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Brute Force 12/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 11
Brute Force Masterlist

***
***


12.


Charlie starrte Connor stumm an, während dieser Kenny mit einer Geste wegschickte und dann die Tür schloss. “Es ist ganz einfach“, meinte Connor und kam auf Charlie zu, die Hände in die Hosentaschen vergraben. Charlie presste den Rücken an die Wand und kam auf die Füße. Er war nie groß gewesen. Connor überragte ihn um einen Kopf, aber Charlie fühlte sich besser, als wenn er weiter auf dem Boden kauerte. Außerdem wollte er, dass Connor nicht glaubte, leichtes Spiel haben zu können. Der Verbrecher kam noch näher und blieb nur etwa einen Schritt von Charlie entfernt stehen, blickte hinunter in seine Augen. “Ich will Zugriff auf eine bestimmte Datenbank, die auf dem FBI-Server liegt.“

Charlie schüttelte den Kopf. “Unmöglich. Ich kenne die Passwörter zu den meisten dieser Informationen selbst nicht.“

“Auf die Infos, an die ich ran will, können Sie zugreifen, wenn Sie nur etwas Ihren Kopf anstrengen.“

“Welche Infos sollen das sein?“, fragte Charlie.

Connor lächelte. “Fürs erste reicht es, wenn Sie sich über unseren Laptop einloggen, Professor. Wir werden wesentlich mehr Zeit haben, wenn im FBI nicht die Hacker-Alarmglocken schrillen. Das letzte mal mussten wir unseren Standort wechseln. Wir sind nur knapp entwischt. Sie haben sowohl eine Nutzerkennung als auch ein Passwort, sodass niemandem etwas auffallen wird.“

Charlie ballte die Hände zu Fäusten und drückte sie gegen die kalte Betonwand hinter sich, spannte seinen ganzen Körper an, um das Zittern zu unterdrücken und hob trotzig die Augenbrauen. “Nein.“ Connor reagierte nicht sofort. Er ließ Charlies Verweigerung zwischen ihnen hängen und wartete, bis Charlie sich beinahe wieder etwas entspannt hatte. Dann schlug er ihm in den Magen und während der junge Mann noch versuchte, wieder zu Atem zu kommen, ergriff er eine Faust von Charlies dunklen Haaren und zwang ihn, ihm in die Augen zu sehen. Charlie verzog vor Schmerz das Gesicht und legte schützend eine Hand auf seinen Bauch. Connor lächelte und hob die andere Hand an Charlies Kopf, drückte eine Waffe an Charlies Schläfe. Charlie zwang sich zu einem Lächeln. “Sie können mich nicht erschießen.“

“Nein“, bestätigte Connor. Er ließ die Waffe sinken. Als sich ein Schuss löste, dachte Charlie erst, es sei ein Versehen gewesen, aber Connor wirkte weder überrascht noch erschrocken. Charlies rechtes Bein knickte ein und Connor ließ ihn los, sodass er zu Boden sank. Er bemerkte den Schmerz erst, als er das Blut aus seinem Oberschenkel in seine Jeans sickern sah. Er wimmerte, sein Blick verschwamm und das letzte, was er hörte, war Connor, der in kühlem Ton sagte: “Ups.“

***

Merrick tippte mit dem Kugelschreiber auf seine Schreibtischplatte, während er Don und Megan musterte, die ihm gegenüber saßen. Seine braun-grauen Haare lagen wie immer perfekt und seine stechenden Augen schienen jedes Zögern, jedes Anzeichen von Nervosität zu sehen.

“Mir gefällt das nicht“, meinte Dons Vorgesetzter schließlich und Don nickte verstehend, versuchte, seine Ungeduld über die Unterbrechung der Ermittlungen zu unterdrücken.

“Ich weiß. Aber ich garantiere Ihnen, dass ich meine Subjektivität an diesem Fall nicht verlieren werde.“

Merrick hob die Augenbrauen. “Ihr kleiner Bruder ist in der Gewalt einer brutalen Verbrecher-Bande und Sie wollen mir erzählen, dass Sie das nicht persönlich nehmen?“

“Bei allem Respekt“, antwortete Don leise, “Sie haben keine persönliche Bindung zu diesem Fall und dennoch lag ich richtig, als ich darum gebeten habe, Charlie einen besseren Schutz zu gewähren.“

“Sie können mir glauben, dass ich die Situation nicht auf die leichte Schulter nehme, Agent. Professor Eppes hat sich besonders in den letzten Monaten als wertvoller Mitarbeiter erwiesen. Aber wenn das, was Agent Granger annimmt, der Wahrheit entspricht und Hill vorhat, Professor Eppes gegen Wilder einzutauschen, dann muss ich leider Nein sagen.“

Don ballte ungeduldig eine seiner Hände zur Faust. “Ich weiß. Es geht mir nur darum, weiterhin die Leitung über den Fall zu behalten.“

Merrick lehnte sich in seinem Sessel zurück und musterte Don nachdenklich, dann blickte er zu Megan. “Da Sinclair im Moment außer Gefecht ist, will ich, dass Sie die Leitung übernehmen, sobald Sie das Gefühl haben, dass Agent Eppes sich zu sehr von seinen persönlichen Gefühlen leiten lässt.“ Megan nickte, während Don erleichtert die Augen schloss. Merrick richtete seinen strengen Blick auf Don und fuhr fort: “Ich gebe Ihnen eine Chance, Eppes, weil ich Sie für einen hervorragenden Teamleiter und Agent halte. Beweisen Sie es mir.“

***

Charlie klammerte sich an das Gitter, das vor dem schmalen Fenster seines Gefängnisses angebracht war und zog sich daran nach oben. Er verzog das Gesicht, als sein verletztes Bein gegen die Mauer kam und warf dann einen Blick nach draußen. Durch die schmutzige Scheibe konnte er einen Firmenparkplatz sehen, dann kam ein hoher Zaun und dahinter lagen weitere Fabriken, Depots und Fuhrparks. Ein Industriegebiet. Das bedeutete Menschen. Nur leider konnte Charlie niemanden sehen. Charlie nahm an, dass er sich auf einem verlassenen Industriegelände befand, denn ein Maschendrahtzaun umgab das Gelände. Er war löchrig, aber Warnschilder verkündeten noch immer, dass Unberechtigte mit Strafen zu rechnen hätten, wenn sie das Gelände betraten. Die nächsten Gebäude waren ein gutes Stück entfernt und Charlie nahm an, dass sie sich am äußersten Rand des Viertels befanden. Klar, man würde sich nicht mit einer Bande Verbrecher mitten unter Menschen niederlassen.

Das Gitter war locker und als Charlie sich auf Zehenspitzen stellte und daran rüttelte, lösten sich die tief in der Mauer sitzenden Schrauben weiter. Wahrscheinlich vollkommen verrostet. Das Fenster war zwar klein, aber Charlie nahm an, dass er hindurch passen könnte.

Er musste nur das Gitter lösen. Was leichter gesagt war als getan. Er war mit einem notdürftigen Verband um sein Bein wieder aufgewacht. Ihn zu töten, schien nicht Connors Absicht zu sein – zumindest jetzt noch nicht. Charlie hatte keine Ahnung, ob er als Druckmittel eingesetzt werden würde. Er wusste nur, dass er Connor unmöglich Zugang zum FBI-Rechner geben konnte. Connors Nachteil war, dass er nichts gegen Charlie in der Hand hatte. Momentan schien er noch zu glauben, Charlie durch Schmerzen brechen zu können, aber wenn er Don gefragt hätte, dann hätte der über diese Idee nur gelacht. Charlie war Jahre lang von älteren Schülern verprügelt worden, weil sie wollten, dass er ihre Hausaufgaben machte. Er hatte nie nachgegeben. Und obwohl das kaum mit seiner jetzigen Situation zu vergleichen war, für einen 10-Jährigen war das eine große Sache gewesen. Außerdem hatte er niemals seine Loyalität gebrochen – weder seinen Freunden noch den Behörden gegenüber, für die er arbeitete.

Er würde jetzt nicht damit anfangen. Und wer wusste schon, ob nicht vielleicht sogar Menschenleben davon abhingen, dass er sich Connor widersetzte. Charlie zog seine Jacke aus und band sie mit den Ärmeln um das Gitter. Er hängte sich einen Moment an die Jacke, um sich zu gehen, dass der Knoten hielt, dann grub er seine Hände in den Stoff und stemmte sich mit den Beinen gegen die Mauer. Er biss die Zähne zusammen, als sein verletztes Bein protestierte und zog stärker. Das Gitter löste sich etwas weiter aus seiner Verankerung. Charlie atmete kurz durch, ehe er es weiter versuchte. Es kam ihm wie Stunden vor, aber es konnten nur Minuten gewesen sein, ehe das Gitter aus der Wand brach und Charlie überrascht zurück stolperte und fiel. Das Gitter schlug auf dem Boden auf. Charlie verzog das Gesicht, als es laut klappernd zum Liegen kam und hielt die Luft an. Nichts rührte sich. Die Tür öffnete sich nicht. Charlie seufzte erleichtert, dann kam er wieder auf die Beine und humpelte zum Fenster zurück.

Er stieß es auf und sprang dann solange hoch, bis er das Sims auf der anderen Seite des Fensters fassen konnte. Er zog sich mühsam daran hoch, lächelte triumphierend, als er sich gerade so durch die Öffnung zwängen konnte und fiel auf den nassen Asphalt des Parkplatzes jenseits des Fensters. Er blieb einige Sekunden atemlos liegen. “Mehr Sport“, murmelte er. “Ich treibe mehr Sport.“ Mit diesem Vorsatz richtete er sich auf – und starrte direkt in Steves Augen. Der andere Mann – einige Meter entfernt von ihm – schien überrascht zu sein, ihn zu sehen, und Charlie nutzte diese Chance. Er kam so schnell wie möglich auf die Füße und rannte los. Er wusste nicht, wohin er genau lief, aber er dachte sich, dass er sich darüber später Gedanken machen könnte.

“Hey!“, hörte er Steve rufen. Charlie stolperte, als sein verletztes Bein weg knickte und schlug auf dem Boden auf. Er schrammte sich die Handflächen auf, fluchte und kam wieder auf die Beine. Ein großes Loch im Zaun bot sich an und Charlie rannte darauf zu. Es schien so weit weg zu sein. Und er konnte weder Autos noch Menschen jenseits des Zaunes sehen. Wo waren alle? Sollten Industriegebiete nicht vor Leben brummen? Dann fiel ihm ein, dass Sonntag war. Sonntags waren in der Regel weniger Menschen in Industriegebieten zu finden. Erst recht am Rand eines solchen Gebiets, wo er sich scheinbar befand. Hier waren meist nur kleine Firmen postiert, die noch Produktionsfreie Tage kannten. Aber irgendwo musste jemand sein.

Steves Schritte kamen näher und Charlie wusste, dass er durch seine Verletzung nicht schnell genug sein würde. Er rannte dennoch weiter. Auch, als Stevens Hand knapp seinen Arm verfehlte. Seine Lungen brannten … und plötzlich konnte er in der Entfernung einen Truck sehen, der in ein Gelände einbog. Menschen! Charlie hatte keine Möglichkeit, sich über diese Erkenntnis zu freuen, denn Steves Körper warf sich in seinen Rücken und er fiel. Die beiden Männer überschlugen sich und Charlie hörte Steve vor Schmerz aufschreien. Dann packte der andere Mann seinen Kragen und zerrte Charlie hoch. “Kleiner Bastard!“, zischte Steve und verpasste ihm einen Schlag ins Gesicht, der Charlie zurück zu Boden fallen ließ, dann einen Tritt in die Rippen. Charlie blieb hustend und keuchend liegen. Steve packte ihn erneut am Kragen und zog ihn auf die Beine, dann zerrte er ihn mit zurück zum Gebäude. Charlie taumelte neben ihm her und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Steve ging es nicht besser. “Ich schwöre, wenn du das noch einmal machst, bringe ich dich um“, keuchte er. Charlie hustete. Die kalte Luft schnitt ihm in die Lungen und er stolperte. Steve zerrte ihn erbarmungslos weiter, bis sie die Lagerhalle erreichten, die das Quartier der Räuber bildete. Steve öffnete eine Seitentür und zog Charlie mit sich hinein. Die Tür fiel automatisch hinter ihnen ins Schloss. Steve stieß Charlie von sich und er landete auf dem kalten Betonboden.

“Was zum Teufel …?“, entfuhr es Connor und Charlie blieb reglos legen, froh, einfach nur durchatmen zu können.

“Er ist ausgebrochen. Wenn ich nicht raus gegangen wäre, um frische Luft zu schnappen, wäre er weg gewesen.“

Charlie blickte nun auf, sah Kenny auf einer abgewetzten Ledercouch sitzen, vor der ein Fernseher lief, und zu ihnen hinüber blicken Connor war scheinbar gerade von derselben Couch aufgestanden und starrte Charlie ungläubig an. “Wie hat er das gemacht?“, fragte er.

“Würde ich auch gerne wissen“, antwortete Steve. “Das scheiß Fenster war vergittert.“

Connor wandte sich an den Jungen. “Kenny, geh nachsehen.“ Dann drehte er sich wieder zu Charlie um und kam auf ihn zu. “Ich muss zugeben, Sie haben mich wirklich überrascht.“ Charlie schwieg trotzig und starrte Connor nur böse an.

Durch die offene Tür zu Charlies Zelle rief Kenny: “Er hat das Gitter raus gebrochen!“ Er kam zurück in die Halle. “Die Schrauben sind verrostet.“

“Steve, kümmere dich drum“, sagte Connor und Charlie sah den Mann an sich vorbeigehen. Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Connor, als dieser vor ihm in die Hocke ging. “Wo Sie schon mal hier sind …“, meinte er und zog Charlie am Arm vom Boden hoch. Er stieß ihn in die Richtung eines Tisches mit zwei Klappstühlen davor. “Hinsetzen.“ Charlie gehorchte, weil die Schmerzen in seinem Bein ihn umbrachten. Connor klappte den Laptop auf, der vor Charlie auf dem Tisch stand und als dieser sich aus dem Stand By-Modus hochfuhr, stützte er beiläufig eine Hand auf dem Tisch neben dem Gerät auf. Darin hielt er seine Waffe. Charlie blickte auf die ihm bekannte Login-Seite für Personal des FBIs. Er bewegte sich nicht. “Was ist los, Professor? Passwort vergessen?“, fragte Connor spöttisch.

Charlie schüttelte den Kopf. “Ich mache das nicht.“ Connor ließ ein leidendes Seufzen hören. Er legte die Hand mit der Waffe auf Charlies Schulter, sodass der Lauf der Pistole auf Charlies gesundes Bein zielte. Charlie schloss die Augen und unterdrückte eine Panikattacke. “Mein Bruder wird mich finden.“

“Niemand kann Sie finden, Professor. Niemand weiß, wo Sie stecken.“ Ein Handy klingelte. Connor schien einen Moment zu brauchen, bis er registrierte, dass es sein eigenes war. Charlie sah nicht, was er tat, da er hinter ihm stand, aber scheinbar warf er einen Blick auf die Caller-ID, denn er murmelte: “Verdammt. Langsam geht der mir echt auf die Nerven.“ Steve kehrte gerade aus Charlies Zelle zurück, einen Bohrer in der Hand. Kenny saß wieder auf der Couch und beobachtete die beiden älteren Männer. Charlie fand, dass er noch immer sehr nervös und unsicher wirkte. “Steve, bring den Professor zurück in seine Zelle.“ Steve nickte und kam auf sie zu. “Und dieses mal“, fügte Connor hinzu, “bind ihn fest.“

***

Steve hatte ein Brett vor dem Fenster angeschraubt. Die Glühbirne spendete nur wenig Licht und Charlie konnte nicht anders, als die dunklen Ecken des Raumes im Blick zu behalten. Er seufzte und lehnte den Kopf an die Mauer hinter sich. Connor wurde scheinbar seinerseits von irgendjemandem unter Druck gesetzt. Die Frage war nur, von wem und mit was? Charlie zog an den Handschellen, die seine rechte Hand an ein altes Heizungsrohr hinter ihm fesselten. Er konnte sich zwar noch hinlegen, aber von seiner Matratze konnte er sich nicht mehr wegbewegen. Die Tür öffnete sich und Connor trat ein. “Dank Ihrer Sturheit“, meinte er und kam auf Charlie zu, “habe ich nun Schwierigkeiten mit einem Kunden.“ Charlie bemerkte, dass Connor die Flasche Chloroform und ein Tuch in der Hand hielt.

“Sie verkaufen Informationen aus der FBI-Datenbank?“, fragte Charlie und Connor hob die Augenbrauen, als wäre das selbstverständlich.

“Es gibt Daten, für die einige Menschen eine Menge Geld bezahlen würden. Ich nutze lediglich eine Marktlücke.“ Er trat auf Charlie zu. “Wir müssen uns jetzt mit meinem Kunden treffen und ein paar Wogen glätten. Anschließend werde ich einen Anruf erledigen. Wir sind in etwa einer Stunde wieder da. Da Sie sich aber als sehr unkooperativ erwiesen haben, werde ich Sicherheitsvorkehrungen treffen, die dafür sorgen, dass Sie noch da sind, wenn wir zurückkommen.“ Er hielt die Flasche hoch und Charlie drückte sich unbewusst an die Wand.

Er zwang sich zu einem spöttischen Lächeln. “Was? Keine Wache?“

Connor ging neben ihm in die Hocke. “Natürlich lasse ich Steve hier. Ich mache ihm die Sache nur einfacher.“ Er schraubte die Falsche auf und tränkte das Tuch mit dem Betäubungsmittel. “Wenn wir wieder kommen, reden wir noch einmal über Ihre Aufgabe hier.“ Die Art, wie er es sagte, jagte Charlie einen Schauer über den Rücken. Connor lächelte. “Tief einatmen, Professor.“

***

Colby Granger hatte sich nur selten so mies in seinem Leben gefühlt. Das letzte Mal in Afghanistan. Der Gedanke, dass er verantwortlich für alles war, was Charlie zustoßen würde und was David passiert war, ließ ihn nicht los. Auch nicht, als er David hellwach in seinem Bett im Krankenhaus liegen sah.

“Hey“, grüßte er erfreut, “Besuch! Das ist nett.“

Colby setzte sich auf den Stuhl, der neben Davids Bett stand und zwang sich zu einem antwortenden Lächeln. “Ja. Ich soll dir von Alan ausrichten, dass er später vorbei kommen will. Und ich soll von Don und Megan grüßen. Sie wollen auch noch vorbei kommen, nur ist momentan viel los.“

Davids Blick verfinsterte sich. “Ihr habt Charlie also noch nicht gefunden?“, fragte er.

Colby schüttelte den Kopf. “Megan und Don überprüfen, ob die Namen der Verdächtigen irgendwo auftauchen oder ob sie eine Kreditkarte benutzt haben. Nichts bisher.“

“Das ist übel“, meinte David und versuchte, sich etwas aufrechter hinzusetzen.

Er verzog das Gesicht, als er seine Schulter dadurch belastete und Colby stand rasch auf, um ihm zu helfen. “Wie geht’s dir, Mann?“, fragte er.

David zuckte mit seiner gesunden Schulter. “Der Arzt sagt, ich werde wieder. Braucht nur seine Zeit. Ich schätze, es hätte schlimmer kommen können.“ Er ließ ein Lächeln sehen. “Vielleicht nutze ich die Gelegenheit und besuche Brian Wilder ein Stockwerk unter mir.“

“Ich war gerade bei ihm“, antwortete Colby kopfschüttelnd. “Schweigt wie ein Grab über Hills Pläne. Aber er weiß etwas. Wir fürchten, dass Hill was größeres als Banküberfälle plant.“

“Etwas, wofür er Charlie braucht?“, fragte David.

Colby zuckte mit den Schultern. “Das hieße zumindest, dass er ihn am Leben lassen muss“, antwortete er dann. David nickte, als Colby fortfuhr: “Das beste wäre es natürlich gewesen, wenn er ihn erst gar nicht hätte schnappen können.“

Er starrte zu Boden und David runzelte besorgt die Stirn. “Colby?“

Sein Partner stand auf und wandte sich ab, rieb sich frustriert die Stirn, ehe er sich wieder zu David umwandte. “Ich hätte nicht gehen sollen.“

“Das ist doch Unsinn“, antwortete David.

“Nein. Ist es nicht.“

David seufzte. “Colby, du hättest wahrscheinlich nicht das geringste an der Situation ändern können. Die Typen wussten, was sie taten. Wahrscheinlich haben sie uns beobachtet. Völlig egal, wer von uns beiden das Zimmer verlassen hätte, völlig egal, wann … sie haben diesen Moment abgepasst.“

Colby stemmte die Hände in die Hüften. “Ja. Deshalb hätte ich nicht gehen dürfen.“

“Colby -“

“Don denkt genau so.“

David runzelte die Stirn. “Don ist ein verdammt guter Agent, Colby, aber er handelt irrational, sobald es um seine Familie geht. Besonders, wenn es seinen Bruder betrifft. Er ist wahrscheinlich sauer auf dich, aber mindestens ebenso wütend auf sich selbst.“ Colby sah nicht so aus, als hätte David es geschafft, ihn zu beruhigen, also meinte er: “Ich habe auch schon Mist gebaut, was Charlie betrifft, und Don hat mich runter geputzt. Glaub mir, ich dachte auch schon, dass es das gewesen ist, aber er hat sich beruhigt. Er hat dich geschickt, um mit Wilder zu sprechen, oder?“ Colby nickte langsam. “Siehst du? Problem gelöst. Er ist vielleicht noch sauer, aber er weiß, dass Hill wahrscheinlich nur auf einen Moment gewartet hat, in dem einer von uns allein mit Charlie ist. Wahrscheinlich hätten sie auch zugeschlagen, wenn einer von uns unter Dusche gestanden hätte. Wir haben niemanden bemerkt, der uns gefolgt ist. Uns ist niemand am Motel aufgefallen. Wir haben getan, was wir konnten.“

“Das ändert nichts an der Tatsche, dass die Charlie haben“, antwortete Colby. David merkte, dass er seinen Kollegen nicht umstimmen konnte.

Er seufzte schwer und bestätigte: “Nein.“

***

Amita fühlte sich in der FBI-Zentrale ohne Charlie recht unwohl. Sie war nie alleine hier gewesen. Und nie unangemeldet. Sie verschränkte die Arme und ergriff mit der linken Hand den Gurt ihrer Tasche, die schwer über ihrer Schulter hing. Dons Schreibtisch war übersät mit Akten, Listen und Aufzeichnungen. Sein Computer war in den Stand By-Modus gesprungen, was darauf hindeutete, dass er schon eine ganze Weile weg sein musste. Amita warf wieder einen vorsichtigen Blick in die aufgeschlagenen Akten auf dem Schreibtisch, wusste nicht, ob sie überhaupt befugt war, sie sich näher anzusehen. Eigentlich wollte sie Don nur nach Fortschritten fragen, ihre Hilfe anbieten … ihre Augen fingen Charlies Namen ein und Amita sah sich um, trat näher an den Schreibtisch heran und schob mit der Hand eine Akte über einen Mann namens Brian Wilder zur Seite. Darunter lag Charlies Personalakte des FBI. Amita musste zugeben, sie wusste nicht viel über Charlie. Sie kannten sich seit Jahren, aber in der ersten Zeit war ihre Beziehung rein akademischer Art gewesen.

Eine Studentin und ihr Professor. Erst, als Amita Charlie als ihren Doktorvater zugeteilt bekommen hatte, waren sie sich näher gekommen. Schließlich war sie seine studentische Mitarbeiterin geworden. Seitdem kannte sie auch Alan und Larry. Sie verbrachte Stunden mit Charlie in seinem Büro bei Recherchen, Berechnungen und mit Vorbereitungen für seine Kurs. Sie sprachen über Privates, aber nie sehr viel. Meistens ging es doch um Mathematik. Weil sie beide die Zahlen liebten. Die Möglichkeiten, die sie eröffneten. Dass sie mehr als Freundschaft füreinander empfanden, wussten sie beide. Aber erst standen ihnen die Regeln im Weg, solange Amita ihre Arbeit nicht eingereicht hatte. Und jetzt standen sie sich selbst im Weg.

Amita ließ ihren Blick neugierig über Charlies Akte schweifen. Und plötzlich hatte sie das merkwürdige Gefühl, etwas zu übersehen. Sie runzelte die Stirn, las noch einmal konzentrierter – Daten, Fakten, Errungenschaften und bisherige Tätigkeiten für das FBI. Sie übersah etwas, ganz sicher. Amita ließ ihre Tasche zu Boden gleiten und setzte sich in Dons Stuhl. Es war nur eine Ahnung – wie sie sie hatte, wenn ihre Gleichungen an einem kleinen Punkt nicht stimmten. Sie konnte nicht mal sagen, ob es etwas mit Charlies Entführung zu tun hatte, aber … sie blätterte durch Kopien von Mitarbeiterbewertungen, die Charlies Arbeit lobten und schüttelte den Kopf, nahm sich wieder die ersten beiden Blätter der Akte mit Charlies Lebenslauf vor.

“Amita.“

Sie schreckte hoch und sah Don und Megan neben sich stehen – beide müde und überarbeitet.

“Entschuldige, dass du warten musstest.“

Sie lächelte schwach. “Ist schon okay. Ihr habt viel zu tun.“ Sie fühlte sich schuldig, als Don sie mit ihrer Hand auf Charlies Akte sah und nahm sie in den Schoß, verschränkte die Finger miteinander.

“Wolltest du was bestimmtes?“, fragte Don.

“Wissen, wie ihr vorankommt.“

Don blickte zu Boden und Megan ließ ein Seufzen hören. “Gar nicht.“ Colby hatte angerufen. Brian Wilder war noch immer nicht bereit, zu sprechen und sein Zustand hinderte den Agent daran, mehr Druck auszuüben. Wenigstens war David auf dem Weg der Besserung.

“Wenn ihr Hilfe braucht … mathematisch, meine ich …“, fuhr Amita fort, aber Don schüttelte den Kopf.

“Ich wüsste nicht, wie, Amita. Wir haben keine Daten, die auf das Versteck der Bande hindeuten. Charlie hat sich schon daran versuch, nachdem die ersten Überfälle statt fanden, sagte aber, es sei leichter, den wahrscheinlichen Ort des nächsten Überfalls zu bestimmen als das Versteck der Typen zu finden.“

Amita stand auf und nahm ihre Tasche hoch. “Okay“, sagte sie etwas enttäuscht. Sie wollte nicht gehen, aber sie konnte Don und Megan auch nicht im Wege stehen. “Sagt ihr mir Bescheid, wenn ich helfen kann?“

Don nickte. “Ich habe deine Handynummer.“

Amita ließ ein ermutigendes Lächeln sehen. “Ihr findet ihn.“ Damit warf sie einen letzten Blick auf Charlies Akte und ging. Don ließ sich in seinen Stuhl sinken. Megan verschränkte die Arme und sah Amita nach. Dann fiel ihr Blick wieder auf Don. Er wirkte erschöpft und gestresst. Megan wollte sich gar nicht vorstellen, unter was für einem Druck er stand. Alan rief häufig an, um nach Fortschritten zu fragen und Amita war wahrscheinlich nicht nur für sich selbst gekommen, sondern auch für Larry. Aber den größten Druck übte Don auf sich aus. Megan konnte die Profilerin in ihr nicht abschalten und sie konnte sehen, dass Don mit aller Kraft darum rang, nicht die Kontrolle über den Fall zu verlieren. Also fraß er seine Angst in sich hinein. Und dennoch schaffte er es, zu funktionieren. Sie wusste, dass sie es wahrscheinlich nicht so gut wie er wegstecken würde, wenn einer ihrer Brüder in Hills Händen wäre. Don rieb sich erschöpft das Gesicht. Sein Telefon klingelte und Megan lehnte sich an die halbhohe Wand, die um seinen Arbeitsbereich stand.

Don hob ab. “Eppes?“ Megan senkte den Blick und schloss müde die Augen. Erneut ging sie die möglichen Gründe durch, aus denen Hill Charlie entführen könnte. Es war Dons Hand, die nach ihrem Arm griff, der sie aus ihren Gedanken riss. Er presste das Telefon an sein Ohr. “Connor, sind Sie das?“ Megan wandte sich um und eilte zu ihrem Arbeitsplatz.

Sie griff zum Telefon und rief in der Technikabteilung an. “Wir brauchen sofort eine Rückverfolgung des Anrufes, der im Augenblick auf Agent Eppes Anschluss eingeht“, sagte sie, ehe der Mann am anderen der Leitung Gelegenheit hatte, sich ordnungsgemäß zu melden.

Don lehnte sich mit den Unterarmen auf seinen Schreibtisch und fragte: “Wo ist Charlie?“

Hill klang selbstzufrieden, während er antwortete: “In Sicherheit. Kommen Sie, Agent, Sie werden inzwischen doch zumindest schon die Theorie gehabt haben, dass ich mir die Fähigkeiten Ihres Bruders zu Nutzen machen will. Da werde ich ihn doch nicht umbringen.“ Er lachte. “Allerdings ist er verdammt stur und benötigt etwas Überredung.“ Don ballte seine freie Hand zur Faust und ließ Megan über seine Schulter hinweg auf die Lautsprecherfunktion seines Apparates drücken.

“Nur ein Kratzer, Connor, und ich bringe Sie um.“

Hill seufzte. “Das ist reichlich klischeehaft, denken Sie nicht?“

Megan legte eine beruhigende Hand auf Dons Schulter und er wusste, dass es nichts brachte, am Telefon mit Hill zu streiten, also fragte er: “Was wollen Sie?“

“Ich denke, das wissen Sie“, antwortete Hill.

Megan presste den Hörer ihres Telefons ans Ohr, fragte leise: “Habt ihr sie?“

Der Techniker am anderen Ende murmelte: “Moment, Moment.“

Hill fuhr fort: “Brian Wilder.“

Don schüttelte den Kopf. “Sie wissen, ich kann das nicht tun.“

“Es ist ganz einfach, Don. Brian gegen Ihren Bruder. Ich könnte Charlie gehen lassen, sobald er alles für mich erledigt hat, aber ich kann auch meine Waffe nehmen, sie auf seinen Kopf richten und abdrücken.“

Megan hörte den Techniker einen kurzen, leisen Triumphschrei ausstoßen, ehe er sagte: “El Molina Avenue. Nahe dem Pasadena Playhouse-Kino.“

“Danke“, antwortete Megan. Sie legte auf und tippte Don auf die Schulter, nickte ihm zu, ehe sie wieder zu ihrem Telefon griff und dafür sorgte, dass sich sofort ein Team auf den Weg zu Hill machte.

Don schüttelte den Kopf, versuchte, Hill hinzuhalten, versuchte, ein Lebenszeichen von seinem Bruder zu bekommen: “Woher weiß ich, dass Sie Charlie nicht längst getötet haben?“

Hill seufzte beinahe enttäuscht. “Sie müssen mir wohl einfach vertrauen. Ich melde mich.“ Er legte auf.

Don knallte den Hörer auf den Apparat. “Verdammt.“

“Sie haben ihn. El Molina Avenue, Pasadena.“

Don stand auf, nahm seine Jacke vom Stuhl. “Wenigstens etwas.“

“Ein Team ist schon unterwegs. Aber die El Molina ist quasi auf der anderen Seite der Stadt“, fuhr Megan fort.

Don hielt in seinen Bewegungen inne. “El Molina, sagst du?“, fragte er. Megan nickte. Don zog seine Handy aus der Tasche und rief eine eingespeicherte Nummer auf, ehe er zum Aufzug eilte, Megan auf seinen Fersen, die eilig versuchte, im Laufen ihren Mantel anzuziehen. “Das Krankenhaus ist dort in der Nähe“, sagte Don. Am anderen Ende wurde abgehoben und Don sagte: “Colby. Sie sind in der El Molina Avenue. Bist du noch am Krankenhaus?“

***

“Alles klar, Don“, antwortete Colby und legte auf. “El Molina“, murmelte er, erinnerte sich, dass dort ein Kino damit warb, das größte der Stadt zu sein und startete seinen Wagen. Er war froh, dass er bereits auf dem Parkplatz gewesen war, als Don anrief. So ging ihm nicht so viel Zeit verloren, während er zum Auto eilte. Er nahm einem Wagen die Vorfahrt, als er den Parkplatz verließ, und antwortete auf das wütende Hupen mit Blaulicht. Er würde da sein, ehe das FBI dort eintraf. Die El Molina lag nur etwa 15 Minuten vom Krankenhaus entfernt – bei normalem Tempo und vielen roten Ampeln. Das FBI war fast auf der anderen Seite der Stadt. Er würde es dieses Mal nicht falsch machen und er kannte sich in diesem Teil der Stadt trotz seines kürzlichen Umzugs gut aus. Er war mit einem Freund öfter hier gewesen, der schon länger in L.A. lebte und ihm ein paar Bars hier gezeigt hatte.

Er konnte einfach nicht glauben, dass die Täter sich die ganze Zeit mitten in der Stadt versteckt gehalten hatten. Colby erreichte den California Boulevard, überholt in rasantem Tempo einen Wagen nach dem anderen und bog mit quietschen Reifen auf die Fair Oaks Avenue ein, ehe er auf den Colorado Boulevard fuhr.

Es war nicht mehr weit, er konnte die Einfahrt zur El Molina schon sehen und schaltete zur Sicherheit das Blaulicht aus, um die Bande nicht auf sich aufmerksam zu machen. Er trat auf die Bremse und wurde langsamer, passte sich dem gemächlichen Tempo des Innenstadtverkehrs an. Er fuhr langsamer, um nach dem weißen Van Ausschau zu halten, den die Täter während der Überfälle benutzt hatten. Er nahm auch die Fußgänger unter die Lupe, suchte nach dem Gesicht von Hill oder einem seiner Komplizen. Er hätte sich die Mühe nicht machen müssen. Ein weißer Van kam von der El Molina auf den Colorado Boulevard und fuhr auf der anderen Straßenseite an ihm vorbei - und am Steuer saß Hill. Colby wartete noch einen Moment, dann wendete er plötzlich seinen Wagen ohne Rücksicht auf Verluste und schaltete das Baulicht und die Sirene ein. Er ignorierte die hupenden Autos und neugierigen Passanten und konzentrierte sich stattdessen auf den weißen Van, der plötzlich an Fahrt aufnahm.

Colby trat aufs Gas, überholte den Wagen vor ihm und suchte Dons Nummer in der Freisprechanlage aus seinem Kurzwahlspeicher.

“Und?“, fragte Don.

“Ich habe sie“, antwortete Colby. “Ich verfolge sie auf dem Colorado Boulevard Richtung …“ Colby nahm sich einen Moment Zeit sich zu orientieren, überholte in einem halsbrecherischen Manöver einen Motorradfahrer und fuhr dann fort: “Richtung Angeles National Forest.“

“Bleib dran“, antwortete Don und Colby nickte grimmig. Der Van fuhr über rot und hätte beinahe einen Unfall mit einem Jeep gebaut. Colby folgte ihm über die Kreuzung auf die Lake Avenue und fragte sich, wo die Verstärkung blieb, betete, dass ihm kein Fußgänger vor den Wagen lief. Um diese Zeit war viel in diesem Teil der Stadt los. Das Wochenende sorgten für reichlich Frequenz in den umliegenden Malls, Video-Arkaden und Kinos – auch auf den Bürgersteigen. Und die Bürger von L.A. waren manchmal weniger achtsam, als gut für sie war. Der Van fuhr auf den Foothill Freeway, dann den Angeles Crest Highway auf und Colby war erleichtert, dass jetzt zumindest keine Fußgänger mehr in akuter Gefahr waren. Er fuhr schneller, fädelte sich durch den Nachmittagsverkehr und sah den Van nach ein paar Minuten in letzter Sekunde eine Ausfahrt nehmen. Er folgte ihm und schaffte es, etwas Boden zwischen ihnen gut zu machen. Nun war kein Fahrzeug mehr zwischen ihnen.

“Habt ihr mich?“, fragte er.

“Wir haben deine GPS-Daten“, antwortete Don. “Wir brauchen noch einen Moment, um zu euch aufzuschließen.“

“Definiere einen Moment“, antwortete Colby angespannt und bog hinter dem Van auf eine Waldstraße ab. Der Wald galt als Erholungsgebiet für die Menschen der Umgebung und bot Badeseen und Wanderwege, die bis in die nahen Berge hinauf führten. Colby konnte sich nicht vorstellen, dass die Bande sich hier irgendwo ein Quartier erschaffen hatte und nahm daher an, dass sie planlos durch die Gegend fuhren, um ihn loszuwerden.

“Wir müssen nur noch du …“ Die Freisprechanlage verstummte.

“Don?“, fragte Colby. Ein Blick auf sein Handy verriet ihm, dass er keinen Empfang mehr hatte. “Verdammt.“ Er achtete kaum auf die Bäume, die wie eine einzige braun-grüne Masse an ihm vorbei zischten, während er dem Van folgte. Der bog auf einen kleinen Waldweg ab und Colby folgte ihm. Doch plötzlich bremste der Wagen vor ihm. Colby trat erschrocken ebenfalls auf die Bremse, wich aus und verlor die Kontrolle über den Wagen. Er sah einen Baum auf sich zukommen und riss das Lenkrad herum. Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

Kapitel 13
Brute Force Masterlist

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