In Ordnung“, antwortete Charlie.

“Bis dann, Kumpel“, fügte Don hinzu, aber Charlie war schon eingeschlafen.

***

Don, Megan und Colby saßen bereits an ihrem Schreibtischen, als David am nächsten Morgen in der FBI-Zentrale eintraf. Er blickte überrascht auf die Uhr. “Und ich dachte, ich wäre früh“, erklärte er und ließ sich auf seinen Stuhl fallen, ehe er den Computer einschaltete.

“Wir sind auch gerade erst gekommen“, antwortete Megan.

Don rieb sich müde die Stirn. “Gehen wir durch, was wir wissen.“ Er hatte kaum geschlafen – nur etwa eine Stunde -, sich eine weitere Stunde im Bett herum gewälzt und war dann zu seinem Vater gefahren, um mit ihm zu frühstücken, ehe er ins Büro gekommen war. Megan, David und Colby wirkten nicht viel wacher als er, dafür ebenso motiviert.

Megan fasste zusammen: “Wir haben fünf Banküberfälle. Alle mitten in der Nacht. Bei allen Banken wurde sich eingehackt, die Kameras ausgeschaltet und mit dem Sicherheitscode eingedrungen. Sie meiden umliegende Kameras von Geschäften, sodass wir kein klares Bild von den Typen haben. Wir wissen nur, sie fahren einen weißen Van.“

“Jetzt haben wir haben wir aber einen von ihnen. Und gestern waren wir ihnen so nah wie noch nie“, meinte Colby.

“Ja“, nickte Megan. “Nur leider konnten wir da auch nicht viel sehen.“

“Ich habe einen von ihnen gesehen“, erklärte Colby. “Nur kurz und ich könnte ihn sicher nicht genau beschreiben. Aber er war jung – sehr jung.“

“Woran erinnerst du dich?“, fragte Don.

Colby zuckte mit den Schultern und verzog das Gesicht. “Wie gesagt. Ich kann es nicht genau sagen. Ich habe ihn nur sehr kurz gesehen, während ich auf Charlie zu gerannt bin. Er war auf jeden Fall weiß, vielleicht 19 oder 20 Jahre alt. Nichts auffälliges. Ein Junge eben.“

Megan zog die Stirn in Falten. “Was will so ein Team mit einem Jungen?“

“Er hatte Angst“, sagte Colby. “Das war eindeutig.“

Megans Handy klingelte und die drei Männer schwiegen, als sie abhob. “Reeves?“ Sie hörte zu, strich sich die hellbraunen Haare hinter die Ohren, dann weiteten sich ihre Augen überrascht. “Wirklich? Das ging schneller als erwartet.“ Sie hörte wieder zu, dann verabschiedete sie sich: “Wir sind sofort da.“ Sie nickte Don zu. “Der Räuber, den wir gestern festsetzen konnten, ist nun vernehmungsfähig. Das war sein Arzt.“

Don nahm seine Jacke vom Stuhl, froh, dass sie nun vielleicht endlich ein paar Antworten bekommen würden. “Großartig. Megan, wir fahren hin. Colby, erkundige dich doch mal, ob wir inzwischen einen Treffer mit den Fingerabdrücken des Typen hatten.“ Der jüngere Mann nickte und nahm den Hörer hoch, um im Kriminallabor anzurufen, während Don und Megan zum Auto eilten.

***

Charlie starrte auf die Tür vor sich, legte seine Hand erneut auf den Griff und drückte ihn hinunter. Er rüttelte einige Sekunden an der Tür, aber es änderte sich nichts an der Tatsache, dass sie verschlossen war. “Dad?“, fragte er verwirrt. Er hatte darauf bestanden, früher entlassen zu werden, hatte dem Arzt geschworen, sich auszuruhen, seinem Vater versprochen, CalSci eine Woche lang nicht zu betreten und sogar eine halbe Stunde lang versucht, den Rat des Arztes zu befolgen. Aber sein abgedunkeltes Zimmer hatte es seinen Gedanken einfach gemacht, sich neu zu formen und ihn mit Formeln und Algorithmen zu überfluten, die in Dons Fall helfen konnten. Charlie wollte sie aufschreiben … aber die Garagentür war abgeschlossen.

“Du solltest im Bett sein“, sagte Alan streng hinter ihm.

“Die Tür ist abgeschlossen“, antwortete Charlie.

“Ja“, sagte sein Vater und Charlie drehte sich zu ihm um.

“Wieso?“

“Drei mal darfst du raten.“

“Aber … aber meine Tafeln sind in der Garage. Die Aufzeichnungen zu Dons Fall, Larrys Projekt … alles.“

“Genau“, antwortete Alan, wandte sich ab und ging zurück in die Küche. “Leg dich hin. Ich bringe dir gleich was zu essen nach oben.“ Nachdenklich blickte Charlie aus dem Fenster in den Garten. Vielleicht konnte er die Garage über die Tür zum Garten betreten. Oder von der Einfahrt aus. “Alle Türen sind abgeschlossen, Charlie!“, rief Alan, als hätte er seine Gedanken erraten.

Charlie folgte ihm in die Küche, lehnte sich an die Wand. Die Schmerzmittel machten ihn müde und ihm war etwas schwindelig, aber er musste an Dons Fall arbeiten. Er musste den nächsten Überfall bestimmen. Er hatte so viele neue Daten. “Dad.“

“Charlie.“ Sein Vater wandte sich nicht zu ihm um, sondern rührte weiter in der Suppe auf dem Herd.

“Ich muss arbeiten. Don braucht -“

“Don braucht im Augenblick gar nichts von dir, Charlie. Glaub mir. Ich sorge dafür, wenn es sein muss. Du musst dich ausruhen. Du überanstrengst dich schon, wenn es dir gut geht.“ Alan drehte sich nun doch zu seinem Sohn um und stemmte die Hände in die Hüften.

“Ich höre auf, wenn es mir schlecht geht“, schwor Charlie.

“Wann habe ich das das letzte Mal gehört?“, fragte Alan und schnippte dann mit den Fingern. “Richtig. Du warst 23. Du warst im Stress, weil du deinen Doktor machen wolltest und obwohl du noch viel Zeit hattest, wolltest du so schnell wie möglich fertig werden. Erinnerst du dich?“

Charlie verschränkte die Arme und senkte den Blick. “Ja“, sagte er leise.

Alan fuhr trotzdem fort: “Du hattest Schmerzen. Einige Wochen lang. Dir war manchmal übel und du hattest leichtes Fieber. Deine Mutter und ich wollten mit dir zum Arzt, aber du hast dich geweigert. ’Ich höre auf, wenn es schlimmer wird’ sagtest du. Es sei nur der Stress. Ich weiß es noch genau. Noch in derselben Nacht hattest du einen Blindarmdurchbruch.“

“Dad, ich erinnere mich. Ist okay“, unterbrach Charlie ihn.

“Zwei Wochen warst du im Krankenhaus“, schloss Alan die Geschichte ab und Charlie verdrehte die Augen.

“Wann kriege ich den Schüssel?“, fragte er. Alan schüttelte frustriert den Kopf und drehte sich wieder zum Herd um, rührte in der Suppe. Charlie trat neben ihn. “Dad …“ Er legte eine Hand auf Alans Schulter, aber sein Vater ging zum Kühlschrank und holte eine Flasche Wasser für sich heraus. Charlie beobachtete, wie er einen Schluck trank und sich dann an den Kühlschrank lehnte. “Was ist los, Dad?“

“Ich mag es nicht, dass dein Bruder dich in Gefahr bringt. Er nimmt dich mit zu Tatorten, zu Überwachungen und zu Befragungen.“

Charlie verschränkte die Arme. “Ich konsultiere auch für die NSA, Dad. Und für ein paar andere Behörden.“

“In einem Büro. In einem geschützten Gebäude.“

Charlie antwortete darauf nicht. Meistens war seine Arbeit für die NSA harmlos für ihn gewesen, aber es war schon das ein oder andere mal passiert, dass er in die Schusslinie geraten war. Er hatte seinen Eltern oder Don davon nie erzählt. Bisher war auch nie etwas ernsteres passiert. Einmal waren die Bremsen des Ermittlers, für den er bei der NSA konsultiert hatte, durchgeschnitten worden, bevor er mit Charlie zu einem Tatort gefahren war. Einmal war Charlie auf dem Weg ins Hotel überfallen und sämtliche Daten gestohlen worden, die er bei sich gehabt hatte. Er war bedroht worden. Manchmal waren Tatorte nicht so harmlos, wie die zuständigen Ermittler geglaubt hatten und einer der Täter wartete auf sie … einmal sogar ein Sprengsatz. Kratzer, Schürfwunden, Hämatome und Alpträume hatte Charlie versteckt, wenn er wieder nach Hause gekommen war. Solange, bis sie verblasst waren.

“Du hast nur ein paar Monate für Don gearbeitet und bist fast von einem Heckenschützen erschossen worden.“

Charlie musste zugeben, dass dieser Vorfall der bisher gefährlichste gewesen war, den er erlebt hatte. “Das lag nicht an Don. Ich war selbst Schuld.“ Alan nickte langsam.

Er seufzte, rieb sich die Stirn und meinte dann: “Manchmal wäre es mir lieber, wenn du dich auf die Uni beschränken würdest, Charlie.“

Charlie ging auf seinen Vater zu. “Das kann ich nicht. Nicht, wenn ich so viel verändern kann.“

Alan nickte. “Ich weiß.“ Er verdrehte die Augen. “Deine Mutter hat dir diese Sturheit vererbt.“

“Bist du sicher?“, fragte Charlie grinsend. “Du kannst auch ganz schön stur sein.“

Alan schüttelte den Kopf. “Du hast mein räumliches Denken.“ Charlie hatte das meiste von Maggie geerbt. Angefangen bei den dunklen Locken, die sie später gerne blond färbte bis hin zu ihrer Sturheit und ihrem Lächeln. Don war immer mehr nach Alan gekommen. Entsprechend hatten sie auch ihre Bezugspersonen in der Kindheit fest gelegt. Während Don mit seinen Probleme zu Alan kam, hatte Maggie sich immer um Charlie gekümmert, war mit ihm nach Princeton gegangen und hatte ihm die Tutoren besorgt. Alan hatte sich häufig überfordert in der Gegenwart seines Jüngsten gefühlt. Maggie schien immer mit ihrem hochintelligenten Sohn mithalten zu können – oder zumindest sehr überzeugend so zu tun. Alan riss sich aus seinen Gedanken. “Setz dich hin. Es gibt gleich Mittagessen. Und danach wirst du dich hinlegen.“

“Dad“, protestierte Charlie. Alan schüttelte den Kopf und Charlie gab sich geschlagen. Zumindest für den Moment.

Kapitel 7
Brute Force Masterlist

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