?

Log in

No account? Create an account

Previous Entry | Next Entry

Brute Force 11/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 10
Brute Force Masterlist

***
***


11.


“Oh nein!“, murmelte Colby, als ein weiterer Streifenwagen mit Sirene und Blaulicht an ihm vorbei raste, gefolgt von einem Krankenwagen. Er ließ die Papiertüte mit den Snacks fallen und begann, die letzten 100 Meter auf das Motel zu zu rennen. Seine Vermutung bestätigte sich, als er eine Gruppe Neugieriger und die Einsatzwagen vor ihrem Motelzimmer sah. “Verdammt.“ Colby rannte die letzten Meter und ergriff den ersten Polizisten, den er zu fassen bekam, am Arm. “FBI“, er zeigte seine Marke, “ein Kollege und ich waren mit einem Schutzbefohlenen in dem Zimmer.“

Der Polizist stemmte die Hände in die Hüften. “Wir wurden wegen Schüssen und Vorgängen gerufen, die nach einer Entführung aussahen. Da drin ist nur noch einer.“

Sanitäter kamen mit einer Bahre aus dem Zimmer und Colby schob sich an den Neugierigen und einem weiteren Polizisten vorbei zu ihnen. “David“, keuchte er entsetzt, als er seinen Kollegen erkannte. Sein Partner sah zu ihm auf, Blut sickerte in einen Verband an seiner Schulter.

Er murmelte: “Charlie … Colby, die haben ihn.“ Er wurde in den Krankenwagen gehoben und Colby verlor den Blickkontakt zu ihm, als einer der Sanitäter die Tür zuschlug.

“Wo bringt ihr hin?“, fragte Colby.

“Huntington“, antwortete der Mann, dann lief er zum vorderen Teil des Wagens, stieg ein und fuhr davon. Colby schob die Sorge um David beiseite und betrat das Zimmer. Ein Polizist und ein Mann in Jeans, Pullover und geöffneter Regenjacke standen darin und blickten auf, als sie Colby bemerkten.

Der Mann in Zivil zeigte seine Dienstmarke. “Sie dürfen hier nicht rein.“

“FBI“, antwortete Colby.

Der Detective schüttelte entschieden den Kopf. “Das hier ist Sache des LAPD.“

“Nicht wirklich“, antwortete Colby gereizt. “Die Typen haben meinen Partner angeschossen und den Mann, den wir beschützen sollten, entführt.“

Der Mann kniff die Augen zusammen. “Das hier war eine Zeugenschutzaktion?“

“In der Richtung“, antwortete Colby. “Verlassen Sie bitte das Zimmer, bis meine Leute hier eintreffen.“ Er wandte sich von dem Detective ab, nicht gefasst genug, um den giftigen Blick und Nebensächlichkeiten wie den Streit über die Zuständigkeit zu ertragen, und nahm sein Handy aus der Jackentasche. Während er wartete, dass abgehoben wurde fiel sein Blick auf Charlies Laptop, der noch immer auf dem Tisch stand. Er schloss frustriert die Augen, hörte die beiden Polizisten an sich vorbei und aus dem Zimmer gehen.

Als Don antwortete, erkannte Colby an seiner Stimmte, dass er ihm nicht sagen musste, was passiert war.

“Colby?“ Don wusste es.

***

Don war zum Tatort gefahren, ohne seinen Vater zu wecken. Er hatte Megan von unterwegs angerufen und die hatte Agent Hailey verständigt. So trafen sie am frühen Morgen in der FBI-Zentrale ein, nachdem sie den Tatort und die Umgebung untersucht hatten, nachdem Fahndungen und Straßensperren verordnet worden waren und nachdem sie sich im Huntington versichert hatten, dass David überleben würde. Don war noch nie so müde gewesen und allmählich schlich sich die Panik ein. Er starrte auf seinen Computerbildschirm und hatte nicht gemerkt, dass der Bildschirmschoner schon vor Minuten angesprungen war. Er spürte Megans und Haileys Blicke auf sich, während die beiden im Pausenraum bei einer Tasse Kaffee standen und die Lage besprachen. Colby trat neben Dons Schreibtisch und stützte sich auf die halbhohe Wand, die den Arbeitsplatz vom Großraumbüro abtrennte. “Don“, sagte er leise, “es tut mir leid. Ich hätte nicht gehen dürfen.“

Don blickte zu ihm auf. “Verdammt richtig.“

Colby hielt Dons Blick stand. “Ich war mir zu sicher“, sagte er. “Deshalb bin ich gegangen.“ Er schluckte und straffte seine Körperhaltung, ehe er fester fortfuhr: “Aber ich habe den Job nicht auf die leichte Schulter genommen.“

“Es ist völlig egal, wie du es formulierst, Colby. David wurde angeschossen. Charlie ist verschwunden. Wer weiß, was die mit ihm anstellen werden. Also konzentrier dich lieber darauf, ihn zu finden.“ Damit stand Don auf und nahm seine Jacke von seinem Stuhl. Er ging Richtung Pausenraum und wechselte ein paar Worte mit Megan, dann verließ er das Büro. Colby starrte auf Dons Bildschirm und stieß die Luft aus. Der erste große Fall, den er mit dem Team bearbeitete und er versagte.

“Mach dir keine allzu großen Gedanken über ihn, okay? Er ist nur besorgt um Charlie“, meinte Megan hinter ihm und Colby drehte sich zu ihr um.

“Ich weiß nicht. Sollte ich um eine Versetzung bitten?“

Sie schüttelte den Kopf. “Glaub einer Profilerin, Colby. Das war keine Wut, das war blanke Panik.“ Sie nickte in die Richtung, in die Don verschwunden war.

“Wo ist er hin?“, fragte Colby.

Megan seufzte schwer. “Alan aufklären.“

***

Alan war nicht zu Hause, als Don dort um kurz nach acht eintraf, also rief er ihn an und erfuhr, dass er gemeinsam mit Amita zur CalSci gegangen war, um später in einer von Larrys Vorlesungen zu sitzen. Er fand die drei in Larrys Büro, das an Chaos dem von Charlie gleich kam.

Nun saß Alan auf Larrys Schreibtischstuhl, den Kopf in die Hände gestützt und starrte ins Leere, während Amita hinter ihm stand und eine Hand auf seine Schulter gelegt hatte. Larry sprach für alle drei: “Was bedeutet das für Charles?“

Don seufzte und lehnte ich an die geschlossene Bürotür, hinter der der Uni-Alltag begann. “Wir wissen, dass sie etwas bestimmtes von ihm wollen. Was auch immer es ist, es wird von Charlies … von seiner … Kooperation abhängen, was passiert.“ Er bemühte sich, nicht daran zu denken, dass er von seinem Bruder sprach. Nur so brachte er überhaupt ein Wort heraus. Amita biss sich auf die Unterlippe und schien sich zu zwingen, nicht zu weinen. Don konzentrierte sich auf seinen Vater, der noch kein Wort gesagt hatte, seit Don ihm die Lage erklärt hatte. “Dad …“ Alan sah zu ihm auf.

Er wirkte plötzlich zehn Jahre älter. “Sag mir, dass ihr eine Spur habt.“

Don steckte die Hände in die Hosentaschen. “Wir haben … Spuren.“

Aus Dons Zögern folgerte Larry: “Aber nicht genug.“ Amita wandte sich von den Männern ab und trat ans Fenster. Don sah, wie sie die Schultern hochzog und sich mit einer Hand über das Gesicht fuhr.

Dann starrte er Alan an, fühlte sich wie der Teenager, der Charlie beim Camping-Trip verloren hatte, und sagte: “Es tut mir leid.“

Alan schüttelte den Kopf. “Es ist nicht deine Schuld, Donnie.“

“Doch. Ich hätte stärkeren Druck bei Merrick machen müssen. Ich hätte dafür sorgen müssen, dass wir ein sicheres Haus für Charlie bekommen.“

“Was hätte das geändert?“, fragte Alan. “Du sagtest, dass Colby und David sich sicher waren, ihnen sei niemand gefolgt. Sie haben Charlie trotzdem gefunden. Also hätten sie auch ein sicheres Haus aufgespürt.“

Don zuckte ratlos mit den Schultern. “Ihnen muss gefolgt worden sein.“

Amita wandte sich plötzlich vom Fenster ab. “Was, wenn nicht?“ Don warf ihr einen interessierten Blick zu und sie fuhr fort: “Ein Hacker befindet sich in ihren Reihen. Ein Computer-Genie. Er kann sicher auch Satelliten anzapfen und Handys aufspüren. Ich meine …“ Sie lachte hilflos. “Das ist inzwischen Grundschule für Hacker.“

“Woher sollten sie Charlies Handynummer haben?“, fragte Don.

“Die Universität hat Kontaktadressen aller Dozenten und Assistenten in ihrer Datenbank. Und die Sicherheit ist gleich Null.“

Alan sah zu Don auf. “Ihr müsst ihn finden.“

“Glaub mir, Dad“, antwortete Don. “Das haben wir vor.“

***

Charlie war übel, seine linke Gesichtshälfte schmerzte und er hatte das Gefühl, sein Kopf müsste zerplatzen. Er schluckte hart, um der Übelkeit vorzubeugen und öffnete die Augen. Fahles Morgenlicht fiel durch ein Schmutzverkrustetes Fenster in den kleinen, unmöblierten Raum, in dem er auf dem Bauch auf einer dünnen Matratze lag. Neben seinem Lager stand eine Flasche Wasser und auf seinen Schultern spürte er das Gewicht einer dicken Wolldecke. Spinnweben hingen in den Ecken des Raumes und um die nackte Glühbirne, die an der Decke hing. Die Wände und die Decke waren aus Beton, der Boden gekachelt. Es war kalt. Charlie drehte sich auf die Seite und zog die Beine an den Körper und die Decke fester um die Schultern. Durch die geschlossene Metalltür und das Fenster hindurch konnte er nichts hören – er war also nicht mehr in der Stadt. Ein Schlüssel drehte sich im Schloss der Tür und Charlie machte die Augen zu. Jemand trat ein und ließ die Tür zufallen, ehe er auf Charlie zukam. “Professor?“

Charlie zwang sich, ruhig zu atmen und abzuwarten. Solange er bewusstlos war, mussten sie ihn in Ruhe lassen. Der Mann blieb neben seiner Matratze stehen und Charlie hörte Kleider rascheln. Etwas kaltes legte sich auf seine Wange und er zuckte erschrocken zurück. Sein Gegenüber fiel vor Schreck aus der Hocke nach hinten und während Charlie sich in die Ecke des Raumes presste, starrte der junge Mann ihn nervös und unsicher an. Dann streckte er die Hand aus und zeigte Charlie ein Handtuch. “Eis. Für Ihr Auge.“ Charlie hob automatisch eine Hand an seine schmerzende Wange und verzog das Gesicht, als er einen Schnitt knapp unter seinem Auge spürte. Der Junge ließ ein schüchternes Lächeln sehen und legte das Handtuch auf die Matratze. Charlie nahm das Eis zögerlich auf und drückte es auf seine Wange und das Auge, während er den Jungen vor sich beobachtete. Er konnte höchstens 25 sein. Seine ganze Körperhaltung verriet Anspannung und Nervosität, vielleicht sogar etwas Angst.

Ehe Charlie ihn nach seinem Namen fragen konnte, öffnete die Tür sich wieder und Connor Hill trat ein. “Kenny?“ Sein Blick fiel auf Charlie und er lächelte zufrieden. “Hallo, Professor Eppes. Wie schön.“ Er lehnte sich an den Türrahmen und wartete, bis Kenny aufgestanden und neben ihn getreten war. “Dann können wir ja jetzt über das Geschäft reden.“

***

Megan starrte nachdenklich auf die weiße Tafel im Konferenzraum, die Beine überschlagen und in einer Hand ihre Lesebrille. Sie kaute am Bügel, während sie konzentriert auf das weiße Nichts starrte. Wenn sie sich Mühe gab, konnte sie die Schatten von Formeln und Gleichungen darauf erkennen, weil jemand nicht gründlich genug über den Kunststoff gewischt hatte. Colby saß auf der anderen Seite des Konferenztisches, den Kopf in die Hände gestützt. Er war auffällig still, seit Charlie verschwunden war. Megan wusste nicht, was sie noch sagen konnte, um ihn zu beruhigen. Sie wusste, dass er sich entsetzliche Vorwürfe machte, weil Charlie verschwunden war – und auch, weil David im Krankenhaus lag und dort auch noch ein paar Tage bleiben musste, mit anschließender Physiotherapie, wie sich inzwischen herausgestellt hatte. Die Kugel hatte Sehnen und Muskeln in seiner Schulter beschädigt. Es würde dauern, bis er wieder eingesetzt werden konnte. Hailey las in Charlies Akte.

“Was will Hill mit einem Mathematiker?“, hatte Don gefragt, als er vor einer Viertelstunde angerufen und angekündigt hatte, dass er auf die Frage ein paar Antworten wollte, sobald er in der Zentrale eintraf.

Hailey klappte die Akte zu, verbannte die Stille. “Professor Eppes hat erstaunlich viel getan dafür, dass er so jung ist. Für die NSA, CIA, das FBI, akademisch …“

Megan nickte. “Ja, Hill könnte ihn für so gut wie alles gebrauchen.“

“Konzentrieren wir uns auf Banküberfälle“, meinte Hailey.

Megan drehte ihren Stuhl zu ihr und meinte: “Codes … oder er könnte die besten Fluchtwege errechnen, allerdings könnte Hill sich nicht sicher sein, dass Charlie ihn nicht hinter das Licht führt.“ Hailey nickte zustimmend, während Megan fortfuhr: “Er hat mit Charlie außerdem ein Druckmittel gegen uns, aber er hat nichts gegen Charlie in der Hand, um ihn zu irgendetwas zu zwingen. Ich würde es ihm sogar zutrauen, dass er Hill reinlegt. Wenn man Dons Erzählungen trauen kann, ist er verdammt stur.“ Don betrat den Raum eilig und warf seine Jacke über die Rückenlehne eines Stuhls.

Megan fiel auf, dass er einen großen Teil seiner Panik und Angst um seinen Bruder abgelegt hatte und fest entschlossen schien, den Fall professionell anzugehen. “Habt ihr was?“

“Charlie kann eine Unmenge an Dingen für Hill tun, Don. Warum glaubst du, dass uns eine Antwort auf diese Frage weiterbringt?“, wollte Megan wissen.

“Wenn wir wissen, was Hill vorhaben könnte, können wir uns besser vorbereiten. Will er eine weitere Bank ausrauben? Hat er vielleicht etwas völlig anderes geplant?“

Colby sprach das erste Mal, seit er in den Konferenzraum gerufen worden war: “Möglicherweise will er Brian Wilder.“ Der fest genommene Komplize von Connor lag noch immer im Krankenhaus. Seine Schussverletzung war schwerer, als die Ärzte anfangs gedacht hatten und er war noch einmal operiert worden. Zwei Agents passten rund um die Uhr auf ihn auf.

Don blickte Colby einen Moment lang an, als wäre er sich nicht sicher, ob er das glauben sollte. “Okay, aber warum Charlie? Warum nicht David oder Megan? Warum nicht ich? Er kann jeden als Verhandlungsbasis für Wilder einsetzen.“

“Er will ihn gegen Wilder austauschen und so lange er ihn in seiner Gewalt hat, soll Charlie etwas für ihn tun.“

“Aber was?“, fragte Don. Colby zuckte mit den Schultern.

Er zog Charlies Akte zu sich heran und schlug sie auf. “Ich glaube nicht, dass es noch um Banküberfälle geht. Das schafft er auch ohne Charlie.“

“Um Hacking kann es wohl auch kaum gehen. Dafür hat er Kenny“, meinte Linda weiter. Schweigen legte sich über den Raum.

Don glaubte, dass sie nur eine gedankliche Ecke von der Antwort entfernt waren. “Was kann Charlie, das Kenny nicht kann?“, fragte er.

Kapitel 12
Brute Force Masterlist

Icon created by mercilynn