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Weinende Erde 10/17

Serie: Mosaik
Worte: 41.067
Inhalt: Coedwig Street war lange Zeit eine friedliche Nachbarschaft, doch seit neuestem treibt sich dort ein geheimnisvolles Wesen herum, das die Anwohner verschreckt und Torchwood auf den Plan ruft. Das Team ahnt nicht, dass es sich mit einer Kraft anlegt, die älter als der Planet selbst ist … und gefährliche Verbündete hat. Und während Gwen mit Beziehungsproblemen kämpft und Ianto mit der Tatsache, dass er sich zu Jack hingezogen fühlt, scheinen die Feen noch eine Rechnung mit dem Captain offen zu haben.
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Gwen Cooper, Toshiko Sato, Owen Harper, Rhys Williams, die Feen, Andy Davidson, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys
Rating: PG-13
Spoiler: Wie alles begann, Die Geistermaschine, Aus dunkler Vorzeit, Offenbarungen, Charaktere aus Kinder der Erde (Iantos Familie) / Romane: Slow Decay / Doctor Who: Andeutungen auf The end of the World und The Sound of Drums, sowie The Last of the Time Lords
Setting: nach Aus dunkler Vorzeit
Warnungen: MPreg eines OCs, in der Vergangenheit.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Beta: Vistin, alt_universe_me  und danian . Danke.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 9
Masterliste

***
***


10.


Als Ianto Jacks Büro betrat, hatte der sein Telefongespräch beendet und erledigte Papierarbeit.

“Jack“, sagte Ianto und hielt Matthews Akte hoch.

Jack sah auf, lächelte dankbar und nahm sie entgegen. “Du warst lange da unten.“

“Ja“, meinte Ianto. Er musterte Jack einen Moment schweigend, versucht, seinen Fund anzusprechen, aber er entschied sich dagegen. Er wollte sich erst mal selbst einen genaueren Überblick über die Akten verschaffen.

Er richtete den Knoten seiner Krawatte und meinte: “Die Frau in der Coedwig Street … ich bin unten auf eine Idee gekommen und ich denke, ich weiß jetzt, mit was wir es zu tun haben.“

Jack hob überrascht die Augenbrauen. “Tatsächlich? Das hättest du gleich sagen sollen.“

“Entschuldige. Ich … Tosh musste etwas für mich checken, aber wir sind uns jetzt sicher.“ Er schob die Hände in die Hosentaschen. “Sie bereitet den Konferenzraum vor.“

“Gut.“ Jack legte Matthews Akte in seine Schreibtischschublade. Iantos Blick blieb auf Höhe der Schublade hängen und Jack runzelte die Stirn. “Ianto?“

Ianto blickte zu ihm auf. Ihm schien es, als wäre er vor Stunden ins Archiv hinunter gegangen, ahnungslos, und nun brannten ihm endlos viele Fragen auf der Zunge. Normalerweise hielt er sich gerne zurück. Er sah ein, dass Jack nur dann über sich sprach, wenn er es wollte. Aber Jacks Geheimnisse schienen größer zu sein als Ianto sich jemals hatte vorstellen können. Und er wollte nicht die Chance verstreichen lassen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Er hatte sich bisher geweigert, an der Neugier des Teams teilzuhaben, das er wusste, dass Jack nicht gerne unter Druck gesetzt wurde, aber er konnte nicht umhin, sich dieselben Fragen zu stellen wie sie.

Er entschied sich schließlich für eine, die ihm harmlos genug erschien und ihm möglicherweise die Türen für weitere öffnen würde. “Was interessiert dich so an der Akte?“, wollte er wissen. “Matthew York? Er ist vor über 70 Jahren verschwunden.“

Jacks Gesicht versteinerte und er schloss die Schublade. Er antwortete nicht, hielt seinen Blick aber fest auf Ianto gerichtet, bis dieser den Blick senkte. “Entschuldigung, Sir. Ich …“

Jacks Hand landete im Vorbeigehen auf Iantos Schulter. “Schon gut“, sagte er und verließ das Büro. Ianto dachte an die Akten im Hinterzimmer der Touristeninformation, versteckt in einer Schublade. Er wollte sie mit nach Hause nehmen und studieren. Dort, wo er nicht erwarten musste, dass Jack jede Sekunde herein kam. Weil es ein Verrat an ihm war. Ein Vertrauensbruch. Ianto hatte sich eigentlich selbst versprochen, Jack nie wieder anzulügen. Aber langsam fragte er sich, wer der Mann war, dem er so vertraute.

Ianto atmete tief durch und folgte den anderen zum Konferenzraum.

***

Owen stützte den Kopf auf eine Hand und stöhnte genervt. “Ist das ein Witz?“, fragte er. “Wir suchen nach Hinweisen, befragen die Anwohner und durchwühlen die Archive und alles, was Ianto tut, ist ein paar Worte bei Google eingeben und er hat die Antwort?“

Jack lehnte sich auf den Konferenztisch. “Also eigentlich“, meinte er und lächelte Ianto an, “hast nicht du, sondern Ianto die Archive durchwühlt.“

Owen kniff die Augen zusammen. Sein Blick glitt zu Ianto, der rechts von Jack saß. Obwohl sein Gesicht keinen Hinweis auf seine Gefühlslage gab, konnte Owen sehen, dass er nervös war, denn Ianto strich mit dem Daumen über ein Eselsohr auf dem Ausdruck, der vor ihm auf dem Tisch lag. Manchmal wusste Owen nicht, was er von Iantos Fixierung auf Ordnung und Perfektion halten sollte. Während Iantos Suspendierung war Owen öfter in seiner Wohnung gewesen. Sie hatte wie aus einem Katalog gewirkt. Selbst die persönlichen Gegenstände – Bücher, DVDs und Bilder – waren auf eine Art in der Wohnung verteilt gewesen, die Owen an ein Musterhaus denken ließ. Owen war sicher der letzte, der seine eigene Wohnung als gemütlich bezeichnen würde. Er kaufte nur, was er brauchte und sein Fernseher stand noch immer auf einem Umzugskarton statt einem Tisch. Aber sie fühlte sich bewohnt an. Kleidung lag über Möbeln, Fotos hingen am Kühlschrank und er räumte Dinge erst dann weg, wenn er den Platz für etwas anderes brauchte. Er sagte sich, dass er sich nicht darum kümmern sollte. Es war Iantos Sache und dieser Ordnungstick war eigentlich eine perfekte Voraussetzung für Iantos Job. Aber Owen konnte seinen Instinkt nicht abschalten und er ahnte, dass mehr dahinter steckte.

Iantos Stimme riss ihn aus seinen Gedanken: “Und eigentlich habe ich nicht bei Google nachgeschlagen, sondern Wikipedia.“

“Wikipedia“, wiederholte Owen.

Ianto ließ von dem – nun geglätteten – Eselsohr ab. “Die walisische Ausgabe.“

“Es gibt eine walisische Ausgabe?“

Ianto legte den Kopf schief und musterte Owen, als wäre er es leid, ihm immer alles erklären zu müssen. In einem völlig neutralen Tonfall meinte er: “Es gibt Wikipedia in fast allen Sprachen.“

Gwen hob etwas ungeduldig eine Hand. “Könnten wir zum Thema zurückkehren?“

Owen drehte sich zu Tosh und wisperte: “Wer liest ein walisisches Wikipedia?“

“Owen“, sagte Jack und er verstummte.

Jack nickte Ianto zu und der räusperte sich. Er richtete den Knoten seiner Krawatte und straffte die Schultern. “Fy mlentyn, fy mlentyn bach“, sagte er. “Das hat sie gesagt. Ich habe es als Suchbegriff verwendet. Es bedeutet so viel wie 'Mein Kind, mein kleines Kind' und ist ein Trauerschrei, der der walisischen Gwrach-y-Rhibyn zugeordnet wird.“

Gwen schnappte nach Luft. “Gruselig“, sagte sie. “Meine Großmutter hat mir Geschichten über sie erzählt. Sie sagen den Tod voraus, oder?“

“Im Wesentlichen handelt es sich dabei um einen Geist, einen bösen Geist. Er kommt in Gestalt einer alten, hässlichen Frau. Sie ist ein Todesomen. Angeblich spukt sie nur bei alten walisischen Familien und ist immer dann zu hören, wenn ein Todesfall kurz bevor steht. Sie weint dann entweder um ein Kind oder einen Mann. Manchmal kann man sogar den Namen des Todgeweihten verstehen.“

Owen verzog das Gesicht. “Ganz ehrlich, das ist mir ein bisschen zu viel Supernatural.“

Ianto fuhr ungestört fort: “Es gibt diese Erscheinung in vielen Kulturen auf der ganzen Welt. Man bezeichnet sie auch als Hag, in Schottland als Bean Shith, in Deutschland als Sabberhexe, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Manchmal ist ihr Trauerruf nachts am Haus der Familie zu hören, einige Legenden berichten auch davon, dass sie an Flussläufen sitzt und blutige Kleidung auswäscht. Am wichtigsten für uns scheint ihre irische Entsprechung zu sein – die Banshee.“ Er blickte zu Jack. “Das wird dir nicht gefallen.“

Jack verschränkte die Hände. “Ich bin jetzt schon wenig begeistert.“

Ianto räusperte sich. “Banshee kommt vom irisch-gälischen Bean Si und das kann 'Geistfrau' bedeuten oder aber … 'Frau von den Feen'.“

Gwen blickte verunsichert zu Jack. “Die Feen?“, fragte sie. “Ich dachte, die wären wir los.“

Tosh antwortete: “Leider nicht. Auf Iantos Recherche hin habe ich die Nachbarschaft einer genaueren Untersuchung unterzogen. Nach wie vor keine Riss-Energie, aber kleinere Turbulenzen beim Wetter. Minimal und immer nachts. Ein kräftiger Wind. Nicht so stark wie während den Angriffen vor ein paar Tagen, deshalb habe ich dem keine weitere Beachtung geschenkt.“

Jacks Gesichtsausdruck war hart geworden und er starrte auf den Tisch. Gwen starrte ihn fragend an. “Was machen wir jetzt?“

Jack stand auf. “Wir werden heute Abend einen Ausflug in den Wald machen. Jetzt werden wir sie noch nicht antreffen, aber bei Nacht haben wir mehr Chancen. Bis dahin bereiten wir uns vor. Tosh, nimm dir die letzten drei Tage vor. Erstelle eine Liste von merkwürdigen Wettermustern und schau, ob Coedwig Street die einzige betroffene ist. Owen, check die Krankenakten der Bewohner der Straße gründlich durch. Ich will alles wissen. Krankheiten, Gefährdungen … kümmere dich vorrangig um die Kinder. Vor irgendeinem Tod warnt diese Frau und ich will wissen, wer gefährdet ist. Gwen, du hilfst ihm. Ianto, gute Arbeit. Schreib einen ausführlichen Bericht für mich und die Archive und such nach mehr Hinweisen auf diese Frau – wo ist sie zuletzt aufgetaucht? Wer ist gestorben?“

Ianto nickte und das Team machte sich an die Arbeit.

***

Matthew

Gwen drückte Enter. Während der Computer suchte, ließ sie ihren Blick durch den Hauptraum der Basis wandern. Owen machte Pause, nachdem er und Gwen die Sichtung der Krankenakten beendet hatten – ergebnislos. Tosh saß noch an ihrer Analyse und Jack war in seinem Büro.

Ihr Computer gab ein kurzes Piepsen von sich. Viele Suchergebnisse, nur einer der Männer war ein Torchwood-Mitarbeiter gewesen. Matthew York. Sie klickte den Namen an, aber ein Informationsfenster klärte sie darüber auf, dass seine Akte noch bearbeitet wurde. Nachdenklich, stützte sie den Kopf auf eine Hand und öffnete das Bildarchiv. Tosh hatte Gwen erzählt, dass sie in ihren ersten Wochen bei Torchwood noch keine eigenen Projekte gehabt und sich deshalb dem Bildarchiv angenommen hatte. Sie war damit schon weit vorangeschritten und Ianto nutzte es bereits, um es mit den digitalisierten Versionen der Akten aus dem Keller zu verlinken. Gwen fand, dass die Arbeit der beiden fantastisch war. Ihre Datenbank war riesig und gut sortiert und für jede Akte gab es eine ausgedruckte Form im Keller, sollte etwas mit den Computern nicht stimmen.

Sie tippte auch hier Matthew York ein und bekam ein Ergebnis. Ein altes Foto. Jack fiel ihr als erstes ins Auge. Es war merkwürdig, dass sie sich noch über sein Gesicht auf einem Foto von 1931 erschrecken konnte, wo er doch bereits so gut wie zugegeben hatte, damals gelebt zu haben. Er hatte ihr die Geschichte von ihm und Estelle erzählt. Gwen fragte sich, wie viele Menschen er in all den Jahren auf der Erde verloren hatte. Auf diesem Bild grinste er in die Kamera, sein Mantel sah genauso aus wie heute, auch das Hemd und die Hosenträger … als hätte man ihn nachträglich in das Bild eingefügt. Gwen sah sich die Namen unter dem Foto an und fand Matthew York direkt neben Jack. Jung, sympathisch, ein schüchternes Lächeln auf den Lippen. Jacks Hand lag auf seiner Schulter. Gwen wusste nicht, ob sie es sich einbildete, aber sie glaubte, etwas zwischen den beiden Männern zu sehen. Eine Verbindung. Sollte Matthew York eine andere Eroberung Jacks gewesen sein?

Sie druckte das Foto aus.

“Was hast du damit vor?“, fragte Ianto und Gwen zuckte zusammen.

Sie drehte sich zu ihm um. “Gott, Ianto! Hast du mich erschreckt.“ Ihr entkam ein nervöses Lachen. Er reichte ihr eine Tasse Kaffee und nickte insistierend auf das Foto. Gwen hielt es hoch. “Fällt dir was auf?“ Gwen war überrascht. Nach der ganzen Sache mit Lisa hätte sie gedacht, Ianto wäre ein besserer Schauspieler, aber scheinbar galt das nur, wenn es um Leben ging. Er schien kaum überrascht, Jack auf dem Foto zu sehen, versuchte jedoch kläglich, so zu wirken. Sie lachte. “Netter Versuch. Wie lange weißt du es schon?“, fragte Gwen.

Ianto seufzte geschlagen. “Ich habe Akten in den Archiven gefunden. Jacks geht … ziemlich weit zurück.“

“Also ist er nicht durch den Riss gefallen“, meinte Gwen.

Ianto runzelte die Stirn. “Wie bitte?“

Sie winkte ab. “Nur so eine Theorie, die Tosh und Suzie hatten – egal.“ Sie starrte auf das Foto. “Er ist also tatsächlich so alt.“ Sie rückte mit ihrem Stuhl näher an Ianto heran und er lehnte sich an ihren Schreibtisch. Gwen sprach leiser, auf Owens und Toshs Nähe bedacht. “Mir hat er erzählt, er und Estelle wären ein Paar gewesen. Ich habe alte Fotos in Estelles Haus gesehen – Fotos von ihm. Zuerst hat er behauptet, sie wäre mit seinem Vater zusammen gewesen, aber kein Sohn ist seinem Vater so aus dem Gesicht geschnitten. Er hat mir dann die Wahrheit gesagt.“ Sie blickte zu Ianto auf. “Er kann nicht sterben.“ Sie bemerkte, dass Ianto dieses mal wirklich überrascht war. “Ich habe gesehen, wie er erschossen wurde – von Suzie – und er ist einfach wieder aufgestanden.“

“Das macht natürlich Sinn“, meinte er. “Wie könnte er sonst so lange leben ohne … eine Schutzfunktion. Und ohne zu altern.“ Er nahm das Foto und faltete es zusammen. “Gwen, sag es nicht den anderen.“

“Das habe ich nicht vor“, antwortete sie.

Er blickte sie bittend an. “Ich bin nicht taub. Ich habe gehört, worüber ihr redet. Diese ganze Rätselei über Jacks Vergangenheit … du wirst es ihnen nicht sagen, das denke ich mir, aber sie werden rein zufällig dieses Foto finden, oder?“

Gwen verschränkte die Arme und starrte ihn trotzig an. “Ianto, er hat kein Recht, uns so etwas wichtiges vorzuenthalten.“

“Er hat jedes Recht. Es ist seine Sache.“

“Ianto-“

“Es hat nichts“, er schüttelte den Kopf, “rein gar nichts mit unser Arbeit zu tun. Wo er herkommt oder wie alt er ist … es ist seine Sache. Dass er nicht sterben kann ebenfalls. Es hält ihn nicht davon ab, seinen Job zu machen. Im Gegenteil, wenn ich genauer drüber nachdenke, kann er deshalb mehr riskieren als wir alle zusammen und das tut er auch. Wenn du ihn zwingst darüber zu reden, indem du es den anderen sagst … das wäre nicht gut.“

“Willst du es denn nicht wissen, Ianto?“, fragte Gwen. “Bist du gar nicht neugierig?“

Er lächelte schwach. “Natürlich. Aber er sagt es uns, wenn er bereit dazu ist.“ Ianto starrte sie ernst an. “Ich habe die Akten gesehen und glaub mir, ich wollte sie lesen. Ich hatte fest vor, sie zu lesen. Aber ich habe mich dagegen entschlossen. Es wäre ein Vertrauensbruch. Egal, ob er davon weiß oder nicht.“ Er seufzte und gab ihr das Foto. “Ich kann dich nicht davon abhalten, Gwen, aber … denk genau drüber nach.“

***

“Sir?“

Jack blickte von Matthews Akte auf und zu Ianto, der in seiner Bürotür stand. Er hielt einen Stapel Akten in der Hand und kam nun auf Jack zu. Jack schloss Matthews Akte und legte sie in seine Schublade. “Ianto“, lächelte er dann. “Du warst doch erst vor zehn Minuten mit Kaffee hier.“

Ianto warf einen bezeichnenden Blick in die leere Tasse. “Und wie ich sehe, hast du ihn wirklich gebraucht.“ Ianto war nervös. Er zeigte es nicht, aber Jack konnte es spüren. Er fragte sich, was nicht stimmen konnte und überlegte, Ianto direkt zu fragen, doch dann entschied er sich dagegen. Ianto musste selbst entscheiden, mit Jack zu reden.

Also lächelte er nur. “Was hast du für mich?“

“Den Bericht“, sagte Ianto langsam und reichte Jack eine der Akten. Er holte tief Luft, bevor er sagte: “Und die hier.“

Jack nahm die Akten automatisch zur Hand, als Ianto sie ihm reichte und erkannte erst auf den zweiten Blick, was für welche es waren.

Harkness, Jack, Captain

Er starrte auf den Deckel des obersten Ordners und schluckte. Er hatte vollkommen vergessen, dass diese Akten dort unten waren. Ianto hatte mal erwähnt, dass er die Mitarbeiterakten als unterste Priorität betrachtete, und deshalb hatte Jack gehofft, ihm diese erst später erklären zu müssen. Vielleicht sogar nie.

“Ich hätte dich nicht um Matthews Akte bitten sollen“, stellte er fest.

Ianto verschränkte die Hände auf dem Rücken, als wäre es ihm peinlich. “Vermutlich hätte ich die dann erst in etwa einem Jahr gefunden.“

Jack legte beide Hände auf die Akten und sah auf. “Ianto-“

“Gwen weiß es.“ Ianto starrte ihn ernst an.

“Natürlich. Immerhin hat sie ...“ Er brach ab, fragte sich, wie viel Ianto wusste.

“Dich sterben sehen?“

Jack nickte langsam und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er drehte den Sessel in Iantos Richtung und der andere Mann nahm dies als Bestätigung, dass sie darüber sprechen würden. Er lehnte sich an den Schreibtisch und stützte sich mit den Händen auf dem Holz ab. Jack ließ einen lauten Seufzer hören. “Hast du sie gelesen?“

Ianto schüttelte den Kopf und senkte den Blick. “Ich wollte, aber ...“ Er zögerte.

Jack nahm seine Hand. “Danke“, sagte er ernst. Es bedeutete ihm viel, dass Ianto ihn wegen der Akten ansprach. Noch mehr, dass er ihm genügend vertraute, um sie nicht zu lesen. Nicht alles darin war schmeichelhaft und gerade die frühen Akten ließen den Leser wissen, dass Jack als gefährlich und nicht vertrauenswürdig eingestuft wurde.

“Jack, das Team … Gwen weiß Bescheid und sie denkt, Owen und Tosh sollen es auch wissen. Und sie reden.“

“Ich weiß. Ich habe sie neulich beim Chatten erwischt.“ Er lächelte, dann wurde er wieder ernst. “Denkst du, ich sollte es ihnen sagen?“

Ianto seufzte tief. “Es ist deine Entscheidung.“

Jack legte den Kopf schief und meinte: “Sag mir, was du denkst.“ Ianto schüttelte den Kopf und Jacks Griff um seine Hand wurde fester. “Ianto.“

Ianto verdrehte etwas die Augen. “Ich denke, geheim kannst du es nicht mehr lange halten.“

Jack seufzte. “Das fürchte ich auch.“ Er ließ Ianto los und der lächelte.

Ianto machte sich auf den Weg nach draußen. An der Tür hielt er inne. “Jack“, sagte er und drehte sich zu ihm um. Jack blickte ihn fragend an. Ianto meinte: “Ich werde nicht fragen, aber falls du darüber reden willst ...“

Jack lächelte. “Danke, Ianto.“

Kapitel 11
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