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Weinende Erde 12/17

Serie: Mosaik
Worte: 41.067
Inhalt: Coedwig Street war lange Zeit eine friedliche Nachbarschaft, doch seit neuestem treibt sich dort ein geheimnisvolles Wesen herum, das die Anwohner verschreckt und Torchwood auf den Plan ruft. Das Team ahnt nicht, dass es sich mit einer Kraft anlegt, die älter als der Planet selbst ist … und gefährliche Verbündete hat. Und während Gwen mit Beziehungsproblemen kämpft und Ianto mit der Tatsache, dass er sich zu Jack hingezogen fühlt, scheinen die Feen noch eine Rechnung mit dem Captain offen zu haben.
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Gwen Cooper, Toshiko Sato, Owen Harper, Rhys Williams, die Feen, Andy Davidson, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys
Rating: PG-13
Spoiler: Wie alles begann, Die Geistermaschine, Aus dunkler Vorzeit, Offenbarungen, Charaktere aus Kinder der Erde (Iantos Familie) / Romane: Slow Decay / Doctor Who: Andeutungen auf The end of the World und The Sound of Drums, sowie The Last of the Time Lords
Setting: nach Aus dunkler Vorzeit
Warnungen: MPreg eines OCs, in der Vergangenheit.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Beta: Vistin, alt_universe_me  und danian . Danke.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 11
Masterliste

***
***


12.


Ianto landete auf dem Rücken, eine seiner Hände unter ihm gefangen, eine von Jacks Händen gegen seinen Hals gedrückt, die andere hielt die Faust fest, die ausgeholt hatte, um ihn zu schlagen. Jacks Beine drückten Iantos zu Boden und sein Oberkörper verhinderte, dass Ianto sich aufrichten konnte. Sie atmeten beide schwer und Jack lockerte den Griff um Iantos Kehle etwas, simulierte den Würgegriff weiter. “Du hast zwei Minuten, bevor dir die Luft ausgeht.“

Ianto bäumte sich auf, aber Jack drückte ihn wieder auf die harte Matte zurück, mit der der Boden des kleinen Trainingsraums ausgelegt war. Ianto schaffte es, eines seiner Beine zu befreien um legte es um Jacks Hüfte. Er stieß sich mit der Hand unter seinem Rücken ab und verzog das Gesicht, als sein Handgelenk sich beschwerte. Er schaffte es aber, ihre Positionen umzudrehen. Doch bevor er die Oberhand absichern konnte, hatte Jack sie wieder herum gerollt und zog ein Bein an, um Iantos Hand mit dem Knie zu Boden zu drücken. “Was machst du jetzt?“, fragte Jack. “Eine Minute.“

Ianto testete seine Beinfreiheit und hob die Augenbrauen. “Ich ramme dir mein Knie in den Schoß.“

Jack nickte und ließ ihn los. Ianto nutzte die Gelegenheit und drehte sie herum. Jack lächelte. “Das hat weh getan“, stimmte er zu. “Aber ...“ Er bewegte seine Hand. Ianto sah aus dem Augenwinkel, wie er eins der Plastikmesser, dass sie zur Übung benutzen, aus dem Hosenbund zog und duckte sich, als Jack damit ausholte. Er packte Jacks Handgelenk und schlug es auf die Matte. Jack verzog das Gesicht und ließ das Messer los.

Ianto griff danach und legte es an Jacks Kehle. Er lächelte. “Ich gewinne, Sir.“

“Offenbar.“ Jack grinste und Ianto legte des Messer weg, bevor er zu Jack hinunter blickte. Und erstarrte. Er war plötzlich zurück in diesem Lagerhaus, in dem sie Myfanwy gefangen hatten. Ianto war so kurz davor gewesen, Jack zu küssen und nur der plötzliche Gedanke an Lisa hatte ihn davon abgehalten. Bis heute wusste er nicht, ob er Jack beinahe geküsst hätte, um ihm eine zusätzliche Motivation zu geben, ihn einzustellen, oder ob er es beinahe getan hätte, weil er es wollte. Jack reckte das Kinn – herausfordernd, wie damals – und Ianto konnte nicht anders.

In dem Moment, in dem ihre Lippen sich berührten, legten Jacks Hände sich fest auf Iantos Hüften und zogen ihn näher. Jack öffnete den Mund und Ianto vertiefte den Kuss. Eine seiner Hände grub sich in Jacks Haare und drehte seinen Kopf etwas und Jacks Hände zogen Iantos T-Shirt hoch und streichelten über seinen Rücken. Er spreizte die Beine und ließ Ianto dazwischen liegen. Es war so einfach, weil es so vertraut war und trotzdem neu. Aber ihre Situation hatte sich verändert. Und Ianto wurde bewusst, was er tat. Er brach den Kuss hektisch ab und stand schnell auf. “Nein. Nein, ich kann das nicht“, sagte er und verließ den Trainingsraum. Er eilte den schwach beleuchteten Flur entlang und betrat den Duschraum, öffnete seinen Spind und kramte sein Handy und seine Autoschlüssel aus der Tasche seines Jacketts. Er wollte sich nicht die Zeit nehmen, sich umzuziehen. Er wollte Jack nicht die Gelegenheit geben, ihn einzuholen.

“Ianto.“

Er hielt inne. Eine Hand landete auf seiner Schulter und Ianto drehte sich weg. “Nicht“, entkam ihm, bevor er es stoppen konnte.

Jack hob beide Hände. “Schon gut.“ Er legte den Kopf schief und schob die Hände in die Taschen seiner Hose. Ianto schloss den Spind und lehnte sich dagegen. Er senkte den Blick und konnte aus dem Augenwinkel sehen, wie Jack näher kam und neben ihm stehen blieb. “Du hast mich geküsst“, sagte Jack.

Ianto sah zu ihm auf. “Ich weiß. Es tut mir leid.“

Jack lächelte und verdrehte die Augen. “Das ist nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest, Ianto.“

“Doch. Es war unangebracht und ...“ Er stoppte und senkte wieder den Blick.

“Falsch?“, fragte Jack sanft. Er kam näher. “Nein, Ianto. Niemals.“ Er seufzte tief. “Was ist das Problem? Sind es … Erinnerungen?“

Es wäre so einfach Ja zu sagen. Aber Ianto hatte sich versprochen, Jack nicht wieder anzulügen. “Nicht nur“, gab er zu.

“Hm“, machte Jack. “Die Tatsache, dass ich ein Mann bin?“

Ianto zog die Schultern hoch, unsicher. Jack schien das als Zustimmung zu nehmen und fragte sanft: “Du kannst dir nicht mehr vormachen, dass du es für Lisa tust oder um mein Vertrauen zu gewinnen, nicht wahr?“

Ianto schüttelte den Kopf. “Das ist es nicht.“

“Sondern?“

“Muster“, antwortete Ianto mit einem hilflosen Lächeln. “Ich verfalle in Muster. Und ich habe Schwierigkeiten … sie abzulegen.“

Jack zog die Augenbrauen zusammen. “Von was für einem Muster sprechen wir?“

Ianto rieb sich die Stirn. “Ich bin mir nicht sicher, ob ich … das getan habe, weil ich es … gewöhnt bin. Wie ein … Programm.“ Er sah zu Jack auf. “Ich fühle mich zu dir hingezogen. Aber ich bin nicht schwul.“

“Es geht also doch wieder um Sexualität“, meinte Jack seufzend. “Warum ist euch das Thema so wichtig?“ Ianto schwieg und Jack nickte langsam. “Okay“, meinte er. “Das ist offenbar etwas, das du mit dir selbst ausmachen musst. Und ich war nicht gerade hilfreich. Ich halte mich von jetzt an zurück, bis du weißt, was du willst. Kein Flirten, kein Küssen … versprochen.“ Er lächelte.

Ianto antwortete mit einem schwachen Grinsen. “Ich fürchte, das widerspricht deiner Natur.“

“Ich gebe zu“, führte Jack den Scherz weiter, “es ist schwierig. Du bist so ...“ Er zuckte mit den Schultern. “Es ist schwierig. Wichtig ist nur, dass du weißt, dass ich interessiert bin, Ianto. Sehr sogar. Ich bin nicht auf der Suche nach etwas Ernsthaftem und ich bezweifle, dass du das im Moment brauchst. Aber … wenn das genug für dich ist, sage ich ja.“ Er lächelte, wandte sich ab und ging.

***

Gwen starrte unentschlossen an die Wohnungstür, bevor sie klingelte. Sie fragte sich bereits, ob es so eine gute Idee gewesen war, herzukommen, aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Tosh trug einen Bademantel, als sie die Tür öffnete. Ihre Augen weiteten sich überrascht.

“Gwen“, sagte sie.

“Ja“, antwortete sie und biss sich nervös auf die Unterlippe. Am späten Abend vor der Tür einer Kollegin aufzutauchen, die sie im Prinzip noch nicht gut genug für solche Überraschungsbesuche kannte, war eine dumme Idee gewesen.

Tosh stand in ihrer Tür, scheinbar nicht wirklich sicher, was sie mit dem Besuch anfangen sollte und Gwen schüttelte den Kopf. “Ich … ich störe, oder? Ich sollte gehen.“ Sie wandte sich ab.

Tosh hielt ihren Arm fest. “Nein, Unsinn. Ich habe nur gebadet.“ Gwen drehte sich zu ihr. Tosh lächelte schwach und trat zur Seite. “Komm rein.“

Gwen hielt eine Flasche Wein hoch. “Ich komme auch nicht mit leeren Händen.“

Tosh lächelte und schloss die Tür. Sie deutete zu ihrer Küche. “Da ist ein Korkenzieher in der obersten Schublade neben dem Kühlschrank. Ich ziehe mir was an.“

Toshs Küche war überraschend groß und sie verfügte über eine dieser Kücheninseln, von denen Rhys immer schwärmte. Gwen war keine gute Köchin. Sie verbrachte ihre Zeit nicht gerne vor dem Herd, aber Rhys war da anders. Er kochte gerne und fantastisch.

Tosh kehrte in einem T-Shirt und einer alten Jeans wieder zurück und zog noch eine Strickjacke über.

“Ich hätte anrufen sollen. Ich wollte nur nicht allein sein“, meinte Gwen, während Tosh zwei Gläser aus dem Schrank holte.

“Nein, nein, schon gut“, antwortete sie und lächelte Gwen an. Sie führte sie ins gemütliche Wohnzimmer und sie setzten sich auf die Couch. Tosh hatte viele Bücher. Gwen überflog die Regale nur, aber die meisten schienen Fachbücher und wissenschaftliche Arbeiten zu sein. Auf dem Kaffeetisch lag ein Bildband über Wales und im Regal neben dem Fernseher stapelten sich DVDs – Klassiker, wie Gwen erkannte und sie erinnerte sich, Ianto und Tosh ein paar mal über alte Filme reden gehört zu haben.

Gwen goss ihnen Wein ein und lehnte sich mit Tosh auf der Couch zurück. Sie tranken einen Schluck und eine etwas unangenehme Stille breitete sich aus, dann fragte Tosh: “Was ist denn los?“

Gwen seufzte tief. “Rhys und ich hatten einen Streit“, sie nahm einen Schluck Wein, “und Jack ist jetzt vermutlich ebenfalls sauer.“

Tosh runzelte die Stirn. “Was hat Jack mit all dem zu tun?“

“Eine Menge“, antwortete Gwen. Sie starrte einen Moment hilflos an die Decke, strich sich die Haare aus der Stirn und erklärte: “Rhys glaubt, ich habe eine Affäre mit ihm.“

Tosh lächelte. “Dabei hat er ihn noch nicht mal getroffen“, meinte sie. Gwen hatte Mitleid oder Belustigung erwartet, deshalb kam Toshs Akzeptanz etwas überraschend.

“Gwen“, sagte Tosh, “Jack ist Jack. Er ist überwältigend und riesig und ich weiß, wie es ist, die ersten paar Monate mit ihm zu arbeiten. Vielleicht warst du etwas zu enthusiastisch.“

Gwen schüttelte den Kopf. “Es ist nicht unbedingt Jack“, sagte sie. “Es ist der ganze Job. Ich habe noch nie etwas gemacht, von dem ich dachte, es würde etwas bedeuten.“ Sie lehnte den Kopf zurück und sah Tosh an. “Das ist das erste Mal, dass ich etwas wichtiges tue.“ Sie verdrehte die Augen. “Gott, vielleicht war ich zu enthusiastisch.“

Tosh lachte. “Gut möglich. Aber ich kann das verstehen.“

Gwen seufzte tief. “Ich würde Rhys so gerne sagen, was ich mache. Das habe ich Jack vorhin gesagt und er meinte natürlich, das sei außer Frage – ganz oder gar nicht. Ich verstehe es ja auch. Ich habe nur Angst … Rhys zu verlieren.“

Tosh zog die Beine zu einem Schneidersitz auf die Couch. “Du hast wenigstens ein Leben außerhalb der Basis.“

“Das könntest du auch haben“, antwortete Gwen. “Owen könnte das auch haben. Oder Jack und Ianto.“

Tosh schüttelte den Kopf. “Owen hat kein Interesse an etwas dieser Art.“ Sie wirkte einen Moment traurig, dann fügte sie hinzu: “Und Jack und Ianto … ich denke, Lisas Tod sitzt Ianto noch in den Knochen. Bei Jack weiß ich nicht, was es ist, aber etwas hält ihn davon ab, etwas Festes einzugehen. Ich arbeite seit ein paar Jahren für ihn. Ich habe ihn nie mit jemandem gesehen, der mehr als ein One Night Stand war. Und selbst die hat er selten.“

“Was ist mit dir?“, fragte Gwen.

Tosh verdrehte die Augen. “Ich will immer das, was ich nicht haben kann.“

“Die falschen Männer“, nickte Gwen. “Vor Rhys hatte ich auch einen Hang zu ihnen.“ Einen Moment zögerte sie, fragte sich, ob sie sich nahe genug für die Frage waren, die ihr auf der Zunge brannte. Schließlich siegte ihre Neugier doch: “Kenne ich ihn?“ Tosh wurde rot. Gwen grinste. “Okay, ich kenne ihn also.“ Die logischste Lösung war: “Jack?“

Toshs Augen weiteten sich und sie lachte. “Oh, Gott, nein. Das ist lange vorbei!“ Sie beruhigte sich. “Ich war ein bisschen in ihn verliebt, als ich bei Torchwood angefangen habe.“

“Ist da je was gelaufen?“, fragte Gwen.

Tosh schüttelte den Kopf. “Nein. Er wusste, dass ich nicht wirklich … es war eine emotionale Zeit für mich und er war da und … das hat es wohl ausgelöst.“

Gwen bemerkte, dass Tosh bewusst etwas verschwieg, aber sie beschloss, nicht nachzufragen. “Also nicht Jack. Ianto?“

Tosh schüttelte den Kopf.

“Das kann nicht dein Ernst sein“, meinte Gwen. “Owen?“

Tosh wurde rot und wandte den Blick ab. Gwen hätte nie erwartet, richtig zu liegen. Jemanden wie Ianto – ruhig, freundlich und zurückhaltend – hatte sie erwartet. Jack hätte sie nachvollziehen können. Nicht jemanden wie Owen, der sich bei jeder Gelegenheit eine andere Frau mit ins Bett nahm. Er war gefährlich. Gwen konnte Tosh verstehen – sie selbst hatte auch immer etwas für gefährliche Männer übrig gehabt. Aber sie waren nichts für eine feste Beziehung. Und Gwen glaubte, dass Tosh nicht der Typ für eine Affäre oder einen One Night Stand war. Tosh schien ihr ihre Skepsis anzusehen, denn sie meinte: “Vielleicht unterschätzt du Owen.“

“Er ist ein Arschloch.“

“Nicht immer“, antwortete Tosh. “Er hat viel durchgemacht.“

“Hm“, machte Gwen unentschieden. Sie nippte an ihrem Wein.

Tosh sah auf die Uhr. Ein paar Minuten war es ruhig. Gwen überlegte, ob es angebracht war, wieder zu gehen, aber sie wollte nicht wirklich zurück in ihre leere Wohnung.

Tosh fuhr sich durch die Haare. “Lust auf eine DVD?“

“Wenn es dich nicht stört, dass ich noch bleibe“, antwortete Gwen erleichtert.

“Unsinn“, antwortete Tosh. “Ich bleibe ohnehin immer lange auf.“

***

Es war nur ein Raum, sagte Jack sich und schloss die Tür auf – langsam, als könne er sich so wappnen. Es war immer dasselbe, alle paar Jahre. Erst kam Matthews Akte und dann das Zimmer, das er während seiner Schwangerschaft bewohnt hatte. Er hatte die Basis nicht mehr verlassen können, nachdem sich sein Zustand immer deutlicher abzeichnete und Jack hatte eines der Gastquartiere wohnlicher für ihn gestaltet. Wohnlicher für sie beide.

Er öffnete die Tür und schaltete das Licht an. Die Birne flackerte widerwillig, doch schließlich gab sie nach und erhellte das Quartier. Die Wände waren kahl, nicht mal gestrichen, und erweckten den Eindruck eines Kellerraums. Ein Doppelbett in einer Ecke des großen Raumes, eine Wiege in der anderen, daneben ein Schaukelstuhl und eine Stehlampe. Auf einem Beistelltisch stand ein Plattenspieler, eine Tischlampe, am Fußende des Bettes ein Ofen. Es war einfach, rustikal und unpersönlich. Alles war mit Staub bedeckt, in den Ecken hingen Spinnweben.

“Ich hasse es hier unten“, flüsterte Matthew und zog die Bettdecke höher. Er starrte zu der Stehlampe, die ein schwaches Licht abgab. “Es ist immer dunkel, völlig egal, wie viele Lampen ich einschalte.“

Jack legte den Kopf auf Matthews Schulter und schob eine Hand unter die Decke, um sie auf den Babybauch zu legen. “Es ist nicht mehr lange. Dann können wir die Basis verlassen.“

“Wir werden nie jemandem die Wahrheit sagen können“, meinte Matthew traurig und verschränkte seine Hand mit Jacks.

“Über das Baby?“

“Und über uns“, flüsterte Matthew. “Du kannst nie offiziell der Vater sein.“

“Genau genommen bin ich es nicht“, antwortete Jack. “Er wird aus deiner DNS bestehen. Dazu wurden Fertilisatoren gebaut. Damit eine Person alleine ein Kind kriegen kann.“

Matthew lachte leise. “Bloß weil ich den falschen Knopf gedrückt habe, heißt das nicht, dass du nicht sein Vater sein kannst.“ Seine Stimme wurde ernst und er drehte den Kopf, um seinen Liebhaber anzusehen. “Ich schaffe das nicht alleine, Jack.“


Jacks Hand fuhr über den Bettrahmen und er ging an dem Schaukelstuhl vorbei zur Wiege. Die weiße Bettwäsche war grau geworden und Staub verkrustet.

“Wem willst du etwas vormachen, Jack? Du schaffst das nicht alleine“, sagte Constantine Jane ruhig. Er war ein großer Mann mit eisgrauen Augen und kurzen, blonden Haaren. Er trug einen dunklen Mantel über einem weißen Hemd und dunklen Hosen.

Jack drückte das Baby enger an sich. Er starrte den Torchwood-Leiter entschlossen an. “Und ob.“

“Gib mir das Baby, Jack“, verlangte Constantine.

Eveline Mason trat neben ihn und legte ihm eine Hand auf den Arm. Sie sah Jack aus grünen, traurigen Augen an und zupfte an ihrer Bluse – ein Zeichen von Nervosität, die sie selten befiel. Die dunklen langen Haare rahmten ein hübsches Gesicht ein und als sie eine Hand hob, um ein paar Strähnen hinter ihr Ohr zu stecken, funkelte ihr Ehering kurz auf. Selbst drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes trug sie ihn noch.

“Wir haben eine Familie für den Kleinen. Sie freuen sich auf ihn. Und sie sind bereit, keine Fragen zu stellen.“

“Nein“, sagte Jack. “Ich war nicht bei Matthew, als er mich gebraucht hat, und ich werde Michael nicht auch aufgeben.“

Constantine fluchte aufgebracht. “Er ist nicht dein Sohn!“, sagte er und Michael begann zu weinen. Constantine ließ sich davon nicht ablenken. “Der Junge ist verschwunden. Sein Besitz geht an Torchwood, also auch das Baby. Und wir übergeben ihn an eine Familie, die sich gut um ihn kümmern wird. Fall erledigt.“

“Für dich war er doch ohnehin nie mehr als ein Versuchsobjekt, genau wie Matthew“, antwortete Jack. Er starrte Constantine wütend an. “Es würde mich nicht wundern, wenn du für sein Verschwinden verantwortlich wärst.“

Eveline trat zwischen die beiden Männer und warf Constantine einen auffordernden Blick zu. Er starrte sie wütend an, dann trat er widerwillig ein paar Schritte zurück. Eveline legte eine Hand auf Michaels Rücken und die andere an Jacks Wange. “Jack, bitte.“

“Er ist mein Kind“, sagte er leise und ihm traten Tränen in die Augen. “Er ist Matthews Kind.“

“Wir haben lange genug gewartet und überall gesucht.“ Eveline schüttelte den Kopf. “Er kommt nicht wieder.“

“Er würde Michael niemals verlassen.“

Eveline liefen Tränen über die Wangen. “Ich weiß. Etwas muss passiert sein, aber wir werden es wahrscheinlich nie erfahren.“ Sie seufzte. “Jack, du kannst dich nicht um ihn kümmern. Torchwood ist dein Leben.“

Er senkte den Blick und drückte seine Wange gegen Michaels Kopf, grub seine Nase in die weichen, dunklen Haare. Er jammerte leise und klammerte sich an seinen Mantel, seinen Geruch und seine Stimme gewöhnt, aber traurig, weil sein Vater ihn seit Wochen nicht mehr im Arm gehalten hatte.

Jack blickte zu Constantine. “Ich will erfahren, wo ihr ihn hinbringt.“

“Nein“, sagte Constantine.

Eveline warf ihm einen warnenden Blick über die Schulter zu, meinte aber: “Das wäre nicht gut, Jack. Aber ich habe die Familie ausgesucht, okay? Er wird es gut haben.“ Ihre Hände legten sich um Michael und sie nahm das Baby langsam von ihm. Jack schluchzte und drückte einen letzten Kuss auf seinen Kopf.


Die Tür zum Zimmer fiel zu und Jack schreckte aus seinen Erinnerungen. Er hörte ein leises Lachen und das Geräusch von Flügeln und ballte die Hände zu Fäusten. “Ihr seid zu feige euch zu zeigen“, sagte er, “aber nicht zu feige, um in meinem Kopf zu wühlen. Was wollt ihr? Warum Matthew?“ Er erhielt keine Antwort.

Kapitel 13
Masterliste